Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Vier wollen Bürgermeister in Landau werden

Sie sagen, sie können Bürgermeister (von links): Maximilian Ingenthron, Natalia Keller, Andreas König und Lukas Hartmann.
Sie sagen, sie können Bürgermeister (von links): Maximilian Ingenthron, Natalia Keller, Andreas König und Lukas Hartmann.

Ende des Jahres läuft die Amtszeit von Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) aus. Die Neuwahl durch den Stadtrat erfolgt am 2. Mai. Neben dem Amtsinhaber selbst und dem Beigeordneten Lukas Hartmann (Grüne) haben sich zwei weitere Interessenten auf die Ausschreibung beworben. Doch deren Chancen dürften gering sein.

Drei Männer und eine Frau haben am Dienstagabend im Stadtrat darum geworben, in den Stadtvorstand gewählt zu werden. Lukas Hartmann packte sein zehnminütiges Vorstellungsfenster voll mit einer fast schon gehetzt wirkenden Themenliste von der Verkehrswende über den Landau-Takt und das Parkraum-Management bis hin zum Klimaschutz, die entweder seine bisherige Arbeit belegen sollen, oder die er als Bürgermeister abarbeiten will. Neu dabei: Die Stadt gebe 600.000 Euro jährlich für angemietete Räume aus, eine Summe, die Hartmann durch den Neubau eines Verwaltungsgebäudes reduzieren will. Er erwähnte ein mögliches Baugrundstück im Südpark.

Hartmann: Ich halte Prügel aus

Die Konflikte zwischen Parknutzern und Anwohnern im Südpark seien stark zurückgegangen, sagte Hartmann. Doch er sehe neue in der Innenstadt entstehen. Auch dort wolle er nicht mit Repressionen arbeiten, sondern ebenfalls Orte schaffen, an denen man sich aufhalten könne, ohne das Ruhebedürfnis von Nachbarn zu strapazieren. Hartmann warb für sich mit dem Argument, dass er mit Kreativität, Überzeugungsarbeit und konsequentem Handeln auch schwierige Themen umsetzen, Widerstände aushalten und auch Prügel einstecken könne, „wenn es der Sache dient“.

Ingenthron wählte einen eher emotionalen Ansatz: Er sei seit 1989 in der Kommunalpolitik aktiv und habe in dreieinhalb Jahrzehnten viele Erfahrungen sammeln können. Nur eines habe sich nie geändert: dass es ihm um die Menschen gehe, die ein möglichst selbstbestimmtes Leben in Würde, Unabhängigkeit und Freiheit leben können sollten. Er warb für eine solidarische Gesellschaft mit Respekt vor den Meinungen, Haltungen und Entscheidungen anderer. Ingenthron: „Ich will weiter daran mitwirken, dass die Menschen Landau als ihre Heimat und ihre Zukunft sehen.“

Ingenthron: Kompromisse als Königsdisziplin

Der Amtsinhaber betonte, als Dezernent wegweisende Projekte verwirklicht zu haben wie den Schulentwicklungsplan, die Umsetzung des Digitalpakts, den Sportstättenbedarfsplan, das Mobilitätskonzept oder auch das Hochwasserschutzkonzept. Ingenthron will sich um Menschen ohne eigene Wohnung kümmern, das Ehrenamt unterstützen und die soziale Infrastruktur weiterentwickeln. Er nimmt für sich in Anspruch, aus unterschiedlichen Positionen und Überzeugungen Kompromisse zu erarbeiten. „Das ist die Königsdisziplin der Politik.“

Natalia Keller ist in der Stadtverwaltung Hagen Fachbereichsleiterin für Integration, Zuwanderung und Wohnraumsicherung, doch ihre Familie lebe in Schaidt, weshalb sie schon lange den Wunsch hege, hierhin umzuziehen. Sie sei Mitglied im Krisenstab, also krisenerprobt, und traue sich zu, Impulse zur Erneuerung der Verwaltung zu geben. Unter anderem würde sie die Jugendarbeit ausbauen.

Andreas König ist studierter Maschinenbauer, arbeitet aber in der Medizintechnik im Vertrieb von Herzschrittmachern. In Landau habe er seine Frau kennengelernt, ein Haus gebaut und eine Familie gegründet – die er via Streaming der Sitzung grüßte. Er habe kommunalpolitische Schwächen, doch solche Defizite könne man aufholen, und er würde sich über eine neue Herausforderung freuen, bevor er die Füße hochlegen werde.

Wer hat welche Chancen?

Bei der Aussprache übten FWG, SPD und Pfeffer&Salz Kritik an Hartmann und der Koalitionsabsprache, die ihn mit den Stimmen der CDU zum Bürgermeister machen soll. Hartmann polarisiere zu stark, stoße Bürger vor den Kopf und setze seine, beziehungsweise die Themen und Positionen der Grünen durch, war ein Kritikpunkt. Die Grünen wollten von Ingenthron die drei ihm wichtigsten Projekte wissen, bekamen aber nur eines genannt: für „die Menschen dieser Stadt“ arbeiten zu wollen.

Damit die beiden auswärtigen Bewerber tatsächlich zur Wahl antreten könnten, müssten sie von einer Fraktion oder einem Ratsmitglied vorgeschlagen werden. Bisher liegt kein solcher Vorschlag vor, dies geht aber auch noch in der Wahl-Sitzung des Stadtrates.

Die besten Chancen dürfte Lukas Hartmann haben, weil Grüne, CDU und FDP (zusammen 24 der 44 Sitze) dies in ihrer Koalitionsvereinbarung fixiert haben, während der Amtsinhaber von der SPD (9 Sitze), Pfeffer&Salz (2) und auch der FWG (5) unterstützt wird, wie deren Fraktionsvorsitzender Wolfgang Freiermuth sagt. Der Oberbürgermeister hat in diesem Fall kein Wahlrecht. Die Linke (2), AfD (1) und Die Partei (1) haben sich noch nicht öffentlich positioniert.

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