Edesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Strom von stillgelegter Mülldeponie

Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen sind in der Region bisher selten (hier eine in Landau Im Grein/Rodenweg). Vorbelastete Stando
Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen sind in der Region bisher selten (hier eine in Landau Im Grein/Rodenweg). Vorbelastete Standorte wie Mülldeponien gelten als gute Wahl.

Geplant wird seit zehn Jahren, und noch ist kein Ende in Sicht. Auf der sanierten Mülldeponie bei Edesheim soll künftig Strom aus Sonnenlicht erzeugt werden. Ein Projekt, das in die Zeit passt. Die Verzögerung hat auch etwas Gutes.

Auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie Edesheim soll eine große Fotovoltaikanlage entstehen. Die Planungen reichen schon zehn Jahre zurück. Voraussetzung war eine Sanierung der ehemaligen Deponie. Schon im Stilllegungsbescheid der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt vom April 2016 war der Bau einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Plateau der abzudeckenden Fläche schon vorgesehen. Denn dafür ist eine dickere Abdeckungsschicht über dem Müll erforderlich, weil die Verankerung der Solarmodule bis zu 1,50 Meter in die Tiefe reichen.

Doch seit September 2012 ruhte das Verfahren. Grund war, dass die Deponiesanierung durch den Eigenbetrieb Wertstoffwirtschaft des Kreises Südliche Weinstraße auf sich warten ließ. Jetzt ist sie abgeschlossen, so dass die Pläne wieder aufgegriffen werden können. Die Deponie ist 5,9 Hektar groß, wovon 3,2 Hektar auf dem Gebiet der Gemeinde Knöringen liegen. 45 Prozent der Flächen sind mit Modulen überbaubar, die maximal drei Meter hoch sind. Vom Dach des Deponiegebäudes sollen maximal 100 Quadratmeter mit Modulen bestückt werden. Nach damaligem Stand der Technik könnte die Anlage eine Spitzenleistung von gut drei Megawatt haben, was einer jährlichen Größenordnung von 2,6 Millionen Kilowattstunden Strom entspräche.

Strom für 1300 Haushalte

Wie die Pressestelle der Kreisverwaltung SÜW auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte, kann inzwischen aufgrund verbesserter Technik und Kapazitätsausnutzung davon ausgegangen werden, dass die erzeugte Leistung in etwa den jährlichen Strombedarf in den rund 1300 Haushalten der umliegenden Gemeinden Roschbach, Knöringen und Edesheim abdecken kann. Genauere Angaben dazu können allerdings erst nach Auswahl der Anlagen gemacht werden.

Für die Errichtung ist eine Baugenehmigung erforderlich. Die dafür notwendigen Grundlagen, sprich die Satzungen zu den Bebauungsplänen für Edesheim und Roschbach, sowie die Änderung des Flächennutzungsplanes für die Verbandsgemeinde Landau-Land wurden im Oktober 2022 von den beteiligten Gremien beschlossen. Für den Bereich der Verbandsgemeinde Edenkoben wurde die Fotovoltaikanlage bereits in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Diese Pläne sind unter anderem deshalb notwendig, weil die Gemarkungsgrenze nicht nur zweier Orts-, sondern auch zweier Verbandsgemeinden durch das Deponiegrundstück verläuft.

Keine wertvollen Flächen betroffen

Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) sagt: „Mit der Errichtung der sehr großen Freiflächen-Fotovoltaikanlage auf dem Gelände der abgedeckten Deponie Edesheim erfolgt eine sinnvolle und auch wirtschaftlich sehr brauchbare Nutzung dieses Bereiches, die keinen störenden Einfluss auf die Umgebung hat; insbesondere werden dafür auch keine landwirtschaftlich oder anderweitig hochwertig genutzte Flächen benötigt.“

In welcher Rechtsform die Anlage betrieben und wie der Strom verkauft werden wird, ist aktuell noch in Prüfung. Angedacht war ursprünglich, die Anlage an Interessenten zu verpachten, da die Kreisverwaltung sie wohl nicht selbst betreiben will. Jetzt ist ins Auge gefasst, die Anlage durch einen Vorhabenträger in Verbindung mit einem Investor errichten und betreiben zu lassen. Dies bestätigte Gudrun Pinhal, Leiterin der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Landau Land. In ihren Händen liegt die Bauleitplanung im Auftrag der betroffenen Gemeinden. Pinhal konnte auf Anfrage aber noch nicht sagen, wann tatsächlich mit dem Bau begonnen wird.

Bürgermeister von Verzögerungen genervt

Im Oktober 2020 war die Kreisverwaltung noch davon ausgegangen, dass mit dem ersten Bauabschnitt im Frühjahr/Sommer 2021 begonnen werden könne. Unter anderem Corona verzögerte die Umsetzung. Der Knöringer Ortsbürgermeister Dieter Ditsch (parteilos) ärgert sich dennoch, dass die Umsetzung so lange dauert: „Das Ganze war ja schon zu Zeiten von Landrätin Theresia Riedmaier aktuell. Die Sanierung der Anlage ist meines Erachtens schon recht lange abgeschlossen, ich denke so Ende 2015. Ich verstehe deshalb nicht, warum sich das ganze Unterfangen so in die Länge zieht. Gerade aktuell redet man täglich von Energieeinsparungen und notwendiger Stromerzeugung durch erneuerbare Energien, aber hier dauert es über zehn Jahre, bis sich was tut. Dabei kann mir ja bis dato noch niemand sagen, wann denn nun tatsächlich mit dem Bau begonnen wird.“

Wie die Kreisverwaltung mitteilt, soll auf der ehemaligen Deponie Ingenheim nach deren erfolgter Abdeckung in ähnlicher Größenordnung und Ausgestaltung wie in Edesheim ebenfalls eine Fotovoltaikanlage errichtet werden. Dafür hat der Werkausschuss des Eigenbetriebes Wertstoff-Wirtschaft des Kreises in seiner Sitzung am 28. September 2022 den Startschuss gegeben.

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