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Nello-Hütte am Kesselberg bekommt Frischwasser
1600 Meter Länge, 110 Meter Höhenunterschied und dazwischen jede Menge Felsen: Der Wasseranschluss für die auf 398 Metern Höhe am Kesselberg liegende Nello-Hütte wird eine logistische Herausforderung. Die Leitung wird quer durch den Wald zum Hüttenbrunnen oberhalb von Edenkoben führen. Der Leiter der Verbandsgemeindewerke Edenkoben, Martin Hanke, habe aber versichert, „dass es machbar ist“, sagt Günter Brauch, Zweiter Vorsitzender des Vereins.
Bislang versorgte eine eigene Quelle die Wanderhütte mit Frischwasser, das jedoch an warmen Sommertagen immer mal wieder knapp wurde. Der Verein befürchtet, dass die Quelle bald ganz versiegen wird. Es gibt zwar Vorratstanks im Boden, aber deren Befüllung ist ebenfalls schwierig, da die Hütte nicht angefahren werden kann und Wassernachschub aus Tankwagen über mehr als hundert Meter lange Schläuche zugeleitet werden muss.
Glasfaser für die Hütte
Das soll nun alles einfacher werden. Im Graben für die Rohrleitung werden auch noch eine Abwasser- sowie Stromleitung und ein Glasfaserkabel verlegt. Dafür bekommt der Verein vom Bezirksverband Pfalz 35.000 Euro Zuschuss. „Die Hütte ist aus touristischen Gründen wichtig, um das einzigartige Hüttennetz zu erhalten.“ Mit diesen Worten begründete Theo Wieder, Vorsitzender des Bezirkstags, den Zuschuss.
Dies ist ein dicker Batzen, reicht allerdings bei weitem nicht aus. „Wir benötigen rund 130.000 Euro. Es sind ja nicht nur die Kosten für die Leitung und das Ausheben des Grabens, sondern wir müssen auch im sanitären Bereich der Hütte noch einiges aufwenden“, erklärt Günter Brauch. Die Zeit drängt, weil der Bau bis Ende 2021 abgeschlossen sein muss, da ansonsten der Zuschuss an den Bezirksverband zurückgezahlt werden muss.
Rohrpaten gesucht
Um diese Summe aufzubringen, soll unter anderem das Crowd-Funding der VR-Bank Südpfalz helfen. Noch bis 10. Juni können Einzahlungen für die Anschubfinanzierung getätigt werden. Mit einer solchen Aktion wurde Ende 2018 schon eine neue Kühlanlage für die Hütte finanziert. Rudi Birkmeyer, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hat weitere Ideen: So will er meterweise Paten für die Leitungsstrecke finden. Wer einen Meter für 50 Euro finanziert, wird auf einem 16 Meter langen Schlauchstück verewigt. Birkmeyer hofft, dass sich auch Spender für mehrere Meter finden, betont aber auch, dass man sich auch schon einen halben Meter für 25 Euro sichern kann. Ein zusätzliches Spendenkonto, Events auf der Hütte oder auch ein Infostand in der Landauer Innenstadt sollen weiteres Geld in die Kasse spülen. Wer 66 Euro spendet, bekommt als Gegenleistung einen Hüttendienst mit Übernachtung auf der Nello-Hütte.
Pups mit Wohlgeruch
Aber auch an den Verkauf eines Nello-Apparates, der eventuell auch als Süßigkeit hergestellt werden könnte, ist gedacht. Doch was ist das für ein Gerät? Das kleine, knapp zehn Zentimeter lange Teil aus Plastik, das vor Ort bestaunt werden kann, ist Namensgeber der Hütte und des Vereins, der ursprünglich als Musik- und Wanderklub (damals noch mit k geschrieben) gegründet wurde. Jedenfalls rasteten im Jahr 1923 Landauer Wandervögel regelmäßig am Kesselberg. Sie müssen einen schrägen Humor gehabt haben, denn die Namensanregung für ihren ein Jahr später gegründeten Club fanden sie auf einem Flugblatt, das einen nicht gerade alltäglichen Inhalt hatte und später sogar verboten wurde.
