Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel So darf man nicht mit Kranken umgehen

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter der Rufnummer 116117 zu erreichen.
Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter der Rufnummer 116117 zu erreichen.

Dass Patienten nach Feiertagen stundenlang für einen Arzttermin anstehen müssen, ist nicht gottgegeben, sondern schlecht organisiert.

An Feiertagen kann es schon mal dauern, bis man bei einer Erkrankung Hilfe bekommt. Aber bei den Warteschlangen vor der Notfalldienstzentrale in Landau sprechen wir nicht von Feier-, sondern von ganz normalen Werktagen – die offenbar zu viele Mediziner zu einem angenehmen, überlangen Brückenwochenende bis Neujahr genutzt haben.

Sie machen genau das, was wir uns vermutlich alle wünschen. Nur: Es gibt Berufe, da kann man schadlos ein paar Tage warten – beispielsweise auf die neuen Vorhänge, die Autoinspektion oder die Fußpflege. Doch das sieht bei der medizinischen Versorgung nunmal anders aus. Sicher, wir lesen immer wieder, dass Schnupfenpatienten die 110 wählen, aber ist das die Regel? Sollten Dutzende von Menschen, die im Winter stundenlang im Freien vor der Notfalldienstzentrale ausharren, alle Hypochonder sein? Wohl kaum.

Wohlgemerkt: Diese Kritik richtet sich nicht gegen diejenigen, die in den Notfalldienstzentralen unter hoher Belastung eine medizinische Grundversorgung aufrechterhalten. Sie richtet sich gegen diejenigen, die tagelang ihre Praxen nicht öffnen und offenbar auch keine Vertretungslösung mit der Nachbarpraxis treffen. Das sollten sich mal Feuerwehren leisten ...

Ja, Corona war Stress, Grippewellen oder sonstige Infekte sind es auch, und Ärztinnen und Ärzte haben in der Regel keinen gepflegten Acht-Stunden-Tag. Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass die Kassenärztliche Vereinigung sogenannte Kassensitze vergibt. Sie will damit für eine gleichmäßige medizinische Versorgung im Land sorgen und Kosten dämpfen. Sie hält niedergelassenen Ärzten aber auch Konkurrenz vom Leib, die doch angeblich gut fürs Geschäft ist. Da wird man schon mal fragen dürfen, ob ein wenig mehr Absprache und Dienst am Patienten nicht zumutbar wäre.

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