Edenkoben
Spender aus Heidelberg: Eine Corona-Bank für die Waldgaststätte Friedensdenkmal
3,70 Meter breit, 450 Kilogramm schwer. Die „Heidelberger Corona-Bank 2020“, die fortan vor der Waldgaststätte Friedensdenkmal in Edenkoben steht, wirkt schon ziemlich wuchtig. „Ich habe gedacht, sie ist kleiner, war aber positiv überrascht über die Ausmaße. Die Bank ist ein Augenschmaus“, findet Gaststätteninhaber Christian Völlinger.
Zwei Sitzplätze jeweils mit einer Breite von 60 Zentimetern, dazwischen eingelassene Löcher, die mit Blumentöpfen besetzt sind und als natürliche Abstandsbarriere fungieren sollen. Links und rechts ein Baumstumpf. Auf den einen ist eine Holzscheibe gesetzt. Darauf zu sehen ist die Abbildung eines Römers, der aus einer Schale trinkt und die Aufschrift: „Prost, alter Römer“. Am anderen hängt ein Tablett, um Weinflasche und Dubbeglas abzustellen.
„Durch die Bank sind wir verewigt“
Die Bank ist ein Geburtstagsgeschenk an die Wirtin Dana Völlinger und kommt von einem Stammgast. „Er kommt schon seit Jahren mit seiner Frau in die Region und möchte dort, wo es ihm gefällt, bleibende Eindrücke hinterlassen“, sagt Völlinger. Herbert Römer heißt der Spender. Daher auch das Römer-Motiv. Der 85-Jährige kommt aus Heidelberg, sieht sich aber mehr als Pfälzer. „Wir sind oft zum Wandern oder zum Urlaub machen in der Pfalz. Auf der Hütte sind wir fast jede Woche“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Wenn wir nicht mehr leben, sind wir da oben durch die Bank verewigt.“
Die Bank steht seit Montag, 14. September, in Edenkoben und war eine Auftragsarbeit des aus dem baden-württembergischen Dielheim stammenden Schnitzers Michael Reichert. „Es gibt einen langen Wanderweg in Heidelberg, den Neckarsteig. Da stehen zwölf Bänke. Eine davon ist von dem Künstler gemacht. Da habe ich mir gesagt: Der macht die Corona-Bank“, sagt Römer. Über die „Rhein-Neckar-Zeitung“, die in Heidelberg und Umgebung erscheint, bekam Römer Reicherts Telefonnummer. „Wir haben uns persönlich getroffen. Er hat mir gesagt, was er will, und dann ging es an die Umsetzung“, sagt der Schnitzer.
Bank ist aus Eichenholz
Dass Römer ganz genaue Vorstellungen hatte, kommt nicht von ungefähr. Der mit 57 Jahren in Frührente gegangene Heidelberger arbeitete selbst als Konstrukteur und kennt sich auch im Bauzeichnerwesen aus. Fünf Werktage à acht Stunden saß Reichert an dem aus witterungsbeständigem Eichenholz gefertigten Werk. Das Abzeichen des Römers fräste ein Schreiner auf eine 50 Zentimeter große Holzscheibe, die Reichert auf die Bank draufsetzte. In fünf Teilen brachte er die Bank dann auf die Hütte und steckte sie vor Ort zusammen. „Er hat alles genau nach meinen Vorstellungen gemacht. Als die Bank stand und ich sie erstmals gesehen habe, war ich sprachlos“, sagt Römer.
Reichert macht deutschlandweit Auftragsarbeiten. Seit er 14 Jahre ist, bringt sich der 27-Jährige das Handwerk Stück für Stück selbst bei. „Mein Vater ist Förster und hat mir damals den Umgang mit der Motorsäge gezeigt. Dann habe ich angefangen, meine ersten Figuren zu schnitzen“, sagt der Handwerker, der in seiner Werkstatt in Dielheim auch eine kleine Ausstellungsfläche hat und schon bei Deutschen Meisterschaften im Motorsägenschnitzen dabei war.
Zwei Personen haben Platz
Auf die Bank am Friedensdenkmal können sich aktuell zwei Personen setzen. „Wenn die Corona-Regeln gelockert werden, haben theoretisch sechs Personen Platz“, sagt Völlinger, der sich, solange das Wetter gut ist, keine Sorgen um seinen Betrieb macht. „Wenn es kälter wird, könnte es problematischer werden.“ Vielleicht kann die Bank dann ja den ein oder anderen Wanderer anlocken.