Landau
Traditionsschreinerei Kraft schließt ihre Pforten
Drei Generationen hat sie seit 1918 überdauert, jetzt ist das Ende gekommen: Die Schreinerei Kraft in Landau schließt ihre Pforten. Eduard Kraft, der den Betrieb von seinem gleichnamigen Vater übernahm, vererbte 1983 die Schreinerei an seinen Sohn Helmut Kraft.
Tradition verpflichtet
Aber zunächst ging es für den jungen Helmut nach Edenkoben – in die Lehre. Er sollte seine Erfahrungen und Kenntnisse aus dem elterlichen Betrieb erweitern. Nach drei „schlimmen“ Anfangstagen, so erzählt Kraft heute, erwies sich die Ausbildung bei der Firma Münch jedoch als Glücksgriff. Der Junge hatte sich schon sehr früh für Holz als Werkstoff interessiert, und ein Relikt aus Anfangszeiten, der „Leimdibbe“, bringt den leidenschaftlichen Betriebsinhaber zum Strahlen. „Hier wurde Leim im Wasserbad erhitzt, das hat mir schon früh Spaß gemacht“, berichtet Kraft. Man glaubt ihm auf Anhieb, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Berufsweg nach der Handelsschule einzuschlagen. Was seiner Familie wohl auch recht war. „Meine Eltern haben meine Schwester und mich sehr dabei unterstützt und gefördert“, ergänzt er dankbar. Die Tradition verpflichtet. Wie sein Großvater und Vater wurde Helmut Kraft Obermeister bei der Handwerksinnung. Dabei ging sein Blick aber auch in die Zukunft: Bereits 1985 eignete er sich umfangreiche Computerkenntnisse an.
Pandemie sorgt für Probleme
In ihrer Hochphase hatte die Schreiner zehn Mitarbeiter (heute: vier) und über 5000 Kunden. Das lag auch an den Angeboten. Zur ursprünglichen Möbelproduktion gesellten sich seit bereits 70 Jahren Kunststofffenster, Glasarbeiten, Haustüren, Böden, Dachflächenfenster, Rollläden und Markisen. Kraft erneuerte auch unzählige Jalousien an Landauer Schulen.
Aber gerade in jüngerer Vergangenheit sei die Arbeit nicht leicht gewesen. Klar, als Schreiner habe man auch in den Lockdowns weiterarbeiten können, sagt Kraft, aber Corona brachte doch einige Probleme. Materialmangel, Verteuerung der Rohstoffe – vor allem Holz –, 2G-plus-Regel, erschwertes Arbeiten durch Maskentragen, all das mache es nicht nur für Krafts Betrieb, sondern für die ganze Branche nicht leicht. Dabei war das Arbeitspensum auch enorm.
91-Jähriger kommt gerne zum Schwätzchen
Dass die Geschichte der Kraftschen Schreinerei in Landau endet, hatte der mittlerweile 71-jährige Helmut Kraft eigentlich nicht gewollt – doch seine vier Söhne und seine Tochter haben andere Berufe ergriffen, auch in Mitarbeiterkreisen sei niemand an einer Übernahme interessiert, sagt Kraft. Die Handwerkskammer und die Meisterschule konnten ebenfalls keinen Nachfolger vermitteln. Also wird im Januar eine branchenfremde Firma das Gelände in der Albert-Einstein-Straße beziehen.
Und wie geht es für Kraft weiter? Er freut sich zusammen mit seiner ebenfalls in der Schreinerei beschäftigten Ehefrau auf die Zeit danach. Dann wird das Kraftsche Wohnmobil, ein schon seit zehn Jahren vertrauter (und viermal ausgetauschter) Begleiter, oft auf Erkundungsreise durch Deutschland und Katalonien sein.
Dass Kraft fehlen wird, macht ein Beispiel deutlich – die Mitarbeiter blieben dem Chef zufolge recht lange. Einer gar weit übers Rentenalter hinaus. Der heute 91-jährige Walter Müller, der beim Großvater gelernt, beim Vater gearbeitet hatte und unter Helmut Kraft in die Rente ging, sei bis zuletzt immer noch gerne zu einem Schwätzchen vorbeigekommen.