Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Senioren tun was gegen Pandemie

 Nummer eins: Christa Maibaum war am Sonntag die erste Seniorin, die in Mannheim gegen das Corona-Virus geimpft wurde.
Nummer eins: Christa Maibaum war am Sonntag die erste Seniorin, die in Mannheim gegen das Corona-Virus geimpft wurde.

Bis zum Impfstart in Altenheimen in Landau und im Kreis SÜW wird es wohl noch etwas dauern. Es sind etliche Vorarbeiten nötig. Aber das DRK steht schon bereit. Doch während die Bewohner dem Piks gelassen entgegensehen, tut sich das Personal in den Heimen damit offenbar noch schwer.

Rheinland-Pfalz hat seine Impfstrategie geändert: Inzwischen kann nicht mehr nur in Senioreneinrichtungen in Kommunen geimpft werden, in denen die Inzidenzwerte (Anzahl der Neuinfektionen in sieben Tagen) besonders hoch sind, sondern überall im Land – sofern die Heime Impfbereitschaft melden können. Genau das hatte auch Dietmar Seefeldt, Landrat des Kreises Südliche Weinstraße, vor wenigen Tagen im RHEINPFALZ-Gespräch so gefordert. Die ursprüngliche Regel hatte zu der widersinnigen Situation geführt, dass zwei Heime in Zweibrücken zwar startbereit waren, aber nicht zum Zuge kommen sollten, während viele Senioreneinrichtungen in Kommunen mit hohen Inzidenzen noch nicht alle Vorbedingungen erfüllt hatten.

Trotz der neuen Regeln kann nicht von jetzt auf gleich geimpft werden. Sie hoffe, dass es in wenigen Tagen losgehen könne, sagt Martina Sold, Leiterin von Haus Trifels in Annweiler. Das Seniorenheim habe schon für alle 70 Bewohner das Einverständnis eingeholt, dass diese auf Corona schnellgetestet werden dürfen, und bisher habe es auch keine Infektion gegeben. Nun müsse aber auch die Impfbereitschaft noch in jedem Einzelfall erfragt werden. Wenn es die Bewohner selbst nicht mehr entscheiden können, müssen Angehörige oder Betreuer der Impfung zustimmen. Und das muss ebenso dokumentiert werden wie die Abfrage bei Hausärzten, ob etwas gegen eine Impfung der betagten Menschen spreche. Das könne beispielsweise eine Allergie sein, sagt Sold. Sie schätzt, dass bei knapp 60 Bewohnern eine Impfung möglich sein wird.

Keine Impfung bei Fieber

Neben einer Überempfindlichkeit gegen Inhaltsstoffe des Impfstoffs kann auch eine akute Erkrankung mit Fieber über 38,5 Grad gegen eine Impfung sprechen, teilt das Gesundheitsamt für den Kreis SÜW und die Stadt Landau auf Anfrage mit. Weitere Einschränkungen gibt es nicht, zumindest keine, die bei Senioreneinrichtungen greifen würden. Denn für Kinder und Jugendliche unter 16 ist der Impfstoff nicht freigegeben, und bei Schwangeren oder Stillenden soll die Impfung sehr sorgfältig auf Nutzen und Risiko abgewogen werden.

Im Herxheimer Altenzentrum St. Josef ist die Impfbereitschaft im Mitarbeiterstab gering: Von den 100 wollen sich nur 25 impfen lassen. Das ist im Haus Trifels nicht ganz so ausgeprägt, aber wirklich zufrieden ist Leiterin Sold auch nicht. nach ihren Angaben haben 35 der 68 Beschäftigten, also gut die Hälfte, ihre Impfbereitschaft erklärt. Inzwischen hätten noch zwei weitere signalisiert, dass sie ihre ursprüngliche Ablehnung wohl aufgegeben haben. Skepsis gebe es vermutlich, weil der Impfstoff völlig neu und in sehr kurzer Zeit entwickelt worden sei. Für Sold selbst steht der Piks außer Frage: „Wenn ich Corona ins Haus bringe und es sterben 20 Menschen – damit könnte ich doch nicht leben.“

RKI informiert über Nebenwirkungen

Was die Nebenwirkungen und Risiken angeht, gibt ein vom Robert-Koch-Institut erstellter Aufklärungsbogen zur Impfung Auskunft: Leichte Schmerzen an der Einstichstelle gibt es häufig, auch Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Frösteln, Gelenkschmerzen, Fieber und eine Schwellung der Einstichstelle sind möglich, außerdem weitere, eher seltene Reaktionen, die aber allesamt in aller Regel mild verlaufen und schnell abklingen. Kurz: Bisher gab es keine besonderen Auffälligkeiten.

