Landau
Pfarrei hat Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt
Der Auftrag kam von oben: Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Diözesen aufgefordert, Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt zu erarbeiten – ein Auftrag, der auch an die einzelnen Pfarrgemeinden weitergereicht worden ist. Die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Landau war die erste im Bistum Speyer, die dies umgesetzt hat, berichten Dekan Axel Brecht und Sozialreferentin Susanne Poerschke. Sie ist die Präventionsbeauftrage der Pfarrei.
„Es geht um eine Grundhaltung“, betont Poerschke – also nicht nur um Vorbeugung gegen sexualisierte Gewalt, sondern generell um einen guten Umgang miteinander, mit Rücksicht, Wertschätzung und Achtsamkeit. Und es geht auch nicht nur um den Schutz von Kindern und Jugendlichen, sondern auch um schutzbedürftige Erwachsene, wie zum Beispiel Senioren oder Menschen mit Behinderungen, wenngleich der Schwerpunkt bei den jungen Gemeindegliedern liegt, bei Messdienern, Pfadfindern, Erstkommunion-Kindern, Firmlingen, Kinder- und Jugendchören, Sternsingern, Teilnehmern an Sommerfreizeiten – wegen der Übernachtungen ein besonders heikles Format – und denen, die Jugendgottesdienste mitgestalten oder besuchen.
Schilder als stete Mahnung
Öffentlicher Ausdruck des Schutzkonzepts mit dem Untertitel „Prävention braucht einen Plan“ sind Tafeln „Sicherer Raum Kirche – Kein Raum für Missbrauch“ für alle Veranstaltungsstätten der Pfarrei. Sie sind eine stete Mahnung für all diejenigen, die meinen, das Thema gehe sie nichts an. Die Tafeln nennen vor dem Hintergrund der Marienkirchen-Türme Ansprechpartnerinnen, falls das Unsagbare doch passieren sollte: Poerschke als Präventionsbeauftragte der Großpfarrei und Dorothea Küppers-Lehmann als unabhängige Missbrauchsbeauftragte des Bistums. Und sie postulieren ein paar Regeln zum Umgang miteinander, zu denen beispielsweise auch der Schlüsselsatz gehört: „Wir beziehen gegen abwertendes, diskriminierendes, gewalttätiges und sexistisches verbales und nonverbales Verhalten aktiv Stellung.“ Denn Sprache ist der Anfang von allem.
Personal, auch ehrenamtlichem, wird bereits in Vorstellungs- gesprächen oder bei der Übernahme in ein Ehrenamt, in Mitarbeiterjahresgesprächen und in der Aus- und Fortbildung vermittelt, wie wichtig der Pfarrei das Thema ist. Das Handwerkszeug gibt es in Schulungen, die Teilnahme daran wird dokumentiert. Erweiterte Führungszeugnisse und eine Selbstauskunftserklärung werden von allen haupt-, neben- und ehrenamtlich Tätigen verlangt. Das alles ist auch keine Einbahnstraße: Laut Poerschke dient das Schutzkonzept auch dem Selbstschutz. Es hilft dabei, gar nicht erst in Situationen zu gelangen, die falsch verstanden werden könnten.
Kinder wollen mehr Licht
Zum Erstellen des Konzeptes waren Fragebögen für alle in der Pfarrei tätigen Gruppen und für Kinder und Jugendliche erstellt worden. Letztere wurden beispielsweise danach befragt, ob sie mitreden und mitentscheiden können, ob sie sich wohl und sicher fühlen, aber auch, ob sie schon einmal unangenehme Situationen erlebt haben. Nur eine kleine, aber nicht unwichtige Folge daraus war, dass beispielsweise Toilettenanlagen in Gemeindehäusern besser ausgeleuchtet und das Licht mit Bewegungsmeldern eingeschaltet wird.
Wie man in der Pfarrei miteinander umgehen will, regelt ein Verhaltenskodex mit mehreren Abschnitten, zu dem alle, die sich in die kirchliche Arbeit einbringen wollen, ihre Zustimmung mit Unterschrift erklären müssen. Zu den Regeln gehört beispielsweise, Ironie und Zweideutigkeiten zu vermeiden, Distanz zu wahren, für Transparenz zu sorgen, Türen zu Veranstaltungsorten offen zu halten, keine besonderen Freundschaften oder Exklusivkontakte zu einzelnen Kindern und Jugendlichen einzugehen, körperliche Berührungen weitestgehend auszuschließen, mit Geschenken und Belohnungen sehr zurückhaltend zu sein, beim Medienkonsum vorsichtig zu sein und auf Dinge wie das Recht am eigenen Bild zu achten und eventuell auftauchende Probleme offen zu thematisieren.
„Kindern muss geglaubt werden“
Wie Brecht sagt, will die Gemeinde nichts dem Zufall überlassen, sondern Strukturen schaffen, die Missbrauch verhindern und, wenn es doch einmal Beschwerden geben sollte, sicherstellen, dass ihnen in einem geordneten Verfahren nachgegangen wird. „Es darf nicht sein, dass Kinder sich mehrfach melden müssen, dass ihnen nicht geglaubt wird“, sagt der Dekan. Deshalb listet das Schutzkonzept auch alle Stellen auf, an die sich Betroffene wenden können.