Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Schulleiter sorgt mit Elternbrief über angemessene Kleidung für Diskussionen

Schulkleidung.jpg
Absolut trendy: Trainingsanzüge als Alltagskleidung. Hier das Schaufenster einer Nobelboutique auf der Düsseldorfer Einkaufsmeile »Kö«. Die Anzüge wurden von Star-Designer Karl Lagerfeld entworfen.

Der modische, sehr legere Auftritt junger Leute in Schulen ist in den Fokus geraten. Pete Allmann, Leiter des Gymnasiums am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern, missfallen nackte Bäuche und Jogginganzüge. Mit einem Elternbrief will er die Diskussion darüber anstoßen. Könnten Schuluniformen der Ausweg sein?

Da hat Pete Allmann etwas angerichtet, was er so gar nicht wollte. Das beteuert der Leiter des Bad Bergzaberner Gymnasiums. Er hat in einem Elternbrief die Mode der jungen Leute thematisiert. Er wollte nur eine Diskussion anstoßen, sagt er. Denn Jogginghosen bei den Jungs und bauchfrei bei den Mädels kommen bei ihm nicht gut an. Die RHEINPFALZ hat sich bei Südpfälzer Schulen umgehört, wie das dort gesehen wird. Und wir haben auch das Thema Schuluniform angesprochen.„In den vergangenen Monaten ist uns verstärkt aufgefallen, dass Schülerinnen und Schüler vermehrt in für uns unangemessener Kleidung zur Schule kommen.“ So steht es im jüngsten Elternbrief des Leiters des Gymnasiums am Alfred-Grosser-Schulzentrum. Die Sportkleidung, in der Regel schwarze Jogging- oder Trainingshose, gepaart mit weißen Turnschuhen, ist hipp. Auch bauchfreie Oberkörperbekleidung und allzuknappe Shorts bei den Mädchen im Sommer sind fast schon ein Muss.

Wogen bei Eltern und Schülern schlagen hoch

Allmanns Vorstoß, bei dem er sich auf die Schulordnung beruft, sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Die Wogen bei Eltern und Schülern schlugen hoch, machte doch gleich ein mögliches Verbot von zu legerer Kleidung in der Schülerschaft die Runde.. Schnell war das Stichwort Schuluniform mit dabei. „Ganz klar nein“, sagt Allmann der RHEINPFALZ. Es sei ihm aber offenbar gelungen, eine Diskussion anzustoßen. Er gehe aufgrund der Aufregung keinem Gespräch aus dem Weg. Im Gegenteil: „Ich besuche jeden Kurs und jede Klasse.“ Sein Elternbrief sei auch Thema in der Klassensprecherrunde gewesen. Im gehe es bei dem öffentlichen Raum Schule um Respekt und Anstand im Umgang miteinander. Am kommenden Mittwoch ist Elternbeiratssitzung. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ lehnt Allmann eine mögliche Schuluniform kategorisch ab: „In keiner Weise“, sagt er. Was es an anderen Schulen gebe, seien Pullis und T-Shirts mit dem Logo der Schule. Die zu tragen, sei freiwillig, wenn auch gerne gesehen, insbesondere dann, wenn es zu Auftritten mit öffentlichem Charakter komme.

Schüler in Edenkoben kleiden sich "anständig"

Schülersprecher Jannik Hölzmann war für die RHEINPFALZ nicht zu erreichen. Unterdessen macht Allmanns Elternbrief in der Südpfalz die Runde. Ulrich Erfort, Leiter des Gymnasiums Edenkoben, meint jedoch: „Das ist kein Thema bei uns.“ Gleichwohl fügt er schmunzelnd an, dass er sich in Bezug auf bauchfreie Oberbekleidung „sehr ungern überflüssiges Fleisch“ ansehe. Grundsätzlich zögen sich die Schüler in Edenkoben anständig an. Natürlich hätten sie ihre eigene Mode, aber die sei bisher nicht provozierend gewesen. Geachtet werde lediglich darauf, dass keine Kappen im Unterricht getragen werden. Schuluniformen lehnt auch Erfort ab. Es gelte Freiheit bei der Kleidung. Auch Jürgen Müller, Schulleiter im Pamina-Schulzentrum Herxheim, kennt Allmanns Elternbrief. Sicherlich gebe es beispielsweise bei der Kleidung von Mädchen „Elemente, die nicht gemäß sind“, also aufreizend. Müller stellt sich aber stets die Frage, ob ein Schulleiter berechtigt sei, in das Recht eines „Individuums einzugreifen“. Ein Hinweis sei in Ordnung, mehr sollte es aber auch nicht sein. Und dann noch ein Hinweis: Dass es in Deutschland – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – kaum Schuluniformen gebe, sei historisch bedingt: Stichwort Hitlerjugend, also die Gleichschaltung der Kinder.

Freiheit der Kleidung gelte auch für Schüler

Der Leiter des Trifels-Gymnasiums Annweiler, Stefan Jung, sieht das ganz pragmatisch: „Es gibt auch keine Kleiderordnung für Lehrer.“ Deshalb gelte die Freiheit der Kleidung auch für Schüler. Gleichwohl finde er „es sehr gut“, dass es seitens der Lehrer gegenüber den Schülern Rückmeldungen gebe. Mehr müsse es aber auch nicht sein. In Annweiler sei der aktuelle Modetrend mit Trainingsanzügen kein großes Thema. Zwar gebe es T- und Polo-Shirts der Schule, aber die Nachfrage seitens der Schülerschaft sei nicht gerade hoch. „Es ist halt so“, sagt Andreas Doll, Leiter des Landauer Otto-Hahn-Gymnasiums, über den derzeitigen Modetrend. Er persönlich mag es nicht: „Jogginghosen gehören in die Sporthalle“, auch Jeans mit Löchern mag er nicht leiden. Grundsätzlich ist er aber recht zufrieden mit dem Ist-Zustand, denn an seiner Schule „nimmt das nicht überhand“.

x