Landau Rebenfeind Regen

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Den sonnenhungrigen Eiscafé-Besuchern macht der Dauerregen zwar auch zu schaffen, für Winzer wird die ständige Feuchtigkeit allerdings zum ernsthaften Problem. Fahrzeuge bleiben im Schlamm stecken und Weinberge sind vom falschen Mehltau befallen. Doch der Regen hat auch gute Seiten.

Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband hat eine gnädige Diagnose für das nasse Wetter in der Südpfalz: Immerhin sei nichts Festes vom Himmel gekommen. Damit spielt er auf die Vorderpfalz an, in der es nicht nur geregnet, sondern auch gehagelt hat. „Und da stehen jetzt noch die Äcker unter Wasser.“ Doch es braucht in Landau keinen Hagel, schon der Regen richtet reichlich Schäden an. „Es herrschen die perfekten Bedingungen für den falschen Mehltau“, erklärt Köhr – der Pilz befällt die Weinreben und bedroht so die Traubenernte. Die Pflanzen mit Schutzmittel zu behandeln, gestalte sich sehr schwierig, sagt Winzer Norbert Bauer aus Nußdorf. Der Regen wasche das Mittel direkt wieder weg. So müsse beispielsweise abends und nachts gespritzt oder auf einzelne trockene Tage gewartet werden. Einige seiner Böden seien gar nicht erst befahrbar, die Gefahr steckenzubleiben zu groß. Probleme mit dem Pflanzenschutzmittel sind für Klaus Rummel kein Thema, weil er es als Biowinzer nicht spritzt. Seine Trauben sind dem falschen Mehltau schutzlos ausgeliefert. 50 Prozent seines Bestands sind von dem Pilz befallen – nur 50 Prozent, findet Rummel. Was ihn so gelassen macht, nennt er „Risikosplitting“. Statt ausschließlich auf Rebsorten wie Riesling, Weiß- und Spätburgunder zu setzen, habe er unpopuläre Sorten gepflanzt, die widerstandsfähiger seien, sagt er. „Mehr Resistenz in die Reben reinkreuzen“ ist seine Devise. Vor 30 Jahren habe er damit angefangen, um die Pflanzen fit für die Umwelt zu machen. Außerdem hat für Rummel der Regen auch etwas Gutes: „So einen schönen Bestand im Vorblütenbereich hatten wir seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagt er. Denn während sich die Blüten schwertun, sprießt und wächst das Grün. Das merkt auch Volker Thomas. Weil bei seinen Kunden Rasen und Hecken wuchern, hat der Landschaftsgärtner reichlich Aufträge zum Mähen und Schneiden. Dass ihn der Regen aber auch dazu zwingt, Rollrasen-Aufträge abzusagen, kann er verkraften, sie nähmen keinen großen Teil seiner Arbeit ein; die entscheidenden Geschäftsbereiche habe er vor drei Jahren bewusst in die Wetterunabhängigkeit verlagert, sagt er. Zu oft habe ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also mäht und schneidet er heute statt wie früher Pflanzen anzubauen. Biowinzer Klaus Rummel hat für alle mit Sonnen-Sehnsucht eine beruhigende Vorhersage: „Jetzt waren acht Wochen Regen, dann kommen zwei Monate Sonnenschein.“ Wie sich das anfühlen könnte, konnten die Public-Viewing-Gäste auf dem Neuen Messplatz beim Spiel Deutschland gegen Polen am Donnerstag erahnen. Pünktlich zum Anpfiff hielt der Nieselregen den Atem an und machte Platz für Sonnenschein und Regenbogen. So blieb die Stimmung trotz unspektakulärem 0:0 ungetrübt. |yah

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