Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Regenmassen bringen Südpfalz aus dem Takt

Bei Edenkoben stand auch die K6 unter Wasser.
Bei Edenkoben stand auch die K6 unter Wasser.

Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller, vielerorts Verkehrschaos – der Starkregen in der Nacht auf Donnerstag hat in der Region deutliche Spuren hinterlassen. Die A65 ist einige Stunden gesperrt. Und ein Feuerwehrmann macht sich mit Blick auf die Wettervorhersage sehr große Sorgen.

Es ist der Morgen nach dieser heftigen Starkregennacht, die nicht nur zahlreiche Feuerwehrleute in der Südpfalz beschäftigt hat und den Tag über beschäftigen wird. Annette Kirschthaler hat gerade ihre Enkelin in Lachen-Speyerdorf zur Kita gebracht, wo ihre Tochter lebt. Sie war als Babysitterin zu Gast, ohne Oma geht eben nichts. Doch jetzt muss Oma nach Hause. Sie steigt in ihr Auto und fährt auf die A65 in Richtung Heimat, alles gut. Doch nach der Anschlussstelle Edenkoben ist nicht mehr alles gut. Plötzlich, so erzählt es Kirschthaler, geht nichts mehr. Stau. Kein Zentimeter Bewegung. „Ich hatte kein Radio an, wusste erst gar nicht, was da los ist“, sagt die Südpfälzerin. Ihr wird aber fix klar: Das könnte länger dauern.

Was Kirschthaler zu diesem Zeitpunkt aber nicht weiß: Der Queichheimer Trog, die Autobahnunterführung an der Anschlussstelle Landau-Zentrum, ist wegen der heftigen Regenfälle in der Nacht auf Donnerstag und eines Dammbruchs des nahen Birnbachs vollgelaufen. Zwar sind Pumpen in der Betonkonstruktion eingebaut, die in genau solchen Fällen das Wasser abtransportieren sollen. Doch die sind schlicht überfordert mit den Wassermengen, wie Stadtfeuerwehrinspekteur Dirk Hargesheimer berichtet. Deshalb wird die A65 in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Und deshalb herrscht auf der Autobahn Stillstand.

„Es hat sich nichts bewegt“

„Einige Leute sind irgendwann aus ihren Fahrzeugen ausgestiegen und auf der Fahrbahn herumgelaufen. Es hat sich ja nichts mehr bewegt“, sagt Annette Kirschthaler. Auch sie habe sich die Füße vertreten und sei mit anderen staugeplagten Fahrern ins Gespräch gekommen. „Ich fand es einfach schön, dass die meisten Leute das alles sehr gelassen genommen haben.“ Leid getan hätten ihr allerdings die Lastwagenfahrer, die ja immer unter Zeitdruck stehen.

Die Vollsperrung der A65 sorgt auf zahlreichen Straßen der Region für Chaos, weil der Verkehr von der Autobahn über Land geführt wird. Landau wirkt bis in die späten Nachmittagsstunden hinein stellenweise wie das Zentrum Frankfurts im Feierabendverkehr – Stoßstange an Stoßstange. Aber auch durch Offenbach schieben sich Blechlawinen, Lastwagen tasten sich vorsichtig durch die engen Straßen. Und natürlich staut es sich auch auf der B10, weil auf der A65 nichts mehr geht. Alles hängt eben mit allem zusammen.

Durch die Wassermassen

Dann bewegt sich kurz etwas auf der Autobahn, und Annette Kirschthaler springt schnell in ihren Wagen. Als sie mit ihrem VW Touran auf den Queichheimer Trog zufährt, der wirkt wie eine überdimensionierte Badewanne, wird ihr mulmig. Ob ihr Auto es schafft, dort hindurchzufahren? „Rettungskräfte haben die Fahrer gelotst. Ein Mann hat mir gesagt, ich solle auf keinen Fall schalten, einfach immer Gas geben“, berichtet Kirschthaler. Und tatsächlich kommt die Frau nach geschlagenen dreieinhalb Stunden trockenen Fußes daheim in Mörlheim an. Alles gut.

Bis allerdings wieder alles gut ist in der Region, das wird womöglich noch ein paar Tage dauern. Am frühen Donnerstagmorgen hat es nicht nur in Landau heftige Regenfälle gegeben. In Edenkoben wird beispielsweise die Unterführung der K6 zwischen den beiden Kreiseln an den Ortseingängen von Maikammer beziehungsweise Venningen kommend geflutet. Mitarbeiter der Straßenmeisterei müssen das Wasser abpumpen. Die Sperrung dauert einige Stunden, es kommt zu Behinderungen. An der Landstraße zwischen Edenkoben und Maikammer ist derweil ein Hang abgerutscht. Der andauernde Regen hat den Boden so stark aufgeweicht, dass er stellenweise die Konsistenz eines Vanillepuddings hat. Polizeibeamte müssen die Fahrbahn mit Schaufeln vom Dreck befreien. Der Verkehr wird allerdings nur leicht gestört.

Wasser auch in Häusern

Viel größere Probleme gibt es in der Nacht in den Verbandsgemeinden Herxheim und Landau-Land, wie Kreisfeuerwehrinspekteur Jens Thiele berichtet. In Siebeldingen steht eine Straße für längere Zeit 20 Zentimeter unter Wasser, das dann auch in die Häuser läuft. In Herxheim fließen Wassermassen in die Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses.

Ein besonderer Einsatz ereignet sich, so erzählt es Thiele, auf der Abfalldeponie in Ingenheim. Wasser ist in eine Baugrube gelaufen, und zwar so viel, dass die Gefahr besteht, dass dieses ins benachbarte Klärbecken weiterfließen und das zum Überlaufen bringen könnte. Feuerwehrleute pumpen das Wasser ab. Sie können das Schlimmste verhindern. „Die aktuelle Situation macht mir schon große Sorgen, denn in den vergangenen Tagen hat es immer wieder Starkregen gegeben. In dieser Form ist das neu“, sagt Thiele. Die Böden seien einfach vollgesogen, könnten kein Wasser mehr aufnehmen. „Deshalb müssen wir auf eine Regenpause hoffen.“ Aber die Wettervorhersage deute weiterhin auf eine unbeständige Lage hin, sagt der Kreisfeuerwehrinspekteur.

Mann wird in München nass

Annette Kirschthalers Mann Harald hört von der Odyssee seiner Frau erst ausführlich, als sie daheim angekommen ist. Er hat am Abend zuvor bereits heftige Regenfälle erlebt, und zwar in der Allianz-Arena in München. „Ich hatte Karten für das EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn. In der ersten Halbzeit hat es so heftig geregnet, dass wir kurz unserer Plätze verlassen mussten“, erzählt der Mörlheimer. Von dem Regenchaos in der Heimat habe er auf der Rückfahrt von München im Zug noch nichts mitbekommen. „Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass meine Frau von Lachen-Speyerdorf nach Mörlheim genau so lange braucht wie ich von München nach Mörlheim.“

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