Landau Party, Party, Party

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Fasnacht ist nicht jedermanns Sache. Besonders Prunksitzungen erscheinen gerade Jugendlichen oft als bloße Aneinanderreihung von guten und weniger guten Witzen. Dabei gehen auch sie gerne feiern und tanzen. Auch gegen das Verkleiden haben sie grundsätzlich nichts einzuwenden – so wie auf drei Partys, die seit Weiberfasnacht in Landau und Billigheim stattfanden.

Die Landauer Festhalle platzt aus allen Nähten. Kein Wunder, die Veranstaltung – die SWR4-Schlagerparty an Weiberfasnacht – ist bereits zwei Wochen im Voraus ausverkauft. Verkleidete Menschen wohin das Auge reicht. Mal ganz klassisch als Cowboy und Indianer, oder etwas moderner als gelber Minion. Auf der Bühne steht gerade die Band Voxx-Club und performt ihren Hit „Rock mi“ – die Tanzfläche bebt. Auch im Foyer des Gebäudes wird kräftig gefeiert, ein DJ des Senders steht hinter seinem Mischpult und legt auf, was das Motto der Party verspricht und sich die Feiernden wünschen: Feinstes von DJ Ötzi, Wolle Petry und andere Partykracher donnern aus den Boxen. Für die Musik ist an diesem Abend der SWR4-Moderator Andreas Hangen zuständig – der hat sichtlich Spaß an seinem Job und prostet einer Gruppe junger Frauen zu, die sich im Halbkreis um einen der zahlreichen Stehtische versammelt hat. Dazu gehört Steffie Bernath. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Bea, Michi und Sabse will die 31-jährige gebürtige Rheinländerin aus Grevenbroich, einer Stadt genau zwischen den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf, ihren Karnevalsblues wegfeiern. Eine schöne Veranstaltung sei das, sagt die Silzerin. Doch ihr fehle hier eine typische Karnevalstradition – das Abschneiden der Krawatten mit anschließendem Bützchen (einem Kuss mit geschürzten Lippen auf die Wange). Dennoch: „Der Abend hat vieles versprochen und einiges gehalten“, feixt sie. Am selben Tisch steht Philipp Kügler. Der 31-jährige Landauer hat einen Umhang umgelegt und trägt einen schwarzen Schlapphut. Er sei ein mittelalterlicher Nachtwächter, erläutert er. Die Musik fände er großartig und den DJ richtig gut, dabei zeigt er auf Hangen, der gerade „Amsterdam“ auflegt. Er dreht seinen Plastikbecher in seiner Handfläche: „Die Getränke sind recht teuer. Vier Euro für ein Bier ist ein Wort“, sagt er. Zwei Tage später, am Karnevalssamstag zieht der Partytross weiter nach Billigheim. Schon seit 20 Jahren laden –jeweils zur Fasnachtszeit – der Freundeskreis „Theos Lieblinge“ und der TSV Billigheim-Ingenheim in das dortige Bürgerhaus ein. Am Fasnachtssamstag und am Rosenmontag ist die Halle mit mehr als 600 Leuten rappelvoll. In diesem Jahr lautet das Motto „80er“ und die Veranstalter haben sich besonders von der deutsch-deutschen Geschichte inspirieren lassen: Bereits am Eingang werden die Besucher kontrolliert, als würden sie in die DDR einreisen. Grenzbeamte in NVA-Uniformen kontrollieren ganz genau, gar ein Schlagbaum ist aufgebaut. Auf der Bühne – dort wo an diesem Abend noch die „Dicken Kinder“ auftreten werden – haben Helfer die Berliner Mauer wieder aufgebaut. Mitsamt Graffitis. Links von der Bühne steht ein riesiger Zauberwürfel Als die Show beginnt, ertönt „Auferstanden aus Ruinen“ und die Grenzbeamten ziehen feierlich eine Fahne des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaats nach oben. Bis David Hasselhoffs Hymne „Looking for freedom“ ertönt und die Berliner Mauer aufbrechen lässt. Der Indianer-Squaw Ricarda Weidner gefällt die Show. Die 24-jährige Augsburgerin ist zu Besuch in ihrer alten pfälzischen Heimat und freut sich besonders über die Liebe zum Detail bei der Umsetzung des Mottos. Nur eines bemängelt sie etwas: „Die Musik ist echt super. Aber mit Fasching hat das ja wenig zu tun.“ Weiter geht es am Rosenmontag im Landauer Gloria-Kulturpalast: „Karneval Total“ ist angesagt. Und da es in Landau am Montag keinen Fasnachtsumzug gibt, bietet das Partyprogramm wenigstens vielen Jugendlichen eine Alternative. Auch hier war die Party schon früh ausverkauft. Denn an diesem Abend geben sich Stars der Partyschlagerszene die Klinke in die Hand. Sie tragen so illustre Namen wie „Die Autohändler“ mit ihrem Hit „Superhupen“ oder aber DJ Düse, der sonst im Bierkönig auf Mallorca die Puppen tanzen lässt. Brechend voll ist es allemal. Die Massen drängeln sich durch den engen Gang, der beide Tanzflächen voneinander trennt. Im großen Saal kocht die Stimmung: „Hey, das geht ab!“, brüllen die berliner Partyrapper Manny Marc und Frauenarzt alias „Die Atzen“ in die Mikrofone – eine gute Beschreibung für die Stimmung an den diesjährigen Fasnachtstagen in der Südpfalz – zumindest wenn man Gast auf eine der Partys war.

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