Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt will Verkehr in Zeppelinstraße beruhigen – nur wie?

Keine Seltenheit: Lastwagen in der Zeppelinstraße.
Keine Seltenheit: Lastwagen in der Zeppelinstraße.

Tiefflieger der unangenehmen Art beklagen Anwohner der Zeppelinstraße im Fliegerviertel: sehr viel Verkehr und darunter mehr Lastwagen, als man in einem Wohnviertel erwarten würde. Sie fordern die Stadt zur Verkehrsberuhigung auf. Diese ist auch willens, doch eine Lösung ist nicht einfach.

Vor etwa 20 Jahren sei die Zeppelinstraße modern ausgebaut worden – mit ebenerdigen Gehwegen und Radspuren, bei gleichzeitigem Parkverbot. Doch das räche sich nun, beklagt Bernd Acuntius, der in der südlichsten Straße des Landauer Fliegerviertels lebt. Früher hätten geparkte Fahrzeuge den Durchgangsverkehr beruhigt. Heute locke die breite, gerade Schneise Verkehr förmlich an, und der sei entsprechend flott unterwegs. Acuntius und seine Nachbarin Irmgard Grün sind nicht nur selbst vom Lärm genervt, sondern sorgen sich auch um schwächere Verkehrsteilnehmer wie Schulkinder, Kindergarten-Gruppen auf dem Weg zum Zoo und Radfahrer (darunter viele Studierende), denn sie hätten wiederholt beobachtet, dass im Begegnungsverkehr durchaus auch auf die abgesenkten Ränder ausgewichen werde, die eigentlich diesen Nutzergruppen vorbehalten seien.

Wann das mit den Lastern losgegangen sei, kann Acuntius nicht exakt benennen – vermutlich mit dem B10-Ausbau. Er ist aber sicher, dass außer wenig Anlieferverkehr auch viel Schwerverkehr durch die Zeppelinstraße brummt, der beispielsweise zum Asphaltwerk jenseits der Autobahn will. „Wir wünschen eine Fahrbahnverengung“, sagt er, hat aber auch noch ein paar weitere Vorschläge parat. Er freut sich, dass Verkehrsdezernent Lukas Hartmann und Ralf Bernhard, Leiter der Mobilitätsabteilung, sowie Christopher Schmidt, Leiter der Abteilung Straßenverkehr, bei einem Ortstermin zumindest Zustimmung signalisiert haben, dass etwas passieren sollte. Acuntius meint, dass die Verhältnisse in der Zeppelinstraße mit denen in der Schneiderstraße, in der die Stadt den Verkehr wegen der dortigen Schulen mit Hindernissen beruhigt hat, durchaus vergleichbar seien.

Problem beginnt schon um die Ecke

Unabhängig davon drängt sich ein Zusammenhang mit einer anderen Straße förmlich auf: Auch aus der Hindenburgstraße, von der die Zeppelinstraße in Höhe des Zoos abzweigt, gibt es bekanntlich Forderungen nach Verkehrsberuhigung, die insbesondere von SPD-Stadträtin Lisa Rocker immer wieder vorgetragen werden.

Was man tun könne, sei leider gar nicht so leicht zu entscheiden, räumt Bernhard ein und berichtet, dass eine automatische Verkehrszählung 4500 bis 4700 Fahrzeuge täglich registriert habe, so viele wie im Ostring. Bernhard weiß um die Attraktivität der Zeppelinstraße als durchgängige Ost-West-Verbindung bis zur B10-Auffahrt Godramstein/Krankenhaus, mit der man etliche Ampeln umfahren könne. Während des Neubaus der Horstbrücke sei die Strecke unterbrochen gewesen, seither werde sie wieder lebhaft genutzt – auch von Verkehr von und zu Betrieben im Horst oder dem Asphaltwerk.

Tempo 30 als Regelfall wäre gut

Den Wunsch der Anlieger nach Tempo 30 kann Bernhard verstehen, aber umsetzbar sei er nicht. „Der Bund sollte endlich Tempo 30 innerorts zum Regelfall erklären“, fordert er, „dann könnten wir uns viele Diskussionen ersparen“, ohne dass sich der Verkehrsfluss nennenswert verändern würde. Doch bisher sei ein solches Tempolimit nur bei besonderen Gefahren oder aus Gründen des Lärmschutzes möglich. Beide Voraussetzungen hält er für nicht erfüllt und beruft sich auf den Lärmaktionsplan der Stadt und den fehlenden Unfallschwerpunkt.

Acuntius nennt als Möglichkeiten bauliche Veränderungen, vom Aufstellen von „Wanderbäumen“ in Kübeln, wie sie in der Königstraße stehen über provisorische Kunststoffhindernisse bis hin zu festen Einbauten an den Straßenrändern. Doch davon ist Bernhard nicht recht überzeugt: Dann würde der Verkehr noch eher auf die Radwege ausweichen. Durchfahrtsverbote seien nicht angemessen, weil die Parallelstraßen Immelmann- oder Nordparkstraße noch weniger für diesen Verkehr geeignet seien. Gegen Schilder „Freiwillig Tempo 30“ hat Bernhard nichts, hält sie aber ohne bauliche Veränderungen für wenig wirksam. „Wir haben noch nicht die Lösung“, sagt Bernhard, aber die Verwaltung arbeite daran.

Entscheidet das Gericht?

Ein bisschen hofft er offenbar auch noch auf einen weiteren Nachbarn, der sich für eine Verkehrsberuhigung starkmacht: Lukas Calmbach wohnt mit seiner Familie, zu der auch drei kleine Kinder gehören, am Anfang der Straße und hält die Situation für zu gefährlich. Und das nicht erst seit den vergangenen etwa sechs Monaten, in denen er von fünf Unfällen wisse, auch mit Einsatz eines Rettungswagens. Er hat mit juristischer Unterstützung bereits im Mai 2021 bei der Stadt einen umfangreich begründeten Antrag auf Tempo 30 eingereicht, der im Dezember negativ beschieden worden sei. Dagegen hat Calmbach Widerspruch eingelegt, der vom Stadtrechtsausschuss behandelt werde. Das sei aber noch nicht terminiert. Auch wenn ihn der Vorgang enorm viel Arbeit und zeit koste, werde er bei einer neuerlichen Ablehnung wohl vor das Verwaltungsgericht in Neustadt ziehen.

Wenn die Stadt dort verlieren sollte, wäre Bernhard gar nicht unglücklich, auch wenn er dies nicht so deutlich formuliert. „Dann könnten wir was machen“, sagt er.

x