Landau / Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sanitätshaus Strack feiert 100. Geburtstag: Sechs Standorte in der Region

Das Sanitäthaus im Gründungsjahr 1923.
Das Sanitäthaus im Gründungsjahr 1923.

1923 als Ein-Mann-Betrieb gegründet, hat sich die Firma Strack zu einem der führenden Unternehmen für Sanitätsbedarf, Orthopädie- und Rehatechnik in der Region entwickelt. An sechs Standorten finden Kunden Unterstützung. Die Anfangsjahre waren jedoch von Schicksalsschlägen geprägt.

Seit 100 Jahren versorgt die Firma Strack Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, auf dem Weg der Genesung oder bei altersbedingten Beschwerden mit individuell angepassten Hilfsmitteln zur bestmöglichen Bewältigung des Alltags. Heute beschäftigt die Sanitätshäuser-Kette rund 70 Mitarbeitende an sechs Standorten – zweimal in Landau sowie je einmal in Neustadt, Speyer, Bad Dürkheim und Frankenthal.

Als Heinrich Strack im Oktober 1923 ein Geschäft in der Landauer Innenstadt erwarb und dieses in der Königstraße 14 zunächst als Ein-Mann-Betrieb führt, ahnte noch niemand, was bald auf die Welt zukommen würde: Der Krieg nahm den Familien die Männer. Auch der Sohn und der Schwiegersohn von Heinrich Strack fielen in Russland. Damit nicht genug, verstarb der Firmengründer selbst 1943 bei einem tragischen Motorradunfall: „Er verunglückte auf dem Weg nach Edenkoben, wo er eine Orthoprothese ausliefern wollte“, berichtet dessen Enkel Karl-Heinz Usinger und erinnert an den Schicksalsschlag: „Innerhalb von wenigen Monaten hatte die Familie drei Männer verloren. Mit einem nicht einmal ein Jahr alten Schreihals auf dem Arm, das war ich, mussten meine Großmutter und meine Mutter Anneliese Usinger das Geschäft verantwortlich übernehmen.“

Der Seniorchef blickt zurück

Im Sanitätshaus aufgewachsen und von Anfang an mit dem operativen Geschäft und den kaufmännischen Tätigkeiten vertraut, war der berufliche Weg von Karl-Heinz Usinger im großväterlichen Geschäft vorbestimmt. „Bereits mit 15 Jahren hatte ich ein bisschen die Finger drin“, blickt der heutige Seniorchef zurück und erinnert sich an eine seiner ersten Handlungen zum Wohle der Firma: Eines Tages sei ein Mitarbeiter ins Büro gekommen und habe mehr Lohn verlangt. „Arbeiten Sie dann auch mehr für mehr Geld?“, habe er ihn gefragt. Dieser habe geantwortet, dass er als Meister mehr wert sei. Doch nach dem entsprechenden Nachweis gefragt, habe er keine Urkunde vorweisen können. „Er wurde entlassen.“

Nach der Ausbildung zum Kaufmannsgehilfen im eigenen Geschäft folgte für Karl-Heinz Usinger die praktische Ausbildung bei einem namhaften Sanitätshaus in Karlsruhe. „Es ist wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen“, sagt der Geschäftsführer und betont, dass auch seine beiden Söhne die Ausbildung zum Orthopädietechnikmeister „auswärts“ absolviert hätten. Er selbst habe damals sehr davon profitiert, konnte er doch in renommierten Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen wie Langensteinbach Kunden mit Hilfsmitteln versorgen, die es in der Südpfalz noch nicht gab: „Rumpf-Orthesen zum Beispiel; an die Wirbelsäule hatte sich damals hier noch kein Arzt getraut.“ Für die mit Bestnoten bestandene Gesellenprüfung habe er einen Bonus in Höhe von 5000 D-Mark bekommen. „Das war mein Einstieg mit 24 Jahren als Teilhaber der Firma, die von 1966 an als Sanitätshaus Strack OHG geführt wurde.“

Von Zentrale in Landau wird alles gesteuert

Als großen Schritt in die Zukunft bezeichnet Karl-Heinz Usinger den Umzug vom zwischenzeitlichen Firmensitz in der Hainbachstraße in Landau in den großzügigen Neubau in der Max-Planck-Straße 14 im Gewerbegebiet am neuen Messeplatz. Dieser ist seit 2018 die Zentrale der Sanitätshäuser Strack GmbH. Hier lagern auf 1000 Quadratmetern ungezählte Rollstühle, Pflegebetten, Rollatoren und weitere Hilfsmittel. Hier finden Seminare zur Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden statt. Hier sitzen Verwaltungsfachleute, die sich um Kostenzusagen der Leistungsträger bemühen. Die Abrechnungen der ärztlichen Verordnungen mit sage und schreibe 122 Krankenkassen werden mittlerweile von einer externen Fachfirma erledigt.

In Landau findet man Strack heute an zwei Standorten: Neben dem Geschäft in den Innenstadt (Foto) gibt es die Zentrale im Gewerb
In Landau findet man Strack heute an zwei Standorten: Neben dem Geschäft in den Innenstadt (Foto) gibt es die Zentrale im Gewerbegebiet am neuen Messeplatz.

Zum Jahresende wird Karl-Heinz Usinger mit dann 81 Jahren endgültig in den Ruhestand treten. Über die Jahre habe sich technisch viel getan. „Neue Materialien wie Carbon machen Stützapparate oder Prothesen viel leichter als früher, als diese aus Holz gefertigt wurden.“ Auch das Material, aus dem zum Beispiel Stützstrümpfe hergestellt werden, sei heute viel komfortabler als früher. Auf was der Seniorchef mit Sorge blickt, ist die zunehmende Sparsamkeit der Krankenkassen, die den Kunden „lediglich pauschal genehmigt, was ausreichend und zweckmäßig ist“. Er bedauert: „Wirklich gute Versorgung können wir nur Kunden anbieten, die gut bei Kasse sind.“ Dennoch gibt er sich sicher, dass auch seine Nachfolger dem Motto des Firmengründers Heinrich Strack treu bleiben werden: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ Gerade hat der Seniorchef den Staffelstab an seine Söhne Jürgen und Michael Usinger weitergegeben. Und er freut sich, dass auch die fünfte Generation bereits auf dem Weg ist, den Familienbetrieb einmal weiterzuführen.

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