Südpfalz
RHEINPFALZ-Sorgentelefon: Kein Impfstoff – keine Termine
Am 6. Januar haben sich Heidi und Wilhelm Veit aus Annweiler online für einen Termin im Impfzentrum in Wörth registriert. „Das hat problemlos geklappt. Wir haben beide eine Bestätigungsmail mit der jeweiligen Vorgangsnummer erhalten“, berichtet Wilhelm Veit. Danach ist nichts mehr passiert. „Ich habe gedacht, dass man innerhalb von wenigen Tagen einen Brief mit dem Impftermin bekommen würde“, wundert sich Veit.
Dieselbe Erfahrung haben Nicole und Georg Zufall aus Wörth gemacht. Sie ist 83, er bereits 88. Beide haben sich sogar schon einen Tag früher als das Ehepaar Veit online registrieren lassen. Auch die Zufalls haben ihre Bestätigungsmail erhalten. „Dann haben wir nichts mehr gehört“, erzählt Nicole Zufall. Sie hofft, dass sie bald Nachricht erhalten. „Wir wohnen nicht weit weg vom Impfzentrum. Da können wir zu Fuß hinlaufen“, sagt die 83-Jährige.
Des Rätsels Lösung kennt Karl Heinz Bubach aus Mutterstadt. Er und seine Frau hätten sich am 7. Januar online für die Impfung angemeldet, teilt er per E-Mail mit. Auch ihm wurde bestätigt, dass er im Terminierungssystem erfasst sei. Danach herrschte Funkstille. Am Freitagmittag rief er die Hotline an. „Ich kam ohne Probleme durch“, schreibt Bubach. Von einem freundlichen Mann habe er erfahren, dass zurzeit keine Termine vergeben werden könnten, weil kein Impfstoff mehr vorhanden sei. „Das darf doch nicht wahr sein!“, ärgert sich Bubach.
Alle verfügbaren Termine vergeben
„Personen, die sich bereits erfolgreich registriert, jedoch noch keinen Termin erhalten haben, werden ab heute per E-Mail informiert“, teilt das Gesundheitsministerium am Freitagnachmittag auf Anfrage mit. Alle verfügbaren Termine bis Mitte Februar seien aktuell vergeben. „Bislang konnten rund 93.000 Termine für eine Impfung im Impfzentrum vergeben werden. Sobald wieder freie Termine zur Verfügung stehen, erhalten alle bereits registrierten Bürgerinnen und Bürger ohne weitere Aufforderung eine Mitteilung über den Termin per E-Mail und ebenfalls auf dem Postweg.“ Eine Terminregistrierung sei weiterhin möglich.
„Leider steht uns noch immer nur eine begrenzte Anzahl an Impfstoff zur Verfügung“, so das Ministerium weiter. Die Planung der Impfungen sei ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen, sich immer wieder ändernden Variablen. „Wir müssen dabei die Voraussetzungen und Bedürfnisse der mobilen Teams, der Krankenhäuser und der Impfzentren berücksichtigen, genau wie Transport- und Haltbarkeitsbedingungen und die geplanten Lieferungen der Impfstoffe sowie die dann tatsächlich erfolgten.“ Bis Ende Januar würden voraussichtlich 120.000 impfberechtigte Menschen der Gruppe mit der höchsten Priorität die Erstimpfung erhalten haben.
Müssen die Fahrer draußen warten?
„Dürfen die Fahrer in der ersten Halle warten oder müssen sie draußen bleiben?“, will Rita Torka von der Nachbarschaftshilfe „Das Netz der kleinen Hilfen“ aus Leimersheim wissen. Die Nachbarschaftshilfe chauffiert Senioren nach Wörth. Eine Begleitperson darf mit ins Impfzentrum, soweit es sich um eine Person aus demselben Haushalt wie der Impfling handelt. „Was ist wenn wir ein Paar nach Wörth bringen. Dürfen wir in den Wartebereich, wenn wir eine FFP2-Maske tragen?“, fragt Torka. Ja, das ist erlaubt. „Der Helfer darf drinnen warten“, bestätigt die Kreisverwaltung SÜW.
