Landau
Sauberkeit und Sicherheit: Ist der Hauptbahnhof ein Schandfleck?
Ein Mann in orangener Warnweste schiebt einen Einkaufswagen über den Bahnsteig. Darin ein Wischmopp, Lappen, Putzmittel. Hinter ihm glänzen die Bänke und der Boden noch nass, die Mülleimer sind frisch abgewischt. Wenn es nach der Deutschen Bahn geht, soll das in Zukunft öfter passieren. Mit einem Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit sollen Bahnhöfe bundesweit aufgewertet werden, teilt das Unternehmen mit. 50 Millionen Euro zusätzlich, mehr Personal, schnellere Reparaturen, ein großer Frühjahrsputz an rund 1400 Bahn-Stationen. Auch Landau steht auf der Liste. Wie groß ist der Bedarf hier?
Na ja, wer in Landau den Bahnhof betritt, merkt doch sehr schnell: Das früher moderne Empfangsgebäude ist in die Jahre gekommen. Die große Halle ist meist leer, riecht muffig. Viele Pendler bleiben daher lieber draußen in der Kälte. Auf den Bahnsteigen liegen Zigarettenstummel, der Boden ist von Kaugummiflecken übersät. Schön ist anders. Trotzdem klingt kaum jemand wirklich unzufrieden. „Eigentlich ist es schon relativ sauber und sicher“, sagt eine Frau, die auf ihren Zug wartet. Nur die Zigaretten störten sie – schließlich sei der Bahnhof offiziell rauchfrei.
Was einen guten Bahnhof ausmacht
Martin Schröder vom Fahrgastverband Probahn sieht den Landauer Bahnhof ebenfalls nicht als Problemfall. Für ihn zählt bei Bahnhöfen vor allem Übersichtlichkeit. „Man sollte alles überblicken und sich gut orientieren können“, sagt er. Als abschreckendes Gegenbeispiel nennt er den Hauptbahnhof Ludwigshafen mit seinen zwei Ebenen. In Landau sei das deutlich einfacher.
Wichtiger als spektakuläre Architektur seien funktionierende Grundlagen: helle Beleuchtung, keine dunklen Winkel, Automaten, die nicht streiken, und Wartebereiche, die nicht im Windzug liegen, zählt Schröder auf. All das sei in Landau der Fall. Ein Negativbeispiel, das man in der näheren Umgebung findet: die Unterführung in Edenkoben. Der Tunnel unter den Gleisen ist dunkel, die Lampen sind zerbrochen, die Wände voller Graffiti. Müll liegt im Gebüsch verteilt. Es ist kein Ort, an dem man sich aufhalten will.
Auch bei der Kommunikation sieht Schröder Luft nach oben – etwa bei Verspätungen. „Bahnkunden sollten immer wissen, woran sie sind“, sagt er. Dass das nicht immer klappt, merkt jeder Pendler. Schröder kritisiert auch, dass bei der Sanierung des Landauer Bahnhofs die Fahrradrampe ersatzlos verschwunden sei. Die schmale Rinne an der Treppe sei „nicht praktikabel“, der Aufzug oft ausgelastet und damit ebenfalls keine gute Alternative. Die meisten Haltepunkte der Region seien aber insgesamt gut in Schuss, findet Schröder. Die zuständige Stelle in Kaiserslautern fahre die Strecken regelmäßig ab und nehme Hinweise auf.
Wie sicher ist der Bahnhof?
Funktionalität allein reicht nicht – Bahnhöfe sollen auch sicher sein. Dafür sind neben der Bahn und ihren Sicherheitsleuten zwei Behörden zuständig: die Landespolizei für den Vorplatz und den Busbahnhof, die Bundespolizei für die Gleise und Bahnsteige. Die Übergänge seien fließend, sagt die Landespolizei – und die Zusammenarbeit laufe gut. Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Fahrraddiebstähle seien die häufigsten Delikte. Man sei regelmäßig am Landauer Hauptbahnhof präsent, sagt die Polizei. Seit dem Umzug ins neue Dienstgebäude direkt nebenan führten viele Streifen ohnehin dort vorbei. „Und dann wissen die Kollegen auch, dass sie genau hinschauen, wer sich da aufhält.“
Auch die Bundespolizei sieht keinen Brennpunkt. „Der Bahnhof Landau stellt innerhalb der Bundespolizeiinspektion Kaiserslautern keinen Kriminalitätsschwerpunkt dar“, sagt die Behörde. Die Fallzahlen seien seit 2023 rückläufig. Streifen gebe es regelmäßig, in Uniform und in Zivil – und nicht nur, wenn etwas passiere. Videoüberwachung gibt es in Landau bisher nicht. Das liege im Ermessen der Bahn. In Sicherheitsrunden tausche sich die Bundespolizei immer wieder mit DB Sicherheit und dem Bahnhofsmanagement aus, bei größeren Veranstaltungen gebe es gemeinsame Streifen.
Was sich ändern soll
Polizeipräsenz und Sauberkeit sind jeweils relevante Bausteine des Sicherheitsgefühls. Dass auch der Zustand von Bahnhöfen dieses Gefühl negativ beeinflussen kann, hat eine Studie der Deutschen Bahn 2023 bestätigt. Das sogenannte Unordnungsphänomen beschreibt, wie Müll, Schmierereien oder auch Bettler das Gefühl verstärken, ein Ort sei unsicher – unabhängig davon, ob dort tatsächlich mehr passiert. Bahnhöfe haben ohnehin ein schlechtes Image, was den Effekt verstärkt.
Die Bahn will mit ihrem Sofortprogramm gegensteuern. Was das konkret für Landau bedeutet, steht noch nicht fest. Klar ist nur: Die Reinigungsintervalle sollen sich verkürzen, und der Bahnhof gehört zu den Stationen, die im Rahmen des Frühjahrsputzes besonders berücksichtigt werden sollen.
Der Mann mit der Warnweste ist inzwischen am Ende des Bahnsteigs angekommen. Schon am nächsten Tag wird wieder eine Zigarette auf dem Mülleimer ausgedrückt sein. Für das Verhalten einzelner Besucher kann die Bahn nichts – und viele Fahrgäste sehen den Bahnhof ohnehin pragmatisch. „Ich bin hier nur kurz, um umzusteigen“, sagt eine Passantin. „Solange der Zug kommt, ist alles gut.“