Landau Pfälzer Sandstein und italienischer Marmor
Auf dem Gelände der Kläranlage Mechtersheim hörte man am Wochenende schon von weitem, dass hier schwer gearbeitet wird: Der Kunst- und Kulturverein (KuK) Römerberg hat vier Tage lang einen Bildhauerkurs angeboten. Aus Pfälzer Sandstein, italienischem Marmor und Kalkstein entstehen allerlei Tiere und Büsten.
Staubwolken hüllen die in Arbeitskleidung steckenden Gestalten und ihre Werkstücke ein, der Lärm kommt vor allem von den elektrischen Drucklufthammermeißeln. An fünf der insgesamt zehn Arbeitsplätze wird mit elektrischem Gerät gearbeitet, im Hintergrund stehen drei Kompressoren. Die anderen bearbeiten den Stein auf herkömmliche Art mechanisch mit Fäusteln und Knüpfeln – das sind hölzerne Hammer – und mit den verschiedenen Meißeln. In den Latzhosen, Schutzhelmen und Ohrenschützern stecken meist Frauen. Immerhin acht der zehn Teilnehmer sind weiblich. „Das entspricht durchaus dem Trend“, sagt der junge Berliner Bildhauer Florian Bruske, einer der beiden Dozenten des Kurses. Der andere ist Antje Reeb vom Kunst- und Kulturverein – wieder eine Frau. Bruske ist in Florenz aufgewachsen, hat dort seine Ausbildung gemacht und hält auch Kurse in der Toskana. Im Winter zeigte er eine Ausstellung im Zehnthaus in Berghausen. Regelmäßig rund 70 Prozent der Workshop-Teilnehmer seien Frauen, schätzt der Künstler. Wieso ist das Interesse an dieser staubigen und körperlich kräftezehrenden Kunstform so groß? „Meiner Meinung nach liegt es an der künstlerischen Sensibilität von Frauen, aber auch daran, dass die Arbeit mit den moderneren Werkzeugen, insbesondere den Druckluftgeräten, heute nicht mehr so anstrengend ist. Im Prinzip sind es immer noch dieselben Werkzeuge wie im Mittelalter, nur sind die Materialien wesentlich verbessert, und es kommen die Druckluftgeräte hinzu“, meint er. An der Kläranlage in Mechtersheim sammeln einige erste Erfahrungen mit der Bildhauerei, einige sind schon seit Jahren bei solchen Kursen dabei, wie Gustav Adlhoch, der seit acht Jahren Bildhauerei betreibt. Sein Werkstück aus weißem Carrara-Marmor, den Florian Bruske aus Italien besorgt hat, soll einen Wasserfall ergeben, der über eine hohe Felswand springt. „So ein bisschen in der Schwebe zwischen Gegenständlich und Abstrakt“, meint er. Es wird erst einmal seinen Platz im Garten finden, später, wenn der Wintergarten, den er geplant hat, fertig ist, soll das gute Stück dahin umziehen. Ein Neuling ist Manuela Emmert, die ebenfalls mit Marmor arbeitet, an einer Wasserschildkröte. „Ich wollte gerne ein Tier machen, und Schildkröten haben wir im Garten“, erklärt sie ihre Entscheidung für das Motiv. Auch Bärbel Vogt ist neu infiziert mit der Bildhauerei, sie arbeitet am gelben Sandstein von einem Steinbruch bei Neustadt. Der Stein hat kleinere Einschlüsse aus dunklerem Sand, was hübsch aussieht, die Arbeit aber schwieriger macht. Die Büste einer „Hüterin des Gartens“ entsteht, womit auch hier der künftige Standort feststeht. Auch sie will nur mit der Hand, ohne Druckluft arbeiten, „um ein Gefühl für den Stein und die Art der Arbeit zu bekommen“. Vom Muskelkater können einige Teilnehmer berichten. „Aber es ist eine gute Erschöpfung abends, wenn man sieht, was man geschafft hat“, sagt Bärbel Vogt. Termine —Die Arbeiten des Bildhauer-Workshops werden vom 17. bis 19. Juni in einer Ausstellung im Zehnthaus zu sehen sein. Geöffnet ist samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr. —Am Samstag, 4., und Sonntag, 5. Juni, findet ein weiterer Workshop beim Kunst- und Kulturverein statt: Manfred Herzog bietet den Kurs „Ölmalerei - expressiv-figurativ“ im KuK-Atelier an. Samstags wird von 13 bis 18 gearbeitet, sonntags von 10 bis 16 Uhr. Die Gebühr beträgt 60 Euro. Weitere Infos und Anmeldung bei Antje Reeb, Telefon 06232 95466.