Landau Natürliche Boten der Vergangenheit
Die große und kleine Hohl in Berghausen bieten mit ihren Namen deutliche Hinweise auf eine lange Vergangenheit. Andere Wege und Straßen wie „In den Rauweiden“ in Heiligenstein, die zum gleichnamigen Gewerbegebiet führt, oder die Speyerer Straße am nördlichen Ortsbeginn von Mechtersheim verraten ihre Entstehung weniger offenkundig.
Allesamt sind alte Hohlwege. Eine Tafel der Römerberger Lokalen Agenda 21 weist an der Heiligensteiner Grillhütte auf diese Boten der Vergangenheit hin. Entlangfahrende Fuhrwerke, entlangziehende Menschen samt Vieh und Regenwasser, das den Weg als Abfluss nutzt und die Wege auswäscht – jahrhundertelang: So haben sich Hohlwege gebildet. Voraussetzung ist freilich geeigneter Boden, der sich durch die häufige Nutzung und den natürlichen Einfluss formen lässt. Diese Voraussetzung ist hier im Rheingraben gegeben. Hohlwege schneiden sich in das Gelände ein, in Waldboden, Sandstein oder Löß. Eine mehrere Meter starke Lößschicht findet sich auch in der Vorderpfalz. Löß bildete sich nach der letzten Eiszeit, als feiner Sand vom Rhein angeweht wurde und sich mit anderen Ablagerungen vermengte. Das Besondere an Löß: Es ist zwar ein lockeres Gestein, aber dennoch stabil, was erklärt, weshalb die Wege von manchmal meterhohen Wänden flankiert werden. Weil die ursprüngliche Nutzung weggefallen ist, droht den Hohlwegen entweder der natürliche Verfall oder sie werden umgewandelt. In den letzten 50 bis 60 Jahren wurden die meisten Hohlwege beseitigt, verfüllt oder ausgebaut. So auch in Römerberg. Dass die Ortseinfahrt aus Richtung Heiligenstein eigentlich ein Hohlweg ist, erkennt man, wenn man es weiß. Ebenfalls stark verändert, verfüllt und asphaltiert wurde die Natostraße (Philippsburger Straße), die Richtung Rhein führt. „Die große Hohl“ in Berghausen sah vor einigen Jahrzehnten völlig anders aus. Das zeigt ein Foto auf der Tafel über die Löß-Hohlwege, die Rita Pösl von der Lokalen Agenda 21 gemeinsam mit dem Biologen Karl-Heinz Dannapfel erarbeitet hat. Naturbelassen ist noch immer die Mörschhohl, die am Ortseingang von Berghausen (aus Richtung Speyer) in Richtung Rhein verläuft. „Die kleine Hohl“, ebenfalls in Berghausen, zeugt dagegen noch sehr stark von ihrer Vergangenheit. Der Fußweg, der wie viele andere seiner Hohlweg-Geschwister Richtung Rhein verläuft, ist zwar gepflastert, aber schneidet sich noch immer ins Gelände ein und weist ein starkes Gefälle auf. Früher gingen die Berghausener hier entlang, um zu ihren Feldern, Gärten und Hohlbrunnen zu gelangen. Hohlwege sind nicht nur kulturgeschichtliche Zeugnisse – sie bieten auch einen besonderen Lebensraum. Wärmeliebende Pflanzen und Tiere wie Eidechsen halten sich dort auf. Im Löß legen Wildbienen und Wespen ihre Nester an. Info Die Lokale Agenda 21 bietet in Römerberg Informationen und Führungen zu den Löß-Hohlwegen und anderen Stationen am Natur-Lehr-Spiel-Pfad an, der an der großen Hohl in Berghausen beginnt und sich bis zu den Mechtersheimer Tongruben zieht. Kontakt über die Gemeindeverwaltung, Telefon 06232 6560.