Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Salafist Pierre Vogel in Landau: Spur führt in die Box-Szene

Ex-Boxer Pierre Vogel (Bild von 2014) hat im Juni in Landau einen Vortrag gehalten.
Ex-Boxer Pierre Vogel (Bild von 2014) hat im Juni in Landau einen Vortrag gehalten.

Pierre Vogel ist eines der Aushängeschilder des deutschen Salafismus. Nun hat er Landau zu einem oder mehreren Vorträgen besucht. Die Spur führt in die Box-Szene.

In Landau passiert viel – und die Landauer sind auch viel gewohnt. Wir hatten in den vergangenen Jahren hier unter anderem Demos von Rechtsextremisten, Corona-Leugner oder auch Leute mit Schildern in der Fußgängerzone. Aber nicht alles, was in Landau passiert, ist öffentlich sichtbar. Manche Dinge passieren im Verborgenen und sollen dort wohl auch bleiben. Eines davon: Es scheint in Landau zumindest eine Gruppe von Menschen zu geben, die sich für Salafismus interessierten. Dafür spricht, dass der bundesweit bekannte Salafist Pierre Vogel, den einige Medien in den vergangenen Jahren als Hassprediger bezeichnet haben, die Südpfalzmetropole zu Vorträgen besucht hat.

Dieser Ausschnitt eines Youtube-Videos vom Kanal Habibiflo Dawah Produktion soll den Salafisten Pierre Vogel bei einem Vortrag i
Dieser Ausschnitt eines Youtube-Videos vom Kanal Habibiflo Dawah Produktion soll den Salafisten Pierre Vogel bei einem Vortrag in Landau am 8. Juni zeigen. Unklar ist unter anderem, wo Vogel den Vortrag gehalten hat.

Schaut man auf einen Vogel-nahen Youtube-Kanal, findet man ein Kurzvideo vom 8. Juni. Dort kündigt der 45-jährige Ex-Profiboxer einen Vortrag noch an jenem Abend in Landau an – allerdings ohne einen konkreten Ort oder eine Uhrzeit zu nennen. In einem am 11. Juni auf demselben Kanal veröffentlichten, knapp einminütigen Video ist angeblich ein Vortrag aus Landau zu sehen. Der Hintergrund ist durch einen Filter verwischt – der Ort ist nicht erkennbar. Es scheint sich um einen Raum mit rot gestrichenen Säulen zu handeln, in dem ein schwarzes Gewand an den hellen Wänden hängt. Zuhörer? Unklar – wohl eine niedrige zweistellige Anzahl von Personen. Eine davon ist identifizierbar – weil der Bart Vogels den automatischen Filter zu irritieren scheint. Der Salafist spricht im Video davon, dass der Ungerechte sich am Tag des jüngsten Gerichts „in die Hände“ beißen werde, weil er nicht den gerechten Weg eingeschlagen habe.

Verfassungsschutz weiß von Vortrag

Es gibt ein weiteres Video auf Youtube mit dem Titel „Vortrag in Landau“. Dabei handelt es sich um die Aufzeichnung eines Livestreams vom Kanal „Pierre Vogel“ vom 23. Juli. Völlig unklar bleibt, wo es aufgenommen wurde – im Hintergrund sind Blumen zu sehen. Wie mehrere Quellen unabhängig voneinander der RHEINPFALZ berichten, sollen Vogels Kontakte in die Südpfalz über die örtliche Boxszene zustandekommen.

Der Landesverfassungsschutz wisse von dem Vortrag in Landau, teilt das Landesinnenministerium auf Anfrage dazu mit. Aber: Man wolle sich nicht öffentlich zu Einzelheiten äußern. Der Verfassungsschutz beobachte salafistische Bestrebungen und Aktionen im Landesgebiet und werte diese entsprechend seines gesetzlichen Auftrags aus. Der Salafistenszene werden im Land derzeit 240 Menschen zugerechnet, so viele wie im Vorjahr. Wie viele davon in der Südpfalz leben oder aktiv sind, teile man nicht mit. Denn: Dadurch könnten Rückschlüsse auf Personen und Personengruppen sowie die Arbeitsweise des rheinland-pfälzischen Verfassungsschutzes gezogen werden, sagt der Sprecher des Innenministeriums. Zum Vergleich: Im Land gibt es laut Verfassungsschutzbericht 2022 rund 750 Rechtsextremisten (Vorjahr: 740), 950 Reichsbürger und Selbstverwalter (850), 500 Linksextremisten (520), 660 Islamisten (660) und 650 Angehörige extremistischer Bestrebungen mit Auslandsbezug.

Salafisten wollen Gottesstaat

Vogel, mittlerweile gefühlt eher ein Fall für die Rubrik „Was macht eigentlich“, hatte seinen Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem um die 2010er-Jahre herum. Laut Informationen des rheinland-pfälzischen Innenministeriums ist der 45-jährige Ex-Profiboxer seit 2006 in der deutschen Salafistenszene aktiv. Früher ist Vogel bundesweit regelmäßig bei Open-Air-Veranstaltungen aufgetreten, das habe er mittlerweile stark zugunsten nichtöffentlicher Veranstaltungen und seines Internetauftritts reduziert. Da er die Terrororganisation Islamischer Staat ablehnt, hat diese zu seiner Tötung aufgerufen.

Beim Salafismus handelt es sich laut Innenministerium um eine islamistische Ideologie, deren Verfechter einen „Gottesstaat“ anstreben. Dieser steht im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Aus diesem Grund ist der Verfassungsschutz für die Beobachtung zuständig. In Deutschland sei der Salafismus mittlerweile eine äußerst dynamische islamistische Strömung.

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