Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Schuss ins Knie

Wenn alles so bleibt wie bisher, fahren trotzdem Radler auf Feldwegen, aber die Stadt zahlt nicht für Ausbau und Unterhalt.
Wenn alles so bleibt wie bisher, fahren trotzdem Radler auf Feldwegen, aber die Stadt zahlt nicht für Ausbau und Unterhalt.

Es rumpelt gewaltig zwischen Bauern- und Winzerschaft und Stadt. Das ist fatal. Den Zorn bekommt Lukas Hartmann ab, aber er ist nicht schuld.

Bauern und Winzer empfinden es als übergriffig, dass der Grünen-Beigeordnete Lukas Hartmann Feldwege zu Radfahrstraßen machen will. Nach anfänglicher Zustimmung haben die Ortsvereine der Bauern- und Winzerschaft nun offenbar ihre Reihen geschlossen und lehnen die Pläne rundweg ab. Dabei würde sich de facto nicht viel ändern. Auch heute sind schon viele Radler auf Feldwegen unterwegs, auch heute schon müssen beide Seiten darauf achten, dass niemand zu Schaden kommt. Aber: Für etwa zehn Prozent der Wege würde die Stadt sämtliche Kosten übernehmen. Darauf zu verzichten, können sich Landwirte eigentlich nicht leisten.

Denn die Ablehnung der Hartmann-Pläne ist nur die Spitze eines Eisbergs, der seit vielen Jahren in der Flur dümpelt und immer größere Ausmaße annimmt: Die Feldwege sind marode, der Sanierungsstau ist gewaltig. Unterhalt und Erneuerung sind Sache der Nutzer. Doch anstatt rechtzeitig gegenzusteuern, haben die Politik und die Bauern- und Winzerschaft die Lage eskalieren lassen. So lag der Sanierungsbedarf zuletzt bei 480.000 Euro jährlich, aber 2020 kam nicht einmal die Hälfte davon über Beiträge rein. Gegen eine Satzungsanpassung mit erheblichen Gebührensteigerungen gab und gibt es Gegenwehr. Das ist verständlich – aber auch kurzsichtig.

Denn jetzt hat die Stadt ihre Satzung komplett überarbeitet. Das ändert nichts an den Beiträgen, stellt die Landwirte aber nun in etlichen weiteren Punkten deutlich schlechter. Das gilt insbesondere für die Starenabwehr und für den sinkenden städtischen Eigenanteil. Bauern und Winzer müssen sich besinnen. Mit Fundamentalopposition schießen sie sich ins eigene Knie.

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