Bad Bergzabern
Vom Pflegeberuf zur Modegalerie: Was hinter dem Erfolg einer Geschäftsfrau steckt
Die berufliche Laufbahn von Michaela Tangermann ist ungewöhnlich. Sie folgt aber immer einem roten Faden. Sie hat trotz Schicksalsschlägen aus allem das Beste gemacht und ist stets ihrem Herzen gefolgt.
Die 64-jährige Geschäftsfrau, die heute ihre Modegalerie in der Marktstraße 3 betreibt, verschwendet Jahrzehnte keinen Gedanken daran, ein Modegeschäft zu eröffnen. Für ihre private Mode hat sie damals schließlich ihre Schwester Andrea, die eine Boutique in Dahn betrieben hat.
Viel Freude am Pflegeberuf
Wie wichtig Andrea für sie noch werden sollte, ahnt Michaela Tangermann als junge Frau nicht. Sie lernt Verwaltungsfachangestellte, arbeitet in der Kreisverwaltung Pirmasens, ihr Mann Franz, den sie 1980 heiratet, ist Zahntechniker. 1983 wird Sohn Christian geboren, das Paar zieht um nach Bad Bergzabern, weil ihr Mann eine Arbeitsstelle in der Kurstadt findet. 1986 wird Sohn Daniel geboren. „Ich wollte dann wieder arbeiten gehen bei der Verwaltung in der Pro Seniore“, erzählt Tangermann.
Und wie das Leben so spielt, bittet sie eine Freundin, in der Senioreneinrichtung in der Pflege auszuhelfen. „Das hat mir so viel Freude gemacht“, so die heutige Geschäftsinhaberin. Nach zehn Jahren Pflege, in denen sie auch die erste Station im damals neuen Haus zwei der Pro Seniore miteröffnet hat, machen ihr Probleme mit dem Rücken eine Rückkehr in den Beruf unmöglich. Als Krankenpflegehelferin wechselt sie dann 1993 in die damals noch recht neue Edith-Stein Rehaklinik. Aber auch dort wird es aus gesundheitlichen Gründen nach einigen Jahren unmöglich, weiterzumachen.
Anfänge im Böhämmer-Center
Dann ist klar, jetzt muss es etwas ganz anderes sein. „Meine Schwester Andrea hatte damals eine Modeboutique in Dahn, ich habe es geliebt bei ihr im Geschäft“, erinnert sie sich. Sie selbst habe schon immer Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt, sagt sie. Ein bisschen Ahnung habe sie ja gehabt, sei aber für die Unterstützung ihrer Schwester, die am Anfang auch den Einkauf übernommen habe, sehr dankbar gewesen. „Damals wussten wir nicht, was in Bad Bergzabern ankommt, deshalb haben wir es erst mal ausprobiert“, berichtet Tangermann.
Ihr erster Laden ist im Böhämmer-Center, in Sichtweite ihres heutigen Geschäfts. Damals noch in der Umgebung eines Supermarkts und eines Drogeriemarkts, also viel Laufkundschaft. Am Anfang mit dabei war Frank, Inhaber einer Männerboutique in Pirmasens. Zunächst bietet das Geschäft zur Hälfte Männer- und zur Hälfte Frauenmode an. Schnell wird aber klar, dass Männermode nicht gefragt ist, nach einem Jahr fällt dieser Teil weg und Michaela Tangermann konzentriert sich auf Damenmode.
Und das seit jetzt 22 Jahren mit Erfolg. „Der Umgang mit Menschen war mir immer wichtig, jeder soll gerne hereinkommen und sich nicht zu irgendetwas genötigt fühlen“, ist ein Grundsatz der Geschäftsfrau.
„Es ist alles gut so, wie es ist“
Alles ist gut, bis ihr Mann schwer krank wird und die Corona-Zeit auch die Geschäftswelt lahm legt. Das verschafft dem Paar trotz aller äußerer Widrigkeiten Zeit miteinander und Zeit, um vier Jahre lang jeden Dienstag und Freitag nach Freiburg zu einer achtstündigen Chemotherapie zu fahren. 2022 stirbt ihr Mann. Michaela Tangermann arbeitet weiter, denn das Geschäft muss sie jetzt ernähren.
Sie habe mittlerweile viele Stammkundinnen, ohne die es nicht ginge, sagt sie. Das sei ein wichtiger Baustein für den Erfolg. Denn Kundinnen seien ihre beste Werbung. Dazu kämen Urlauberinnen und Patientinnen aus den örtlichen Kliniken. „Der Laden trägt sich gut, aber diesen ganz unterschiedlichen Kundinnenstamm brauche ich.“
Sie verkauft sportive bis elegante Mode in den Größen 34 bis 44. Basics, Business-Mode, festliche Kleidung und neueste Trends in hoher Qualität, zählt sie auf. Manchmal macht sie sich Gedanken, ob Urlauber mit der Zeit wegfallen, weil die Kurstadt unattraktiver geworden ist und es kaum noch Geschäfte in der Fußgängerzone gibt. Oder ob nach Fertigstellung des Baus des Umgehungstunnels die Menschen dann eher um die Stadt herum fahren. Aber derzeit ist sie mit ihrem Geschäft zufrieden. „Es ist alles gut so, wie es ist“, sagt sie.
Die Serie
Parkplätze, Inflation, Online-Handel: Die Geschäfte in Südpfalz stehen vor vielen Herausforderungen. Wir stellen in loser Reihenfolge inhabergeführte Einzelhändler vor – und fragen, wie sie auf den wachsenden Druck reagieren.