Herxheim
Ob Entführungen oder Schockanrufe: Der Weiße Ring hilft Gewaltopfern
Es kann jeden treffen. Wer Opfer von Kriminalität wird, für den ändert sich oft der Blick auf die Welt, er wird düsterer. Denn das Sicherheitsgefühl ist dahin. Diesen Menschen helfen die Ehrenamtlichen des Weißen Rings. Die Organisation gibt es seit knapp einem halben Jahrhundert, doch die Helfer stehen selten im Licht der Öffentlichkeit. „Der Verein finanziert sich über Spenden. Und seine Arbeit ist so wertvoll. Das wollen wir würdigen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart (Jockgrim) beim Südpfalztreffen der CDU in der Herxheimer Festhalle am vergangenen Freitagabend, bei dem die Außenstelle Südpfalz des Weißen Rings ausgezeichnet wurde.
Außenstellenleiter Heinz Pollini nahm stellvertretend für die rund 160 Mitglieder in der Südpfalz die Auszeichnung im Rahmen der Aktion Menschlichkeit entgegen. „Niemand, der Gewalt erlebt hat, sollte jemals allein sein“, beschrieb Pollini das Leitmotiv des Weißen Rings. Rund 100 Fälle pro Jahr würden von den Ehrenamtlichen in der Südpfalz bearbeitet. Als Beispiel nannte er auch die Entführung einer Schülerin des Edenkobener Gymnasiums im September 2023, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. „Da merkt man, wie ein solches Ereignis das Leben einer Familie auf den Kopf stellen kann“, so Pollini.
Prävention wegen Schockanrufen
Bei der Arbeit des Weißen Rings gehe es aber auch um Prävention. So gebe es immer wieder Vorträge zu Schockanrufen und falschen Polizisten. Pollini betonte, dass jede vierte Frau in Deutschland in ihrem Leben häusliche Gewalt erfahre. „Männer, die Gewalt ausüben, sind keine Männer.“ Opfer sollen künftig durch eine elektronische Fußfessel für den Täter jedoch besser geschützt werden, so Gebhart. Einen entsprechenden Gesetzentwurf dazu hat das Bundeskabinett vor wenigen Tagen beschlossen.
Festredner in Herxheim war der CDU-Landesvorsitzende und Landtagswahl-Spitzenkandidat Gordon Schnieder. Er sagte, die Arbeit des Weißen Rings sei wichtig, weil die Ehrenamtlichen den Opfern von Gewalt zuhören. Schnieder ging als Wahlkämpfer aber vor allem auf landes- und bundespolitische Themen ein. Einen Seitenhieb verpasste er dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder wegen seines Auftritts beim Deutschlandtag der Jungen Union, bei dem er die Kritik der Jugendorganisation an den Rentenplänen der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz als richtig und nachvollziehbar dargestellt hatte. „Solche Auftritte tun uns nicht gut. Und Söder sollte auch ehrlich sagen, dass seine Mütterrente Teil dieses Rentenpakets ist“, so Schnieder.
Schnieder: Viele Kinder nicht schulreif
Bildung ist eines der zentralen Wahlkampfthemen. Dabei liege in Rheinland-Pfalz vieles im Argen, so der CDU-Vorsitzende. Ein Drittel der Kinder sei bei der Einschulung nicht schulreif, da laufe etwas schief. „Die Kinder müssen Deutsch können, bevor sie in die Schule kommen“, so Schnieder. Deshalb wolle er verbindliche Sprachstandserhebungen für Kinder mit viereinhalb Jahren einführen – und das bereits ab 2028. „Die Kinder müssen, wenn sie die Grundschule verlassen, lesen, schreiben und rechnen können. Darauf muss der Fokus liegen.“
Auch der Umgang seitens des Landes mit den Kommunen müsse ein anderer werden. Es gebe in Rheinland-Pfalz über 300 Förderprogramme für Gemeinden. „Viele Kommunen haben da längst den Überblick verloren.“ Das Land müsse den Gemeinden wieder mehr Vertrauen entgegenbringen, anstatt sie mit Förderprogrammen lenken zu wollen. Vor Ort wisse man am besten, für was Geld gebraucht werde. Er wisse das als ehemaliger Ortsbürgermeister, so Schnieder.
Das CDU-Südpfalztreffen ist seit Jahren der wichtigste Termin der Partei in der Südpfalz. Viele bekannte Festredner waren schon dabei. Dazu zählen Bundeskanzler Friedrich Merz (2024), CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (2023), der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn (2019), die ehemalige CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (2018), Ex-Wirtschaftsminister Peter Altmaier (2017) und die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (2005).