Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Theo Kautzmann zur OB-Wahl: Geißler wird anderen Stil pflegen

Theo Kautzmann sagte zu Dominik Geißler: „Du musst das machen.“
Theo Kautzmann sagte zu Dominik Geißler: »Du musst das machen.«

Der vorzeitige Rückzug von Thomas Hirsch von der Stadtspitze hat die CDU kalt erwischt. Theo Kautzmann lotste einen Unbekannten mit großem Namen nach Landau: Dominik Geißler ging von null auf 100 und siegte. Falk Reimer spricht mit CDU-Urgestein Kautzmann über das Ergebnis und graue Haare.

Sie haben Dominik Geißler für die Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters gewinnen können. Jetzt sind Sie der Königsmacher der CDU.
Eher Ideengeber. Es ging mir darum, den Bürgern einen sehr guten Kandidaten mit Erfolgsaussichten zu präsentieren. Ich hatte nicht die Absicht, Königsmacher zu sein. Aber es ist ja gut gegangen.

Am Sonntagabend ging es hin und her, meist lag Geißler vorne, dann zwischendurch Ingenthron. Wie viele Lebensjahre hat Sie der Wahlkrimi gekostet?
Die Wahl selbst hat mich keine Lebensjahre gekostet. Die Zeit nach 18 Uhr hingegen ... Es hat ja sehr lange gedauert, bis der letzte entscheidende Briefwahlbezirk ausgezählt war. Ich bin auf dem Wege der Besserung nach einer schweren Corona-Zeit, das hätte nicht sein müssen. Ob es Lebensjahre gekostet hat, wird die Zeit zeigen. Aber graue Haare habe ich bestimmt bekommen. Das Ergebnis hingegen hat mir sehr viel Freude bereitet.

Bereuen Sie es Ihrer Haare wegen, Geißler vorgeschlagen zu haben?
(Lacht) Nein. Ich freue mich, dass die Bürger das Angebot Dominik Geißlers angenommen haben. Er war ja unbekannt – am 4. Januar haben wir ihn als Kandidaten präsentiert, am 17. Juli wählt ihn eine Mehrheit der Bevölkerung. Das ist eine außergewöhnliche Leistung, für die Dominik Geißler am meisten getan hat.

Als die Landauer CDU im Dezember entschieden hat, Geißler zu nominieren – haben Sie da wirklich an eine Chance zum Sieg geglaubt?
Ja, natürlich. Aber ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass er einen so engagierten Wahlkampf macht. Normalerweise klingelt man bei einem Haustürwahlkampf, sagt ein paar Sätze, gibt sein Material ab und zieht weiter. An dieses Skript hat sich Geißler nicht gehalten. Er blieb oft 15 Minuten bei einer Wohnung, in einigen Fällen auch bis zu einer Stunde, und hat um jede Stimme gekämpft. Und das über sechs Monate. Das ist beeindruckend.

Was war aus ihrer Sicht der schwierigste Moment im Wahlkampf?
Eigentlich gab es kaum schwierige Momente. Geißler ist fast bei null gestartet und hat Tag für Tag Menschen überzeugt. Es war wie ein langsamer Landgewinn. Nach dem ersten Wahlgang gab es eine Unsicherheit – wohin würden die 26 Prozent Wähler der Grünen tendieren? Wir haben wohl die Hälfte der Grünen-Wähler geholt, die in der Stichwahl noch abgestimmt haben. Für einen Kandidaten der CDU ist das eine starke Leistung.

Was erwarten Sie nun von Dominik Geißler in den kommenden Jahren?
Ganz sicher wird er einen anderen Arbeits- und Führungsstil pflegen. Er wird über das bisher Gedachte und die bisherigen politischen Themen hinausdenken. Er ist menschlich integer. Sein Blick von außen wird der Stadt gut tun.

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