Auch im Bethesda in Landau laufen die Vorbereitungen noch, wie Marc Sellmann berichtet. Aber „98 Prozent unserer Bewohner wollen sich impfen lassen. Sie sagen: Klar machen wir da mit. Wir tun was gegen die Pandemie“, schildert der Bereichsleiter Altenhilfe. Das Bethesda habe seit Montag etwa 300 Menschen abtelefoniert, um die Impfbereitschaft abzuklären. Das gehe oft ganz schnell, manchmal seien aber auch längere Gespräche erforderlich. Was dann noch fehlt, sind die Ergebnisse einer Abfrage, ob die Hausärzte der Bewohner eine Impfung für empfehlenswert halten oder abraten. „Hoffentlich im Januar noch“, nennt Sellmann als Perspektive für die Impfungen.

Bethesda gegen Impfzwang

Von den Beschäftigten im Bethesda seien 50 bis 60 Prozent bereit, sich impfen zu lassen, schildert Sellmann – ein Wert, den er gar nicht so schlecht findet. Er hält die Freiwilligkeit für wichtig, jeglicher Impfzwang werde nur an anderer Stelle zu Problemen führen. Wenn das Impfteam erst mal da gewesen sei und die Mitarbeiter gesehen hätten, wie es den Geimpften ergangen sei, werde die Bereitschaft sicher noch wachsen. Was Sellmann gefreut hat, ist, dass sich das DRK von sich aus im Bethesda gemeldet und nach dem Stand der Vorbereitungen gefragt habe.

Der DRK-Kreisverband Südliche Weinstraße wird sich an den mobilen Impfteams beteiligen, berichtet Kreisgeschäftsführer Jürgen See. Bei einer internen Abfrage hätten sich mehr als 20 „qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ gemeldet, also Rettungsassistenten, Rettungssanitäter und Notfallsanitäter. Die Impfteams selbst werden nicht vor Ort gebildet, sondern vom DRK-Landesverband in Mainz aufgebaut. Wann es wirklich losgeht, kann See noch nicht abschätzen. Auch er weiß um den hohen bürokratischen Aufwand, den die Altenheime leisten müssen, bevor sie Impfbereitschaft signalisieren könnten. Das sei insbesondere über die Feiertage keine Kleinigkeit. Und dann müsse natürlich auch über das Land ausreichend Impfstoff bereitgestellt werden.

DRK holt Impfstoff

Mit „sicher 15 bis 20 Ehrenamtlichen“ wird auch das DRK Landau dabei sein, wenn die Landauer Heime impfbereit sind, sagt Geschäftsführerin Martina Boßmann, wagt aber noch keine Prognose, wann es soweit sein wird: „Wir haben noch keine Termine.“ Neben Rettungssanitätern und Krankenpflegern oder -schwestern werde der Kreisverband Landau wohl auch Fahrer und Helfer stellen, die vor Ort Impfstationen aufbauen. Auch den Transport des tiefgekühlten Impfstoffs von Zwischenlagern, die aus Sicherheitsgründen geheimgehalten werden, zu den Einsatzstellen werde der Kreisverband – mit Begleitung durch Pharmazeuten – wohl übernehmen.

In den Pro Seniore Häusern, zu denen die Residenz Bad Bergzabern und das Parkstift in Landau gehören, sind am Dienstag die Unterlagen der Koordinierungsstelle des Landes eingegangen. Derzeit würden die vorgeschriebenen Einverständniserklärungen eingeholt, berichtet Pressesprecher Peter Müller in Saarbrücken. Sobald diese vorlägen, könne die erste Impfaktion innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Dieser Vorlauf sei nötig, um die Räume herzurichten, eine Impfstraße mit Anmeldung, der eigentlichen Impfstelle und einem Nachsorgebereich aufzubauen und Dienst- und Ablaufpläne aufzustellen. Die Termine würden in der Regel kurzfristig mitgeteilt.

Formalitäten erforderlich

Die notwendigen Formalitäten bezeichnet Müller als „durchaus herausfordernd“, aber auch notwendig. Eine „ausgeprägte Impfgegnerschaft“ sei bei den Pro-Seniore-Beschäftigten nicht zu erkennen, versichert er. „Der bisherige Rücklauf der Einverständniserklärung stimmt uns sehr optimistisch, dass der Großteil der Mitarbeiter dieses Angebot annehmen wird.“ Immerhin sei das Impfen eine wirksame Methode, den persönlichen Arbeitsschutz entscheidend zu optimieren, und die Mitarbeiter seien erfahren genug, um das bestehende Risiko einer Infektion realistisch einschätzen zu können.

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