95 Jahre ist Hedwig Jäger aus Oberhausen alt. „Geistig bin ich topfit. Mein Hausarzt sagt immer, dass jemand in meinem Alter noch so fit sei, erlebe man selten“, sagt Jäger. Nur mit dem Laufen hat sie so ihre Probleme. Seit einem Jahr kann sie das Haus nicht mehr verlassen. „Ich habe drei Rollatoren, aber das Gehen fällt mir schwer.“ Einen Termin im Impfzentrum wahrzunehmen kommt für sie deshalb nicht infrage. „Ich warte darauf, bis mich mein Hausarzt impfen darf. Der verabreicht mir auch jedes Jahr meine Grippeschutzimpfung“, erzählt die 95-Jährige. Ungeduldig wird sie dabei nicht. „Ach was, mein Sohn kauft für mich ein, ansonsten habe ich wenig Kontakt, da bin ich sehr vorsichtig. So lange wie es mit der Impfung dauert, so lange dauert es halt“, sagt sie.
Keine Ausnahmen möglich
Gedulden muss sich auch Uwe Teuschel aus Insheim. Allerdings aus einem anderen Grund: Er ist erst 57 Jahre alt. „Mein Problem ist, dass ich schwer lungenkrank bin“, erzählt er. Er sei ganz gut mit Medikamenten eingestellt gewesen: „Mir ging es zwölf Monate ganz gut, dann hat sich ein mein Gesundheitszustand verschlechtert.“ Deshalb war er in dieser Woche zur Untersuchung in einer Spezialklinik in Heidelberg. „Da wurde mir gesagt, dass ich wahrscheinlich demnächst einen Lungentransplantation benötige.“ Teuschel hat kein Verständnis dafür, dass es für Menschen mit einem solch schweren Krankheitsbild keine Sonderregelung gibt. „Ich habe bei der Hotline angerufen und meinen Fall geschildert. Dort haben sie mir gesagt, dass sie zwar Verständnis für mein Anliegen hätten, aber Ausnahmen seien nicht möglich.“
Auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird die Bevölkerung in einer festen Reihenfolge geimpft. Dazu wurden sechs Kategorien eingeteilt. Alle Menschen im Alter von über 80 Jahren gehören zur ersten Gruppe – ihnen wird eine „sehr hohe Priorität“ zugeschrieben. Außerdem zählen zu dieser Gruppe Heimbewohner, Rettungsdienst, Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich sowie Beschäftigte in Notaufnahmen, Covid-19-Stationen und in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen, ebenso andere Beschäftigte in Pflegeheimen. „Dafür habe ich Verständnis“, sagt Teuschel, „nur muss man das wirklich so starr handhaben?“ Er befürchtet, dass er nach dem aktuellen Zeitplan erst im Sommer an der Reihe ist. „Ich würde die Impfung schon noch gerne erleben“, betont Teuschel.
Impftermin zu früh
Noch keinen Impftermin hat Ingeborg Klüpel aus Bornheim. Sie will warten, bis das Impfzentrum beim Messegelände in Landau seine Pforten öffnet. Wörth ist ihr zu weit weg, deshalb freut sie sich, dass es bald ein Impfzentrum in Landau gibt. Allerdings hält sie den Standort nicht für ideal. „Warum macht man das nicht im Kaufhof-Gebäude? Das ist mitten in der Stadt. Außerdem ist dort gegenüber der Busbahnhof, das wäre doch optimal“, meint Klüpel.
