Landau
Verkehrswende: Landauer laut Studie häufiger zu Fuß unterwegs
Landauer gehen häufiger zu Fuß, der Radverkehr stagniert. Das hat die TU Dresden bei einer Untersuchung herausgefunden. Im Fünf-Jahres-Rhythmus überprüft die Uni die Verkehrsentwicklung einer Stadt durch eine telefonische Befragung beziehungsweise eine Online-Befragung von 1000 Menschen. Die Stadt Landau nahm 2018 das erste Mal daran teil. Sie ist eine von fast 500 Städten deutschlandweit, die das Angebot der Dresdner Universität nutzt. Kosten für Landau: 40.000 Euro.
Laut der Studie sind 88,7 Prozent aller befragten Landauer an einem durchschnittlichen Werktag außer Haus unterwegs – knapp vier Wege absolviert eine mobile Person in Landau am Tag. Generell sei ein starker Trend weg vom Auto hin zum Laufen, Radfahren und dem ÖPNV zu erkennen, sagt Ralf Bernhard, Leiter der Abteilung Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, der die Zahlen der Studie für den Zeitraum 2019 bis 2023 in der jüngsten Sitzung des Stadtrates präsentierte.
Weniger Pkw pro Haushalt
Im Binnenverkehr der Stadt, der knapp 75 Prozent des Gesamtverkehrs ausmache, sei die Autonutzung zwischen 2018 und 2023 um sieben Prozentpunkte zurückgegangen. Am häufigsten werde das Auto weiterhin für den Arbeitsweg (62 Prozent) und Einkäufe (44 Prozent) genutzt. Der Anteil der Haushalte ohne Pkw ist laut der „Modal-Split-Untersuchung“, so der offizielle Name der Studie, von acht auf zwölf Prozent gestiegen, besonders Einpersonenhaushalte würden immer seltener Autos besitzen. Waren es 2018 noch 1,4 Pkw pro Haushalt, sei die Zahl 2023 um 0,2 auf 1,2 gesunken.
Laut Bernhard ist der Fußgängeranteil in Landau stark gestiegen – besonders Einkäufe würden die Befragten immer häufiger zu Fuß tätigen. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich in Bezug auf die Freizeitgestaltung und den Weg zu Schule und Ausbildung. Insgesamt bestritten die Befragten bis 2023 29 Prozent aller Wege zu Fuß, 2018 waren es noch 24 Prozent gewesen. Betrachtet man nur die Jahre 2018 und 2023 und nicht die jeweiligen Fünfjahreszeiträume, sei die tägliche Pkw-Nutzung von 45 Prozent auf 29 Prozent gesunken, der tägliche Fußverkehr von 26 Prozent um 16 Prozentpunkte auf 42 Prozent gestiegen.
Keine Weiterentwicklung im Radverkehr
In Bezug auf den Radverkehr lieferte die Untersuchung keine neuen Ergebnisse. Nach wie vor besäßen die Landauer Haushalte durchschnittlich 2,2 Fahrräder – wie bereits 2018 würden 30 Prozent der Befragten das Fahrrad für ihre Wege nutzen. Laut Bernhard ist das ein guter Wert, 2018 stand man damit noch an der Spitze aller Städte in derselben Größenordnung.
Erstmals sei im Zuge der Untersuchung auch die Zufriedenheit hinsichtlich der Bewertung der allgemeinen Verkehrssituation in Landau erfasst worden. 80 Prozent aller Befragten bewerteten den Fußverkehr als gut oder sehr gut, 86 Prozent den Radverkehr als mindestens befriedigend. Zusätzlich gaben 86 Prozent der Studienteilnehmer an, gerne zu Fuß zu gehen, 74 Prozent würden gerne das Rad nutzen. Auch das Auto werde weiterhin gerne genutzt (70 Prozent). Lediglich der ÖPNV in Landau fällt im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln etwas zurück. 31 Prozent gaben an diesen gerne zu nutzen.
Wodurch kam es zu den Veränderungen?
Besonders die Verschiebungen in Bezug auf den Auto- und Fußverkehr sind laut Bernhard auffällig, für die der Leiter der Abteilung Mobilität und Verkehrsinfrastruktur auch mögliche Gründe nannte. Durch die Corona-Pandemie sei der Homeoffice-Anteil auch in Landau deutlich gestiegen, wodurch viele Menschen ein größeres Bedürfnis hätten, Wege zu Fuß zurückzulegen. 12,3 Prozent der Berufstätigen sind laut Studie ganztägig im Homeoffice und haben somit keine Arbeitswege. Zudem seien 48,8 Prozent in einer Arbeitswoche multimodal, also mit mehreren Verkehrsmitteln, unterwegs. Auch sei das besser ausgebaute Verkehrssystem zu nennen, das Fußgänger durch breitere Straßen und verkehrsberuhigte Bereiche begünstige. Eine wesentliche Grundlage für den erhöhten Fußgängerverkehr sei auch ein größeres Gesundheitsbewusstsein der Befragten.
Die Stadtratsfraktion der Grünen zeigte sich in einer Mitteilung erfreut über die Ergebnisse der Untersuchung. Die Daten belegten den erfolgreichen Ausbau des Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehrs. „Die Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf den Umweltverbund ist für einen solchen Zeitraum ungewöhnlich hoch. Auch die Zufriedenheit der Befragten mit der Verkehrssituation spricht für sich. Durch mutige Schritte des Grünen Verkehrsdezernenten mit einer Grünen Stadtratsfraktion als stärkster Kraft im Rat wurde diese Wende in der Verkehrssituation möglich“, erklärt Fraktionsvorsitzende Lea Heidbreder in der Mitteilung.
Andere Fraktionen sehen Ergebnisse kritisch
Anderer Ansicht ist die Fraktion der SPD. Laut Paule Albrecht (SPD) und Florian Maier (SPD) ist es dem einstigen Grünen Verkehrsdezernenten Lukas Hartmann nicht gelungen, den Anteil des Radverkehrs wie geplant zu steigern. Zwar halte man nicht alle Maßnahmen für falsch, trotzdem müsse man die Zielrichtung kritisch hinterfragen. Die Pkw-Dichte sei 2023 marginal zurückgegangen, allerdings steige die Anzahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge kontinuierlich. Die Modal-Split-Analyse biete einen Anlass, stärker auf die Ziele der unterschiedlichen Verkehrsgruppen zu achten, sei aber keinesfalls ein Beweis für die Mobilitätswende. Michael Dürphold (FWG) zeigt sich skeptisch hinsichtlich der Tatsache, dass kaum Veränderungen im Radverkehr zu beobachten seien.
Peter Lerch (CDU) äußert sich ebenfalls kritisch. Die Fakten würden zeigen, dass sich Autofahrer in Landau nicht wohlfühlen. „Das sollte man im Zusammenhang mit den Problemen für den Einzelhandel im Blick behalten“, betont er. AfD-Fraktionsvorsitzender Norbert Herrmann erklärt zudem: „Wir müssen aufpassen, dass wir den Einzelhandel nicht vernachlässigen und die Leute nicht mehr zum Einkaufen kommen, weil es keine Parkplätze gibt.“