Landau
Schwarzer Sportler zu Mohrenkopf-Debatte: „Es geht um Respekt“
Lamin Krubally erinnert sich an eine Szene aus seiner Jugend: Auf einer Freizeit habe er einen Witz gerissen, daraufhin reagierte ein Jugendlicher, und zwar so: „Der Neger hält jetzt mal die Klappe“. Als er jünger war, erzählt der 26-jährige Landauer, habe er noch nicht zwischen einer „normalen“ Beleidigung und einer rassistischen unterscheiden können. Heute sei das anders. Deshalb habe er auch die Schokokuss-Debatte der vergangenen Woche verfolgt – und ist von so mancher Äußerung ziemlich enttäuscht.
Krubally, der gerade berufsbegleitend seinen Master in General Business Management bei Gillet in Landau macht und in der Region als Stabhochspringer bekannt ist, hat zwei Staatsbürgerschaften. Sein Vater stammt aus Gambia, seine Mutter aus Deutschland. Geboren ist er in der Bundesrepublik, die Südpfalz ist seine Heimat. Die Schokokuss-Debatte war auch bei Familie Krubally ein Thema.
Bei manchen Begriffen aufpassen
Zur Erinnerung: Am Samstag vor zwei Wochen hatte die RHEINPFALZ über eine Familie aus der Vorderpfalz berichtet, die nach einem Ausflug ins Café an der Rietburgbahn einkehrte. Sie bestellte dort einen Schokokuss. Bei der Bezahlung bekam sie von der Bedienung zu hören, die Süßigkeit koste einen Euro. Den Mohrenkopf hätte es für weniger Geld gegeben, den Negerkuss sogar gratis. Nach Aussage der Kellnerin sei das ein Witz gewesen – die Familie mit schwarzem Kind fühlte sich allerdings angegriffen. Was darauf folgte, war eine hitzige Debatte. Lamin Krubally hat eine klare Meinung und findet deutliche Worte.
Es gebe Begriffe, bei denen müsse man aufpassen, da sie eine unterschiedliche Wirkung bei Menschen haben könnten, sagt Krubally. Was den einen nicht störe, könne der andere als Angriff empfinden. Das Wort „Mohrenköpfe“ könne Schwarze genauso kränken wie das Wort „Fette“ korpulente Menschen. Dabei ginge es auch immer um die Situation, betont Krubally, ob man unter Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten sei oder ob man mit fremden Personen spreche.
Manche verteidigen aggressiv ihre Haltung
Für ihn ist wichtig, dass die Menschen lernen, mit Vorsicht Begriffe zu verwenden, und so Sensibilität für ihre Wortwahl entwickeln. Gerade junge Menschen wüssten schon viel darüber, aber bei den älteren Generationen könnte es besser sein, sagt der Landauer. Dass Menschen so stur in alten Mustern verharren, zeuge von einer unsolidarischen Gesellschaft, sagt Krubally. Eine große Schnauze haben und das Gesagte aggressiv verteidigen, so, wie es bei manchen Leserbriefen der Fall gewesen sei, empfinde er als traurig. Oft stelle er sich die Frage, warum man alternative Begriffe nicht nutzen könne, obwohl es diese doch gebe. Einige führten immer wieder das Argument an, dass Sprache wegen der vermeintlich politischen Korrektheit zerstört werde. „Doch im Endeffekt geht es um Respekt“, sagt Krubally. Man müsse vor allem über die Person und den Kontext nachdenken – und das habe die Bedienung im Café unter der Rietburg offensichtlich nicht getan.
Witze auf Kosten anderer reißen – das ist für Krubally grundsätzlich nicht okay. Man könne doch auch auf andere Weise humorvoll sein, ohne womöglich jemanden persönlich anzugreifen. Egal sei es auch, ob jemand ein Wort, einen Satz, einen Witz nicht beleidigend meint – wenn das Gegenüber es anders empfindet, müsse man das akzeptieren. Es sei wichtig, miteinander zu sprechen, sollte es zu verbalen Verletzungen gekommen sein. Entscheidend sei, Verständnis füreinander aufzubringen – sich vielleicht einfach zu entschuldigen.