[aktualisiert 18 Uhr] Landau
Gloria und Stadt legen Streit um Partys bei
Zwischen E-Piano und Schlagzeug stehen der Landauer Oberbürgermeister Dominik Geißler und der Gloria-Betreiber Peter Karl auf der Bühne des Kulturpalasts an einem Stehtisch, witzeln und freuen sich miteinander. Der Streit um die Partys ist beigelegt. In Anwesenheit mehrerer Medienvertreter unterschreiben die Herren den Vergleich, der eine Entscheidung des Stadtrechtsausschusses nun nicht mehr erforderlich macht.
Dorthin hatten sich Karl und sein Anwalt gewandt, um gegen eine Verfügung des Bauamtes vorzugehen, die im Gloria nur noch 17 Tanzveranstaltungen pro Jahr erlaubte. Denn das Gebäude liegt in einem Mischgebiet, und dort dürfen Vergnügungen dieser Art nur „gelegentlich“ sein. Die Verwaltung hatte Karl im November 2022 auf 17 Partys festgelegt, nachdem es Beschwerden gegeben hatte, vom Konkurrenten Gerd Weber (Jeanne d’Arc) und aus der Nachbarschaft. In der Baugenehmigung von 2014 hatte es geheißen, Karl dürfe im Verhältnis 25 zu 75 zu Partys und Kulturveranstaltungen einladen.
Kerngebiet die Lösung
Alles Schnee von gestern. Der Kulturveranstalter, der sein Geld als Zauberer verdient, ließ sich auf den Vorschlag der Stadt ein, in diesem Jahr 24 Partys nicht zu beanstanden. Nach wie vor seien Kulturveranstaltungen prägend, unterstreicht die Verwaltung. Bauamtsleiter Christoph Kamplade sieht sich durch die Vorgaben im Baurecht die Hände gebunden. Danach nämlich bedeute „gelegentlich“ ein bis zwei Tanzveranstaltungen im Monat, maximal.
Die Diskussion wird ein Ende haben, wenn erst der Bebauungsplan genehmigt und beschlossen ist, den der Stadtrat jetzt auf den Weg gebracht hat. Kamplade rechnet damit, dass er in etwa einem Jahr rechtsgültig sein könnte. Der Plan weist in der östlichen Innenstadt ein Kerngebiet aus, einschließlich des einstigen Kinos Gloria, in dem Vergnügungsstätten erlaubt und damit Tanzveranstaltungen unbegrenzt möglich sein werden. Bis das gilt, werden sich Peter Karl und das Bauamt über die Anzahl der Partys im Jahr 2024 verständigen.
Wie Kamplade am Freitag informierte, werde die Stadtverwaltung Ende April zu einer Bürgerinformation einladen, um allen Anwohnern und interessierten Landauern die Rahmenbedingungen im künftigen Kerngebiet vorzustellen.
Erleichtert und dankbar
So feierten alle Beteiligten im Gloria die „gute Lösung“. Peter Karl kann mit dem Vergleich leben, weil sich eine rosigere Zukunft anbahnt. „Party ist schön, Kultur ist schöner“, sagt er und lacht. Er habe den Kulturpalast vor fast zwölf Jahren eröffnet mit der naiven Vorstellung, dass man mit Kultur Geld verdienen könne. Der 52-Jährige hat in der Auseinandersetzung mit der Stadt zuletzt stets betont, dass er zur Finanzierung der Kultur eben die Partys braucht.
Auch Oberbürgermeister Geißler, dem eine Lösung für das Gloria sehr am Herzen lag und der Nachtkultur in Landau fördern möchte, freut sich, dass die Spannungen ausgeräumt sind. „Ich bin wirklich erleichtert und dankbar.“
Keine Klagen mehr
Weitere gerichtliche Eingaben lässt Karl fallen, wie er auf Nachfrage sagt. Im Raum stand zum Beispiel eine Klage vor dem Verwaltungsgericht auf Schadensersatz wegen Einnahmeverlusten, weil die Stadt im Gloria am 8. August 2022 nur sechs Partys bis Jahresende genehmigt und dann am 7. November alle weiteren gestrichen hatte. Auch hatte der Anwalt von Karl bei der Verhandlung vor dem Stadtrechtsausschuss am 10. Februar die Rechtmäßigkeit der ursprünglichen Baugenehmigung von 2014 infrage gestellt. die Aufteilung 25:75 sei Käse, hatte Alexander Busch von der Stuttgarter Kanzlei Baker Tilly gesagt.
Der Tag endet mit dem ausverkauften Konzert „Unter die Haut“ der Band Acoustic Vibration. Und die nächsten Termine stehen auch schon: Die Kleine Bühne gastiert mit ihrem neuen Stück ab Freitag, 31. März. Der Meister selbst steht im Mittelpunkt der großen Show „Phenomen – World of Illusion“ am 19. und 20. Mai.
Info
Karten unter https://gloria-kulturpalast.de/