Landau Pompös war gestern

Bei der Hochzeitsmesse „Trauzeit“ dreht sich in der Landauer Festhalle morgen von 10 bis 18 Uhr alles um den angeblich schönsten Tag im Leben. Über 40 Aussteller zeigen vom Brautschleier bis hin zur Pyrotechnik alles, was die Feier unvergesslich machen soll. Präsentiert werden auch Hochzeitstorten – als Attrappen, dafür aber mit echten Kostpröbchen. Wir haben uns in Fachkreisen umgehört, welche Hochzeitstorten im Trend liegen.
Sie gehört zweifellos zur Königsdisziplin kreativer Konditorenkunst. Eine mehrstöckige süße Versuchung, die nach großer Liebe schmeckt und als Blickfang auf der Hochzeitstafel steht – das ist die Hochzeitstorte. Konditormeister Hans Ruckstuhl vom Landauer Café Oswald kreiert schon seit fast 40 Jahren solche Torten. „Früher war alles mit Schokolade überzogen, jetzt wollen alle weiß“, stellt er fest. Das bestätigt auch Konditormeister Stefan Julier von der Landauer Bäckerei Julier. Die meisten Brautpaare entschieden sich für die „klassisch runde Form“ und drei direkt übereinandergesetzte Torten. Überzogen werde das Ganze meist mit weißer Fondantglasur. „Süßes Marzipan ist eher rückläufig“, weiß Julier aus Erfahrung. Selten gefragt seien „pompöse Hochzeitstorten“, beschreibt Konditormeister René Rebmann, der auf der Messe „Trauzeit“ ausstellt, seine Erfahrungen. In Leinsweiler betreibt er die Rebmann-Manufaktur und in Bad Bergzabern Das Café. „Die Torten, die wir fertigen, sind meistens schlicht und in Weiß gehalten“, so Rebmann. Und: „Die Füllungen gehen weg von der schweren Buttercreme“ und hin zur Sahne-, Quark- oder Joghurtfüllung. Dreistöckig, rund und direkt übereinander seien die meisten Gebilde, bestätigt er die Erfahrung Juliers. Aber auch quadratische und rechteckige Hochzeitstorten seien schon gewünscht worden. Ausgefallene Ideen setzt er gerne um. „Wir hatten mal eine Hochzeitstorte in Zylinderform für einen Schornsteinfeger und eine, die aussah wie ein Kochhut“, erzählt Rebmann. Oder als Anspielung auf den Beruf des Brautpaars eine Verzierung mit Kamm und Schere aus Marzipan. Oft kämen Brautleute mit Hochzeitstorten-Fotos aus dem Internet zu ihm, doch da klafften Bild und Realität auseinander. Dieses Problem kennt Konditormeister Markus Koppenhöfer von Das Café in Bad Bergzabern nur allzu gut. „Was Sie auf den Internetfotos nicht sehen, ist, dass sich innen ein Gerüst verbirgt und außenrum haben Sie fünf Zentimeter Tortencreme.“ Styropor lasse sich „so hoch stapeln wie Sie wollen, aber bei echten Sahnetorten sind da natürliche Grenzen gesetzt“, meint Rebmann. Meist gewünschte Dekors seien echte Rosenbouquets. Machbar, wenn auch weniger gefragt, sei auch das Foto des Brautpaars auf Zuckerpapier. Denn, so Rebmann, viele Brautpaare sagten zu ihm: „Ich schneide mich nicht gerne selbst an auf meiner Hochzeit.“ Verständlich. Geändert hat sich das Aussehen der obligatorischen Figuren. Kaum jemand möchte heute noch eine Hochzeitskutsche aus Plastik. Gefragt seien etwa „stylishe, silberfarbene Figuren, hoch und schlank“, so Koppenhöfer. Auf der Messe werde er eine Bilderauswahl mit Motiven dabei haben, darunter auch Figuren, die gleichgeschlechtliche Paare symbolisieren. „Zum Beispiel zwei Damen, beide im Kleid, oder zwei Männer, einer im dunklen, einer im cremefarbenen Anzug. Oder auch ganz leger in Hemd und Shorts.“ Erlaubt ist, was gefällt. Gerade beim „schönsten Tag im Leben“.