Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Selbstbedienungsladen Lebenshilfe? Es fehlt an Kontrolle und Transparenz

Die Südpfalzwerkstatt beschäftigt rund 800 Menschen mit Behinderung. Trägerin ist die Lebenshilfe Südliche Weinstraße.
Die Südpfalzwerkstatt beschäftigt rund 800 Menschen mit Behinderung. Trägerin ist die Lebenshilfe Südliche Weinstraße.

Regelmäßig fliegen Geschäftsführer der Sozialindustrie wegen krimineller Machenschaften raus. Kein Wunder. Es fehlt an Kontrolle und Transparenz.

Bei der Lebenshilfe Kusel muss 2015 der Geschäftsführer seinen Hut nehmen. Der Aufsichtsrat spricht von einem gestörten Vertrauensverhältnis – aber auch von einem finanziellen Schaden. 2018 wird die ehemalige Vorsitzende der Lebenshilfe Westerwald wegen Untreue und Betrugs verurteilt. Bei der Lebenshilfe Südliche Weinstraße ist nun die hauptamtliche Vorständin, Marina Hoffmann, entlassen worden. Die Rede ist von wirtschaftlichen Ungereimtheiten. Alles Zufälle? Mitnichten. Dass es in der Sozialindustrie immer wieder solche Fälle gibt, ob bei Lebenshilfe, Caritas oder AWO, hat strukturelle Gründe.

Zwar haben die Einrichtungen Aufsichtsräte, doch die kommen gewieften Geschäftsführern meistens nicht auf die Schliche. Das Problem: Die Kontrollgremien speisen sich oft aus Ehrenamtlichen, im Fall der Lebenshilfe sind es in vielen Fällen Eltern von den in den Einrichtungen betreuten Kindern und Erwachsenen. Das ist ehrenwert. Aber wenn es um Millionenbeträge geht – die werden in Behindertenwerkstätten locker umgesetzt–, braucht es professionelle Prüfer, die sich nicht so schnell in die Irre führen lassen.

Jedes Jahr fließen Millionen an Steuergeldern

Das größte Problem ist allerdings der Mangel an Transparenz, für die Öffentlichkeit sind Lebenshilfe und Co. eine Black Box. Das darf nicht sein. Denn es fließen jährlich Millionen Euro der öffentlichen Hand, um Einrichtungen wie die Südpfalzwerkstatt zu unterhalten, wo Menschen mit Behinderung arbeiten können. Dieses Spiel im Schatten gepaart mit einer großen Machtfülle kann auch Tür und Tor für eine Selbstbedienungsmentalität.

Dass die Lebenshilfe sich auch nach dem Rauswurf von Marina Hoffmann in Schweigen hüllt, passt ins Bild. Die Einrichtungen kommunizieren häufig wie eine geschlossene Gesellschaft. Wenn es kritisch wird, halten alle dicht. Doch die Lebenshilfe ist kein Geheimbund, sie wird von unserem Geld mitfinanziert. Deshalb hat die Bevölkerung ein Anrecht auf Informationen.

Schwarze Schafe und dubiose Strukturen

Die Politik wiederum muss endlich härtere Bandagen anlegen im Umgang mit der Sozialindustrie. Gerade weil die Arbeit mit und für behinderte Menschen so wichtig ist und von vielen engagierten Ehrenamtlichen geleistet wird, dürfen schwarze Schafe und dubiose Strukturen keine Chance haben.

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