Bad Bergzabern
Neue Pächter der Bahnhofsgaststätte kochen auch polnische Gerichte
Es war ein schöner Tag im Mai vor sechs Jahren. Ania Stritzinger lief damals am Bergzaberner Bahnhof vorbei. Der Biergarten der Gaststätte war voll. „Wenn es irgendwann neu verpachtet wird, nehme ich es“, sagte sie spontan zu ihrem Mann. Anfang Oktober diesen Jahres war es so weit, sie ist die neue Pächterin. Und sie ist zusammen mit ihrem Mann Christof Stritzinger keine Unbekannte in der Kurstadt.
Ab 2023 betrieben die beiden den Imbisswagen vor dem SBK-Supermarkt – mit deutsch-polnischer Küche. „Es kam gut an“, sagt Ania Stritzinger in „Anias Bahnhof“, so ist der neue Name der Bahnhofswirtschaft. Die Bahnstation wurde 1870 eröffnet, das heute denkmalgeschützte Sandsteingebäude steht seit 1890 und gehört der Stadt.
Es gibt auch polnische Gerichte
Christof Stritzinger ist seit fast 30 Jahren Koch und natürlich für die Küche zuständig. Die ist bodenständig, das trifft sowohl für das Angebot als auch die Preise zu. Es gibt Pfälzer Gerichte wie Saumagen oder Leberknödel. Das traditionelle Schnitzel fehlt natürlich nicht, Schweinemedaillons und Schweinebäckchen werden ebenfalls angeboten. Piroggen, gefüllte Teigtaschen an Speck und Zwiebeln oder polnische Kohlrouladen, Gołąbkis, gefüllt mit Hackfleisch und Reis, dürfen probiert werden.
Eine polnische Spezialität ist auch Borschtsch, Brühe mit roter Beete mit polnischen Kroketten, das sind gefüllte Teigtaschen, nicht zu verwechseln mit Kartoffelkroketten. Es sind Gerichte aus der Heimat von Ania Stritzinger, die sie 2007 verlassen hat. Für Vegetarier ist ebenfalls unter anderem mit Käsespätzle, Salaten oder gegrillten Peperoni gesorgt, und Fisch gibt es immer freitags.
60 Plätze im Nebenraum
„Für den Nebenraum und den Außensitz haben wir neues Mobiliar und Sonnenschirme bestellt“, informiert die Wirtin. 40 bis 50 Plätze bietet der Nebenraum, mehr als 60 Plätze sind es vor der Gaststätte und 40 Plätze im Gastraum rund um die Theke. Darüber, dass sie sich viel vorgenommen haben, ist sich Ania Stritzinger im Klaren. Aber sie ist viel Arbeit gewohnt. „Ich bin gelernte Restaurantfachfrau, war immer in der Gastronomie und bin vor 18 Jahren von Polen nach Deutschland gekommen“, erzählt die Wirtin.
Sie habe sich damals einerseits finanziell verbessern, andererseits ihre Familie unterstützen wollen. „Bei uns ist es selbstverständlich, dass man sich in der Familie hilft, auch finanziell“, sagt die 38-Jährige. Ihre Mutter Monika, die derzeit zu Besuch ist und in der Küche werkelt, habe damals als Lehrerin in Polen 500 Euro im Monat verdient. Frankweiler war ihre erste Anlaufstelle, wo ihre Schwester Agnieszka bereits gewohnt hatte. Sie habe zuerst nur englisch gesprochen, aber sehr schnell deutsch gelernt. „Ich habe als Putzfrau angefangen, dann war ich Küchenhilfe, dann Bedienung, mit Geld musste ich immer sehr gut umgehen“, erzählt die frisch gebackene Wirtin.
Wirtin: Wollen bei moderaten Preisen bleiben
2012 lernte sie ihren Mann Christof bei der Arbeit kennen, die beiden heirateten 2017. „Wir wollen es langsam angehen, es muss sich ja auch alles einspielen und das Team muss zusammenfinden“, sagt Ania Stritzinger dazu, dass sie bisher noch nicht viel Werbung gemacht haben. Mitarbeiten werden ihre Schwester, eine weitere Mitarbeiterin und vier Aushilfen. „Personal ist schwer zu bekommen“, haben auch die Stritzingers festgestellt. Die Chefin weiß, dass viele Gastronomen nach Corona aufgehört haben und dass viele Kosten auf sie zukommen. Aber sie will bei den moderaten Preisen bleiben. „Wir möchten Erfolg, zufriedene Gäste und gute Stimmung.“