Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Spezialmaschinenbau Schmitt setzt auf die Zeit nach der Krise

Das neue Werk mit Bürotrakt. Das Dach ist je zur Hälfte begrünt und mit Fotovoltaik bestückt.
Das neue Werk mit Bürotrakt. Das Dach ist je zur Hälfte begrünt und mit Fotovoltaik bestückt.

Sein Firmenzeichen ist an Maschinen in Indien, Neuseeland, Mexiko und fast allen EU-Ländern zu finden. Spezialmaschinenbauer Sebastian Schmitt hat sein Unternehmen breiter aufgestellt. Der 41-Jährige und seine Mitarbeiter müssen einige Klippen umschiffen.

Die Grünpflanze Schefflera, die sich im Bürotrakt am Treppengeländer bis hinauf in den dritten Stock rankt, hat jeden Umzug mitgemacht: den ersten 1992 von Altdorf, wo Firmengründer Edwin Schmitt 1979 begann, nach Landau, den zweiten innerhalb der Stadt. Seit Jahresbeginn baut das Unternehmen, das Sebastian Schmitt vor zehn Jahren von seinem Vater übernommen hat, Spezialmaschinen in der Maria-Göppert-Mayer-Straße östlich des neuen Messegeländes. Über die Hälfte seines Umsatzes erlöst Schmitt außerhalb Deutschlands.

Den Mann, der in Albersweiler Tischtennis spielt, bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Und doch kennt er unruhige Nächte. 2017/2018 war der 41-Jährige an einem kritischen Punkt angelangt. Er hatte viele Kundenanfragen, hätte noch größere Sondermaschinen bauen können. Am Standort Oberwiesenstraße in Landau aber wurde es zu klein auf 800 Quadratmetern. In allen Bereichen: Büro, Montage, Parkplätze. Er stellte sich die Grundsatzfrage: „Was will ich? Moderat stetig wachsen oder kleiner werden, auch von der Belegschaft?“ Schmitt, bei Daimler hatte er von 1999 bis 2002 Werkzeugmechaniker gelernt, sich von 2004 bis 2006 an der Carl-Benz-Schule Karlsruhe zum Maschinenbautechniker Konstruktion weitergebildet, tendierte zu einem Neubau. Edenkoben hatte ihm nicht genug Charme. Die Stadt Landau offerierte ihm zwei Grundstücke.

Sebastian Schmitt und ein Ausstellungsstück: die Rotationsstanzmaschine, die das Unternehmen weiterentwickelt.
Sebastian Schmitt und ein Ausstellungsstück: die Rotationsstanzmaschine, die das Unternehmen weiterentwickelt.

Von Krisen gebeutelt

„Ich bin nicht der, der voll ins Risiko geht“, sagt Schmitt, der mit Frau und drei Kindern in Edesheim wohnt. Er erkannte im Projekt eine Wertanlage, Geld war günstig zu bekommen: „Es war relativ schnell klar, dass ich das mache.“ Und was sagt er heute? Mit der Erfahrung von Corona, Krieg in der Ukraine und steigenden Zinsen, meint er, er müsste länger überlegen. „Ich würde es wahrscheinlich sein lassen.“

Vom 7000 Quadratmeter großen Baugrundstück sind rund 2800 Quadratmeter bebaut: Montagehalle, Zerspanungshalle, Lagerhalle, Zusägerei, dreistöckiger Bürotrakt mit Räumen für Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Buchhaltung. Schmitt hat 5,4 Millionen Euro investiert und beschäftigt 21 Mitarbeiter: Feinwerkmechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Zerspanungsmechaniker, Maschinenbautechniker, Werkzeugmacher, Bürokräfte. Mittlerer Jahresumsatz: gut drei Millionen Euro.

Mitarbeiter Viktor Michel an einem Bearbeitungszentrum.
Mitarbeiter Viktor Michel an einem Bearbeitungszentrum.

