Landau
Queichhambach-Variante fließt in B-10-Ausbau-Planung für Tunnelstrecke ein
Der B-10-Ausbau kommt immer weiter auf das Nadelöhr Annweiler zu. Für die Tunnelstrecke wird derzeit nach einer Lösung gesucht. Am Donnerstag gab das Verkehrsministerium bekannt, neben den bisherigen vier möglichen Hauptstrecken zwei weitere Varianten zu prüfen. Unter anderem eine, die die Interessensgemeinschaft Queichhambach/Gräfenhausen ins Spiel gebracht hat und die die beiden Ortsbeiräte einstimmig legitimiert hatten. Der IG-Sprecher ist erfreut über die Entwicklung, gibt sich auf RHEINPFALZ-Nachfrage aber wenig beeindruckt: „Dass es so schnell geht, hat mich überrascht. Aber dass es kommen würde, war für mich klar“, sagt Ernst Gerber, der auch stellvertretender Ortsvorsteher von Queichhambach ist.
Seit drei Jahren hätten sie Vorbereitungen getroffen und überallhin Kontakte gepflegt – zum Verkehrsministerium, nach Pirmasens, zu den kommunalen Spitzen vor Ort. Ihrem Positionspapier„Wenn schon B-10-Ausbau, dann die Tunnel zuerst“ von 2017 hätten sich auch andere Anrainer-Kommunen angeschlossen. Mitte November 2019 sei der Planungsvorschlag aus Queichhambach in Speyer eingetroffen, berichtet Martin Schafft, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM).
Vorschlag aus Queichhambach habe „gewissen Charme“
Der LBM plant, die Anschlussstelle Queichhambach über eine Zwei-Kreisel-Lösung kreuzungsfrei zu machen. Für den Tunnelabschnitt zwischen Annweiler-Ost und Wellbachtal gibt es vier Haupt- und vier Nebenvarianten. Sie reichen von einem Paralleltunnel über einen zwei- oder vierstreifigen Basistunnel bis zu einer großräumigen Umfahrung Annweilers. Die Kosten liegen zwischen 213 und 374 Millionen Euro. Favorit des LBM sind Tunnel parallel zu der bisherigen Tunnelstrecke. Der Verkehr Richtung Landau würde durch die alten Tunnel geführt, der Verkehr Richtung Pirmasens durch die neu gebauten. An der Anschlussstelle Annweiler-West soll ein Riesen-Kreisel mit 100 Metern Durchmesser alle Verkehrsarme aufnehmen. Über das Gräfenhausener Tal bei Rinnthal soll ein Tunnel führen, um den Ort von Lärm zu entlasten. Die Kosten für diese Vorzugsvariante würden bei 275 Millionen Euro liegen.
Die Annweilerer Ortsgemeinden hatten dagegen vorgeschlagen, statt einer Zwei-Kreisel-Lösung für die Anschlussstelle Queichhambach nur einen Kreisel zu bauen. Danach soll die B 10 in einen überdachten Trog abtauchen, um von dort direkt in einen zweiröhrigen Basistunnel bis zum Wellbachtal geführt zu werden, der sowohl den Verkehr Richtung Pirmasens als auch den Richtung Landau aufnimmt. Der regionale Verkehr nach Annweiler und auf die B 48 den Richtung Bad Bergzabern soll über die bisherige B 10 gelenkt werden. Diese Variante würde den „Monster-Kreisel“ bei Annweiler-West obsolet machen, der nach Gerbers Worten ein „No-Go“ sei. Zudem könnte so das Landschaftsbild rund um die Trifelsstadt erhalten bleiben. Nach ersten Schätzungen geht er von 200 bis 220 Millionen Euro an Kosten aus. Die Variante hätte „einen gewissen Charme“. Mit diesen Worten zitiert Gerber LBM-Chef Schafft bei der Vorstellung des Vorschlags aus Queichhambach.
Bürgervorschläge in B-10-Planung eingeflossen
„Wir wollen Straßen bauen, die von den Bürgern akzeptiert werden und suchen deshalb früh den Dialog“, sagte am Donnerstag Verkehrsstaatssekretär Andy Becht (FDP). Deshalb seien nun Anregungen und Ideen der Kommunen und Bürger in die Planungen eingeflossen.
Der LBM hat aber auch noch eine eigene weitere Variante entwickelt, die nun ebenfalls im Raumordnungsverfahren geprüft werden wird. Sie geht von einem zweistreifigen Basistunnel im Norden der bisherigen B 10 aus. Der Basistunnel würde also einen Richtungsverkehr aufnehmen, die bisherige B-10-Strecke den in die andere Richtung. Nachteil: Die B 48 wäre nur in eine Richtung direkt angebunden. Um die Lärmbelastung für die Anrainerkommunen zu minimieren, schlägt der LBM vor, den Basistunnel um rund 650 Meter zu verlängern und die Bundesstraße etwa bis auf Höhe Queichhambach tieferzulegen – allerdings ohne Dach wie bei der Queichhambach-Variante. Davon hält Gerber allerdings nichts. „Wir würden uns nie darauf einlassen“, kommentiert er.
„Billigste Lösung muss nicht beste sein“
Laut LBM-Chef Schafft liegen für die beiden neuen Vorschläge noch keine Kostenschätzungen vor. Diese würden nun aber „mit Hochdruck ermittelt“. Staatssekretär Becht erklärt, dass im anstehenden Raumordnungsverfahren alle Vor- und Nachteile abgewogen würden. Er betont: „Die billigste Variante muss nicht automatisch die beste sein.“ Der LBM ging bei seinen im November vorgeschlagenen vierspurigen Basistunnel-Lösungen von Kosten von über 300 Millionen Euro aus. Ob der Bund als Baulastträger für diese „Luxusvariante“ Geld gibt, sei fraglich. Gerber machte schon mal deutlich, dass die Anrainergemeinden weiter für ihre Lösung kämpfen wollen.