Landau Versteckte Meisterflieger
Sie leben im Verborgenen, sind kaum zu sehen und wenn, dann als schnell vorbeihuschende Schatten. Aber einmal im Jahr bekommen die Meisterflieger der Nacht tagsüber Besuch, wenn der Natur- und Vogelschutzverein Harthausen mit großem Gefolge durch den Wald zieht, um Fledermäuse zu zählen.
Zum Erfassen hat der Verein im August sieben Fledermaus-Experten eingeladen, die sich in drei Gruppen aufteilen und mit Klein und Groß zu den Kästen laufen, in denen Fledermäuse hausen. Weltweit existieren rund 1000 Fledermausarten, davon in Europa etwa 50, in Deutschland 25, in der Pfalz 20. Im Harthauser Wald wurden bisher neun Arten festgestellt. Hier tummeln sich Wasser- und Fransenfledermäuse, Kleine und Große Abendsegler, Braune Langohren und Große Mausohren. Andere wie Bechstein- und Rauhaut-Fledermäuse haben die Naturschützer schon entdeckt, allerdings in diesem Jahr kein Exemplar gefunden – was nicht heißt, dass diese Arten nicht doch hier umherschwirren. „Die Fledermäuse sind nicht nur in den Kästen, sondern auch in Naturhöhlen“, gibt Monika Eggert vom Natur- und Vogelschutzverein Harthausen zu bedenken. Außerdem wechseln die Tiere häufig ihren Standort, die Zählung ist nur eine Momentaufnahme, ergänzt Fledermaus-Experte Wolfram Blug. Die Gruppe um Guido Pfalzer entdeckt zuerst eine Wasserfledermaus. Der Fachmann weist auf ihre großen Füße hin, mit denen sie ihre Beute packt, wenn sie über der Wasseroberfläche jagt. Kurz darauf wird Bekanntschaft mit einem Großen Abendsegler gemacht. Der August ist ein geeigneter Zeitpunkt für die Erfassung im Wald. Die Jungtiere sind inzwischen groß genug, so dass die Aufzucht in den sogenannten Wochenstuben nicht gestört wird. Zum anderen sind die Tiere noch nicht in ihre Winterquartiere aufgebrochen. In einem anderen Kasten liegen dicht gedrängt fünf Braune Langohren beieinander. Es handelt sich vermutlich um Mütter mit ihren Jungtieren, meint Pfalzer, denn die Männchen bevorzugen das Alleinsein. Langohr-Fledermäuse heißen nicht umsonst so, aber dass sie mehrere Zentimeter lange Ohren besitzen, verbergen sie gerne: Sie haben ihre Hörmuscheln einfach zusammengeklappt. 129 Fledermäuse werden dieses Jahr erfasst. „Das ist recht wenig“, kommentiert Monika Eggert. Vergleichbar viele zählte der Verein 2013 (128) und 2014 (134). In den vergangenen beiden Jahren lag die Anzahl höher (2015: 175, 2016: 181). Innerhalb der letzten zehn Jahre lieferte das Jahr 2008 mit 240 Tieren den Spitzenwert. Wolfram Blug nennt mögliche Ursachen für diese Schwankungen: Zum einen spielt das Wetter im Frühjahr eine Rolle. Ist es kalt und nass, ist die Sterblichkeitsrate bei den Jungtieren größer. Ist es warm, entwickelt sich der Nachwuchs gut. Außerdem wechseln die Tiere häufig ihr Quartier, das heißt: Sie sind vielleicht da, aber nicht in den Kästen, wo gezählt wird. Wandernde Arten sind möglicherweise noch nicht wieder in unserer Region angekommen. Zum Beispiel fliegen Abendsegler weite Strecken Richtung Nordosten, wo sie ihre Jungen großziehen, und kommen im Spätsommer wieder hierher zurück. Auf den Wanderungen sind sie der Gefahr durch Windkraftanlagen ausgesetzt, wo zahlreiche Tiere den Tod finden.