Lieferzeiten von bis zu einem Jahr

Corona ging am Unternehmen nicht leise vorbei. „Projekte wurden verschoben, hinten angestellt“, erzählt Schmitt. „Eine schwierige Zeit, in der auch mal die Lichter aus waren, was wir noch nie gehabt hatten.“ Die Umstellung auf Elektromobilität löste einen Hype aus. Ein Auf und Ab. Neue Linien. Lieferprobleme aus Fernost. Eine Explosion der Kosten. „Früher haben wir drei, vier Wochen auf Teile gewartet, jetzt dauert es teilweise über ein Jahr.“

Andere Probleme waren dagegen ein Klacks. 1,20 Meter hoch hatte das Gestrüpp auf dem Bauland gestanden. Die mit dem Bau beauftragte Firma, die 12.000 Euro für das Entfernen des Gestrüpps wollte, hat Schmitt später gewechselt. Ein Nachbar pflügte ihm das Gestrüpp mit Traktor und Mulcher für einen Bruchteil der Summe unter.

Schmitt richtet den Blick nach vorn: 2021 hat er von der Märdian Werkzeug- und Maschinenbau GmbH in Hinterweidenthal Patente, Vermarktungsrechte, Kundenstamm und Mitarbeiter übernommen. Deren Rotationsstanzmaschine versucht er weiterzuentwickeln. 25 mechanische Herzstücke der Maschine sind in der Montagehalle aufgereiht. Er fertigt im Block an, um einen guten Preis anbieten zu können. 12, 13 Mitarbeiter haben gerade an einer Umformmaschine für Tenneco zu tun, die nach Indien geht. Sechs Monate inklusive Planung sind dafür veranschlagt.

Stanzmaschinen werden blockweise hergestellt.
Stanzmaschinen werden blockweise hergestellt.

Azubi und Elektriker gesucht

Schmitt bildet aus. Zwei Feinmechaniker haben gerade ausgelernt, ein Feinmechaniker-Azubi für nächstes Jahr und ein Elektriker werden gesucht. Mit der Übernahme von Märdian ist das Unternehmen breiter aufgestellt. Tenneco, Daimler und Vögele sind große Kunden. Festo (pneumatische und elektrische Antriebstechnik), Siemens und SEW sind große Lieferanten. War die Produktion früher automobillastig, teilt sie sich nun laut Schmitt auf Automobilbereich (60 Prozent), Baugewerbe (30 Prozent) und Küchen (zehn Prozent) auf.

Vor Corona war Schmitt zweimal im Jahr in Mexiko: „Das ist durch Corona komplett eingeschlafen, wird im neuen Jahr neu starten.“ Er hat sehr gute Kontakte zum Tenneco-Stammwerk. Nach China lieferte er zwei Expandiermaschinen, die Blechmäntel aufbereiten. „Die Schwierigkeit in unserem Beruf: Die Maschine, die angefragt wird, gibt es noch gar nicht“, sagt Schmitt. Der Kunde wisse nur, was für ein Bauteil entstehen soll. Er müsse ein Konzept entwickeln; wenn es preislich und zeitlich passe, bekomme er den Auftrag. Viele Angebote seien im Umlauf, es könne lange dauern, bis ein Auftrag erteilt werde. Aber dann müsse es schnell gehen. Bei vielen kleineren Aufträgen drehe es sich um vier, fünf, sechs Wochen Lieferzeit.

Privatkunden und Wein

Schmitt ist stolz auf seine Belegschaft, die flexibel sein muss. Wahrscheinlich noch zwei Wochen muss das Unternehmen den Ausfall eines fünfachsigen und rund 15 Tonnen schweren Bearbeitungszentrums kompensieren. Das Riesenteil nahm beim Umzug, den eine Spezialfirma mit Luftkissen leistete, Schaden.

Privatkunden hat Sebastian Schmitt keine. Anders als sein Vater Edwin in den Anfängen. Er erinnert sich und muss schmunzeln: Der Vater füllte einen Auftrag aus, und die Bauern brachten ihm einige Flaschen Wein.

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