Landau / Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Serie von Autoaufbrüchen: Wer den Schaden zahlt

Binnen weniger Wochen wurde an 18 Autos in Landau und Herxheim eine Scheibe eingeschlagen.
Binnen weniger Wochen wurde an 18 Autos in Landau und Herxheim eine Scheibe eingeschlagen.

Beinahe täglich meldet die Polizei seit mehreren Wochen Autoaufbrüche in Herxheim und Landau. Eine solche Serie verunsichert. Wie man sich bestmöglich davor schützen kann und wer den Schaden zahlt.

„In der Nacht von Montag auf Dienstag schlugen unbekannte Täter in der Pirminiusstraße in Herxheim die Beifahrerscheibe eines Autos ein.“ Mit diesem Satz beginnt eine Meldung der Polizeiinspektion Landau vom Mittwoch. So unerfreulich das für den Betroffenen ist, übermäßig spektakulär ist eine solche Tat nicht. Und trotzdem lohnt ein genauerer Blick darauf, denn derlei Mitteilungen aus Herxheim und auch aus Landau flattern schon seit mehreren Wochen gefühlt täglich ins E-Mail-Postfach. Also: Was ist da los?

„Im Tatzeitraum von 26. November bis 31. Dezember kam es im Stadtgebiet Landau zu insgesamt sieben und in Herxheim zu elf Taten“, teilt Benjamin Preis, Sprecher der Kriminalpolizei Landau auf Anfrage mit. Das Gefühl, dass es eine Häufung von Autoaufbrüchen gibt, trügt also nicht. Auffällig ist das stets gleiche Vorgehen des Täters beziehungsweise der Täter. In jedem Fall wurde mit roher Gewalt eine Autoscheibe eingeschlagen, um den Innenraum auf der Suche nach Wertsachen zu durchwühlen. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien Vermögenswerte in Höhe eines dreistelligen Eurobetrags gestohlen worden, so Preis.

Im vergangenen Jahr gab es schon einmal ein Serie

Ein neues Phänomen ist die derzeitige Serie in Herxheim und Landau nicht. So wurden zum Beispiel zwischen April und Juni des vergangenen Jahres rund 30 Fahrzeuge in Edenkoben und Edesheim aufgebrochen. „Es ist immer wieder zu beobachten, dass es in diesem Deliktbereich Schwerpunkte gibt“, sagt Preis dazu. Eine pauschale Erklärung dafür gebe es nicht, es bedürfe immer einer Prüfung des Einzelfalles. Auch, ob es sich um Einzeltäter oder um Tätergruppen handelt, könne nicht allgemeingültig beantwortet werden.

Das heißt jedoch nicht, dass die Polizei bei der Suche nach Autoknackern völlig im Dunkeln tappt. Im Zusammenhang mit der Serie in Edenkoben und Edesheim im vergangenen Frühjahr/Sommer wurde ein Verdächtiger gefunden. Es werde gegen einen Heranwachsenden aus dem Landkreis SÜW ermittelt, teilt Preis mit. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht, den verunsicherten Menschen in Landau und Herxheim hilft das aber eher wenig. Denn laut Preis gibt es derzeit keine Hinweise, dass die Tatserien im Zusammenhang stehen könnten. Im Umkehrschluss heißt das wohl oder übel: Es muss mit weiteren eingeschlagenen Autoscheiben gerechnet werden.

Einen absoluten Schutz davor gibt es leider nicht. Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs kann aber gesenkt werden. Kripo-Sprecher Preis rät, das Auto in einer abgeschlossenen Garage zu parken. Ist das nicht möglich, „stellen Sie Ihr Fahrzeug zumindest an gut beleuchteten und belebten Straßen ab“. Ein Punkt, der oft nicht befolgt wird, ist das Schließen von Türen, Fenstern, Kofferraum und Schiebedach, wenn man nur kurz vom Auto weggeht. Preis weist darauf hin, unbedingt alles zuzumachen. Außerdem müsse man darauf achten, dass das Fahrzeug das Verriegeln per Fernbedienung mit einem optischen Signal quittiert.

Welche Versicherung wann bezahlt

Und was, wenn all das nicht hilft und das eigene Auto geknackt wurde? Dann springt immerhin die Versicherung ein. „Bei Schäden nach einem Einbruch ins Auto leisten die Teilkasko- und die Hausratversicherung“, erklärt Ulrike Schulz, Pressesprecherin der Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Von der Teilkaskoversicherung – die Vollkasko- enthält alle Leistungen der Teilkaskoversicherung – werden Kosten übernommen, „die durch das gewaltsame Öffnen des Autos und Entfernen von Einbauten entstehen, unter anderem beispielsweise für die Instandsetzung eines aufgebrochenen Türschlosses, das Einsetzen neuer Scheiben und den Ersatz für gestohlene festverbaute Teile, wie ein eingebautes Radio, Navi oder Lautsprecher“, erklärt Schulz. Ganz wichtig für Betroffene: Schadensfreiheitsklassen gehen bei der Regulierung über die Teilkasko nicht verloren. In die Röhre schaut derjenige, der keinen Kaskoschutz hat und nur die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat.

Für gestohlene Wertgegenstände springt wiederum die Hausratversicherung ein, die nach einem Wohnungseinbruch laut Schulz den Neuwert der abhandengekommenen Sachen erstattet. „Das gilt im Rahmen der Außenversicherung auch für Einbrüche in Autos.“ Als Hausrat gelten lose Gegenstände wie Smartphone, Laptop oder Handtasche. Um einen Einbruch handelt es sich dann, wenn ein Auto gewaltsam geöffnet wurde, etwa durch Aufbrechen von Türen oder Einschlagen von Fenstern. Einschränkend weist Schulz darauf hin, dass vertragsabhängige Entschädigungsgrenzen zu beachten seien. Und: „Wurde die Autotür versehentlich unverschlossen gelassen, ist die Hausratversicherung nicht eintrittspflichtig.“

Zusammenfassend erklärt Schulz anhand eines Bildes, welche Versicherung für welchen Schaden aufkommt. „Stellen Sie sich vor, Sie könnten das Auto umdrehen und schütteln – für alles was herausfällt ist die Hausratversicherung zuständig (also Smartphone, Handtaschen et cetera); Für alles was drin bleibt, ist die Teilkaskoversicherung zuständig (festverbaute Teile, wie ein eingebautes Radio oder Navi).“ Autobesitzer, die weder über eine Kaskoversicherung noch über eine Hausratversicherung verfügen, bekämen Schäden, die durch den Einbruch ins Auto entstehen, nicht ersetzt.

Info

Wer Hinweise zu einer der Taten in Landau und Herxheim geben kann, melde sich bei der Polizei Landau unter Telefon 06341 2870 oder per E-Mail an pilandau@polizei.rlp.de. Weitere Informationen zum Schutz vor Autoknackern und Autodieben gibt es im Internet unter polizei-beratung.de (Themen & Tipps; Diebstahl).

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