Der Standort Wörth sagt auch Robert Ullrich aus Venningen nicht wirklich zu. Aber einen Termin hat er dort schon, nur will er den wieder loswerden. „Am 4. Januar habe ich online darum gebeten, mir Impftermine zuzuweisen. Relativ schnell habe ich per E-Mail die beiden Impftermine am 19. Januar um 8.45 Uhr und am 6. Februar um 8.15 Uhr zugewiesen bekommen. Den ganzen Wortlaut habe ich dann nochmals auf dem Postwege erhalten“, teilt Ullrich der Redaktion mit. So weit, so gut. Gegen diese Impftermine will Ullrich aber angehen, weil er sie nicht einhalten könne. „Als Gründe habe ich angegeben, dass diese Termine für mich zu früh sind. Ich müsste selbst um 7 Uhr mit dem Auto losfahren, weil ich niemand habe, der mich um diese Zeit fahren könnte. Da ich eine schwerbehinderte, pflegebedürftige Frau habe und selbst durch eine Krebserkrankung angeschlagen bin, habe ich im entsprechenden Formular angekreuzt, mir Termine nachmittags ab 12 Uhr zu geben“, schreibt Ullrich. Dies wurde aber nicht berücksichtigt. „Außerdem sollte man eine Viertelstunde Stunde früher in Wörth anwesend sein. Wer die A 65 kennt, der weiß um den Verkehr und die Staus in Richtung Karlsruhe am Morgen“, betont Ullrich. Er habe daher mehrmals online versucht, die frühen Termine abzusagen und gebeten, diese an Bürger zu vergeben, die unmittelbar in und um Wörth wohnen. „Ich wohne in Venningen, also im Randbereich, der 40 Kilometer weit vom Impfzentrum entfernt ist.“ Leider sei er online bisher nicht durchgekommen.
Lob für Organisation im Impfzentrum
Sieben Tage lang hat sich die RHEINPFALZ-Redaktion die Sorgen der Leser rund ums Impfen am Telefon angehört. Alle Fragen wurden so gut wie möglich beantwortet. Es gab viel Kritik am Standort des Impfzentrums im Wörther Hafen, aber auch an der Terminvergabe. Vor allem die Impf-Hotline des Landes hat viele Bürger verärgert, schlicht und einfach, weil sie auch nach unzähligen Versuchen nicht durchgekommen sind.
Aber es gibt auch positive Erfahrungen, etwa die von Hans Jürgen Croissant aus München. Die ausführliche und informative Berichterstattung über das Impfzentrum in Wörth und das ganze Drumherum habe ihm sehr geholfen, „da ich meine betagten und mega-ängstlichen Eltern so schnell wie möglich auf die Impfliste bringen wollte“. Croissants Eltern leben in Annweiler. Gleich zum Start am Montag vergangener Woche versuchte er um 8 Uhr seine Eltern online anzumelden. „Das war in der Tat eine Katastrophe“, schreibt Croissant. Das Telefon hatte er von vornherein „als komplett aussichtsloses Buchungstool“ ausgeschlossen. Die Website sei über eine Stunde lang immer wieder abgestürzt. „Ich musste viele Male den gleichen Käse eintragen.“ Und das für Mutter und Vater getrennt. „Meine größte Sorge war daher, dass die beiden, 84 und 81 Jahre alt, von Annweiler bis zu viermal nach Wörth fahren müssten.“ Der ganze Papierkram sei schneller per Post in Annweiler gewesen als bei ihm per E-Mail. „Das kostete mich viele Telefonate und Teamviewer-Sitzungen mit meinem Dad, dem ich am Telefon die Dokumente erläuterte und dann per Laptop-Fernsteuerung auf Google-Maps gezeigt habe, wie er in die Mobilstraße kommt. Soweit, so schlecht – für alte Menschen unmöglich alleine machbar und bar jeder Lebensrealität. Da war ich echt sauer!“, so Croissant.
Doch dann wurden die Dinge rasch besser: „Meine Eltern erhielten Ende letzter Woche ihre Termine im 15-Minuten-Abstand – da hat jemand mitgedacht! Und bereits eine gute Woche nach der Anmeldung, wurden meine Eltern erstmals geimpft.“ In der RHEINPFALZ hatte Croissant am Morgen noch gelesen, dass alles gut ausgeschildert sei. „Diese Info habe ich gerade noch vor der Abfahrt schnell nach Annweiler durchtelefoniert.“ Am Nachmittag teilte ihm sein Vater sein Fazit mit: „Es war alles riesig. Der Parkplatz ist größer als ein Fußballplatz. Alles ist perfekt organisiert, die Leute sind super nett und hilfsbereit, und in einer guten Stunde war alles vorbei.“