Landau Stabwechsel bei Herxheimer Süßwarenfabrik Trauth
WIRTSCHAFT REGIONAL: Die Schokoküsse der Herxheimer Firma Trauth kennt jeder in der Region. Jetzt hat Daniel Trauth die Führung in dem Familienunternehmen übernommen. Er verkörpert bereits die vierte Generation, die sich dem Genuss aus Eischnee und Schokolade verschrieben hat.
«HERXHEIM.» Die Süßwarenfabrik Trauth, im Herxheimer Volksmund „Mohrekopp-Fabrik“ genannt, hat eine lange Tradition. Gründervater Eugen Trauth, von Beruf Bäcker, entdeckte in den 1920er-Jahren auf Jahrmärkten ein Naschwerk aus Frankreich. Den Namen „tête de nègre“ übersetzte er mit „Negerkuss“ und begann mit der Produktion. Im Jahr 1954 übertrug er die Betriebsleitung seinem Sohn Robert Trauth, dessen Tochter Marie-Luise führte den Betrieb ab 1986. Seit Anfang des Jahres ist mit Daniel Trauth, einem Urenkel des Firmengründers, die vierte Generation am Zuge. Längst sind aus den politisch unkorrekten Negerküssen Schokoküsse geworden, die nach wie vor viel Handarbeit benötigen: Eine schaumige Zucker-Eiweiß-Masse wird auf eine Waffel gesetzt und mit flüssiger Schokolade überzogen. Dabei erhalten die Schokoküsse ihr charakteristisches Zipfelchen in der Mitte. Nach der Abkühlung werden jeweils 25 Stück in knallrote Kartons gesetzt. Konservierungsstoffe gibt es keine. Das Haltbarkeitsdatum beträgt 14 Tage, aber bis dahin sind sie längst gegessen.
An diesem Erfolgsrezept will auch der neue Chef festhalten. Daniel Trauth ist 33 Jahre alt und hat genau wie sein Urgroßvater und Großvater eine Bäckerlehre absolviert. Danach studierte er an einer Fachhochschule Lebensmitteltechnik. Bereits während seines Studiums arbeitete er in der Produktion mit, und das soll auch so bleiben. Einen Chefsessel sucht man bei ihm vergebens.
Trauths Philosophie: Qualität hochhalten
Wie kann ein kleiner Betrieb auf dem Süßwarenmarkt, der von großen Firmen beherrscht wird, bestehen? „Das kann nur gelingen, indem man mit Qualität und Frische punktet“, so Trauths Antwort. Die Schokoküsse müssten ganz frisch an den Mann gebracht werden, deshalb setzt der Betrieb vor allem auf den Direktverkauf. In einigen Märkten der näheren Umgebung kann man sie ebenfalls erwerben, wenn die Marktleiter bei Trauth bestellen und auch abholen. Einen Lieferservice gibt es nämlich nicht. Im hauseigenen Laden lagere kein Karton länger als drei Tage, „ganz im Gegensatz zu den typischen Supermarktprodukten, die oft wochenlang im Regal liegen“, kann sich Trauth einen kleinen Seitenhieb auf die Konkurrenz nicht verkneifen. „Die Qualität hochhalten“ – das ist seine Firmenphilosophie. Trotz Einsatzes moderner Maschinen werde in der Firma immer noch viel Wert auf Handarbeit gelegt, was eine Produktion im großen Stil ausschließe. Klasse statt Masse eben.
Kein Online-Verkauf
Die Idee eines Online-Shops hat der Unternehmer wieder verworfen, denn die zarten Schokoküsse müssten in aufwendigen Plastikverpackungen verschickt werden. Dies wäre nicht umweltfreundlich und würde das Produkt verteuern. Auch wird es keine kleineren Kartons geben und auch keine mit gemischtem Inhalt, denn den Schokokuss gibt es ja in vier Varianten. Da zeigt sich der junge Chef ganz konservativ. Sein Konzept geht auch so auf. Rund 300 Kunden steuern täglich die Oberhohlstraße an, und das ganz ohne Werbung. Die Mundpropaganda genügt vollkommen.