Darauf warb eine Vertriebsgesellschaft für ihren Nello, einen Apparat zum Einführen in den menschlichen After. Unter anderem stand da zu lesen: „Er macht Blähungen geräuschlos, und dank seiner sinnreichen Einrichtung verleiht er übelriechenden Blähungen Wohlgeruch je nach Wahl: Rosen-, Veilchen, Narzissen- oder Maiglöckchenduft. Sie können sich mit ,Nello’ ausblähen, wie Sie eben wollen, ohne sich unbeliebt zu machen.“
Wie läuft es am Vatertag?
Nach der coronabedingten Schließung der Nello-Hütte hat der Verein am vergangenen Wochenende den Neustart gewagt. Der war so positiv, dass die Hütte auch am Vatertag von 10 bis 17 Uhr öffnet. Im tief im Wald gelegenen, 1957 errichteten Sandsteinbau mit der vorgelagerten Schutzhütte boten die Vorsitzende Birgit Dawo und ihr Team das gesamte Getränkesortiment, aber nur eine kleinere Speisenauswahl an. Innen konnte man sich noch nicht hinsetzen, weil zum Einhalten der Abstandsregeln Tische und Stühle hätten herausgenommen werden müssen. Bevor er sich das antut, wollte der Verein erst mal abwarten, wie sich der Betrieb entwickelt. Im Freien kamen am Samstagnachmittag und den ganzen Sonntag über zahlreiche Gäste, darunter viele Mountainbike-Fahrer, und machten es ich bei strahlendem Sonnenschein auf den vorschriftsmäßig voneinander getrennten Bänken gemütlich.
Dass sie seit langem mal wieder eine Hütte besuchen konnte, hat eine Mittsiebzigerin, die it ihrem Mann aus Karlsruhe angereist war und heraufgelaufen war, sehr gefreut. Dass sie bedient wurde und nicht einmal abräumen musste, fand sie ungewohnt. Jeweils acht Personen verrichteten an den zwei Tagen ihren Dienst, zwei mehr als an den Sonn- und Feiertagen, an denen die Hütte üblicherweise geöffnet ist. Alle trugen, wie vorgeschrieben, ihren Mund- und Nasenschutz und Handschuhe, aber auch die Gäste hielten sich sehr diszipliniert an die Vorgaben. Obwohl der Innenbereich noch nicht für Gäste zugänglich war, haben sich die Vereinsmitglieder mit Plexiglas-Scheiben an der Theke bereits auf den direkten Besucherkontakt vorbereitet.
Gäste murren nicht
Birgit Dawo war mit den ersten Erfahrungen zufrieden. „Mit den Gästen gab es keine Probleme, die Adresszettel wurden ohne Murren ausgefüllt. Für uns als Personal war es schon ein gewisser Aufwand, obwohl man uns noch nicht die Bude eingerannt hat. Der Betrieb im Laufe des Nachmittags war aber durchaus in Ordnung. Man muss berücksichtigen, dass wir normalerweise nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben, der Samstag für unsere Gäste also ungewohnt ist.“
Wenn die Bedingungen es erlauben, wird Stück für Stück das Speisenangebot wieder komplettiert. An den Sonntagen kommt dann noch ein immer wechselndes Tagesgericht auf die Karte. Was gekocht wird, legen die Ehrenamtlichen fest, die an diesen Tagen Dienst haben und alles selbst zubereiten. Im Winter kann das auch mal Hirschgulasch sein.
Der Nello-Club ist nicht Mitglied im Pfälzerwald-Verein (PWV). Er bestand schon immer als eigenständiger Wanderclub, obwohl es den PWV zur Gründungszeit des Clubs schon einige Jahre gab. „Ich denke, dass da in der Vergangenheit sicher in der Vorstandschaft mal darüber nachgedacht wurde, aber es hat sich dann doch nicht ergeben. Aktuell ist das kein Thema“, sagt Günter Brauch.