Landau „Singen kann jeder“
«Edenkoben.» Von wegen Tri, Tra, Trallala. Der Volkschor Edenkoben, gegründet 1871, ist dabei, sich neu zu erfinden. Und er ist auf einem guten Weg – trotz des antiquierten Namens aus preußisch-wilhelminischen Zeiten. Der Volkschor mit frischem Wind. Bestes Beispiel: die „Singing Friends“. Ein moderner Chor mit jungen Leuten, der das klassische deutsche Liedgut erfrischend um englische Titel erweitert hat. Gegründet: 2016.
Damit ist die Modernisierung einer Edenkobener Institution aber noch lange nicht abgeschlossen, wie Chorleiter Michael Hilschmann (48), die neue Vorsitzende Beate Hanewald (63) und Inka Brechtel (53) im Gespräch mit „Marktplatz regional“ berichten: Für die nahe Zukunft plant der Verein Einiges. „Der Chor ist im Aufbruch“, sagt der Chorleiter freudig. Und: „Die Jungen wollen die Fackel weitertragen.“ Erster Höhepunkt ist das Adventssingen am 3. Dezember in der evangelischen Kirche. Da stehen dann auch englische Lieder auf dem Programm. Der Verein ist dabei, sich zu öffnen. Das zieht – binnen kurzer Zeit wurden allein 2016 20 neue, meist jüngere Mitglieder gewonnen, die zu „Singing Friends“ gehören. Aber es gebe keinen Bruch: „Der traditionelle Chorgesang ist uns ganz wichtig“, stellt Hilschmann klar. Gleichwohl will der Verein am 26. Mai den „Gipfel“ stürmen: Mit dem Kinder- und Jugendorchester des Gymnasiums Edenkoben und der A-Kapella-Formation „Restroom-Singers“ gibt es ein gemeinsames Konzert. Auch im gemischten Chor mit rund 50 aktiven Sängern gilt die Botschaft der Erneuerung: „Im Stammchor ist angekommen, dass sich etwas bewegen muss“, sagt Hilschmann. Dabei ist eines klar: Einen Schnitt oder gar Bruch gibt es keinen aus der Sicht der neuen Vorstandschaft. Es solle nicht alles umgekrempelt werden. Denn Tradition ist Geschichte. Dazu gilt es, zu stehen – und das gerne. So war es auch im Gespräch, den Namen Volkschor zu ändern. Nichts da. Es gilt, Altes mit Neuem zu verbinden. Der Name bleibt! In der Hoffnung, neue Mitglieder zu gewinnen („Wir haben das Problem wie fast alle Chöre“), hat Chorleiter Hilschmann für sich klar erkannt: „Die 40- bis 60-Jährigen haben sich vom Singen entfernt. Das ist eine verlorene Generation“ – den gemeinsamen Chorgesang betreffend, bedauert Hilschmann. Denn: Singen könne eigentlich jeder, wenn auch mit unterschiedlicher Begabung. Doch vor drei oder vier Jahrzehnten sei vielen jungen Menschen im Musikunterricht aus seiner Sicht unerfindlichen Gründen gesagt worden: „Du kannst nicht singen.“ Die jungen Leute von damals litten noch heute unter einer Art Trauma. Verloren für den Chorgesang. Schade.