Landau Vom Holzschnipsel zur Küchenarbeitsplatte

Drei mit Klebstoff vermischte Schichten mit unterschiedlich großen Spänen – der Kuchen – werden auf ein Transportband gestreut.
Drei mit Klebstoff vermischte Schichten mit unterschiedlich großen Spänen – der Kuchen – werden auf ein Transportband gestreut. Foto: van

Wie ihr wisst, nagen wir Biber gerne an Baumstämmen. Aber was passiert danach eigentlich mit dem Holz? Das habe ich mich gefragt und die Firma Nolte Holzwerkstoff in Germersheim besucht. Die stellt aus Holzspänen Spanplatten her, die man zum Beispiel für Küchenarbeitsplatten braucht. Und zwar so:

Im Holzlager der Firma liegen ganz viele Baumstämme. In einer großen Maschine werden sie zu Holzspänen zerkleinert. Zum Trocknen werden die Späne in einen großen Drehofen geschoben. Der sieht so ähnlich aus wie die runde Metalltrommel in einer Waschmaschine. Drinnen ist es etwa 250 Grad heiß. Wenn die Späne rauskommen, werden sie nach Größen sortiert und gesiebt. Warum? Um zum Beispiel Metallstücke zu finden, die zwischen den Spänen sein können, erklärt mir Andreas Dahlem. Jetzt geht es in eine riesige Werkshalle. Allein die Produktionsstraße darin, also die vielen miteinander verbundenen Maschinen, ist 300 Meter lang.

In der Presse wird Kuchen gebacken

Am Anfang werden die Späne mit Klebstoff vermischt. Danach werden drei Schichten mit jeweils unterschiedlich großen Spänen auf ein Förderband gestreut. Fachleute sagen Kuchen dazu. Auf den wird Wasser gesprüht. Wieso? Nun, Andreas Dahlem sagt, dass die Hitze über die Wassertröpfchen besser in den Kuchen eindringen kann. So lassen sich die drei Schichten besser miteinander verbacken. Wenn der fast 200 Grad heiße Kuchen aus der Presse kommt, ist er keine 15 Zentimeter mehr dick, sondern nur noch fünf. Jetzt ist er auch kein Kuchen mehr, sondern schon eine Spanplatte. Im nächsten Schritt werden die ungeraden Ränder gerade geschnitten. Eine Säge schneidet die Platten in bis zu 6,20 Meter breite und höchstens 7,60 Meter lange Stücke.

An mehreren Stellen der Produktionsstraße gibt es Geräte, die prüfen, ob die Spanplatten in Ordnung sind. Wenn nicht, werden sie aussortiert oder die Maschine wird anders eingestellt. Über ein Förderband fährt die Platte in eine große, runde, sich langsam drehende Halterung mit vielen Stäben, die aussieht wie ein Stern – den Sternwender. Darin bleibt sie zum Abkühlen eine Weile. Danach fährt die Platte andersherum in einen zweiten Sternwender. Dann wird sie glatt geschliffen. Luftdüsen pusten den Staub von ihr. Nun ist die hellbraune Platte eigentlich fertig, kann gestapelt, gelagert und abtransportiert werden.

In diesem Zustand wird die Platte sehr günstig verkauft und auch nur an Holzhändler und Möbelfabriken im Umkreis von etwa 200 Kilometern. Sonst wären die Transportkosten zu teuer und die Firma würde kein Geld verdienen.

Für veredelte Platten gibt es mehr Geld

Wenn man für die Platten mehr Geld bekommen will, muss man sie veredeln. Wie das geht, zeigt mir Andreas Dahlem in einer anderen Halle. An einer Maschine hängen lange, dicke Rollen mit farbigem Papier. Mit Klebstoff bestrichen, wird das Papier auf der Spanplatte ausgerollt und festgepresst. Danach durchläuft die Spanplatte zum Abkühlen erneut zwei Sternwender. Nun ist sie fertig.

Da für die so veredelte Platte mehr bezahlt wird, lohnt sich nun auch der Transport über mehrere hundert Kilometer zu Kunden im Westen von Europa. |gs

In solchen Maschinen kühlen die heißen Spanplatten ab. Sie drehen die Platten zuerst in die eine, dann in die andere Richtung.
In solchen Maschinen kühlen die heißen Spanplatten ab. Sie drehen die Platten zuerst in die eine, dann in die andere Richtung. Foto: van
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