Landau
Nahversorgung wird stark ausgebaut
Die Lebensmittel-Nahversorgung in Landau ist in bewegung: Der versprochene – und von Oberbürgermeister Thomas Hirsch auch durchaus herbeigesehnte – Lebensmittelmarkt in den Uferschen Höfen kommt zwar nicht. Fortschritte machen dagegen die Planungen für einen Wasgau-Markt auf dem ehemaligen Hofmeister-Areal an der Wollmesheimer Straße und für einen neuen Netto im Horstring. Ganz neu im Konzert spielt aber auch die Kissel-Gruppe mit: Sie will auf dem Gelände ihrer ehemaligen Firmenzentrale an der Herrenbergstraße im Norden der Innenstadt einen weiteren Markt errichten. All das hat die Stadtverwaltung im Bauausschuss mitgeteilt.
Nach Angaben von Bauamtsleiter Christoph Kamplade hat der Investor der Uferschen Höfe, jenes Altstadt-Karrees zwischen Theater-, König- und Kramstraße sowie Kleinem Platz, mitgeteilt, dass er Verhandlungen mit dem angestrebten Betreiber des 1000 Quadratmeter großen City-Marktes abgebrochen habe.
Kreativzentrum in Uferschen Höfen
Nun werde dort umgeplant, so Kamplade. Es werde eine „urbane Mischung“ unter anderem aus Wohnen, Kreativgewerbe und Gastronomie geben. Ein Markt wäre toll gewesen, sagte Kamplade, er wäre aber auch problematisch, weil er in die Hinterhöfe hineingesetzt worden wäre, die Husarengasse zerschnitten und den Innenhofbereich blockiert hätte, denn der Citymarkt hätte sich von Nord nach Süd quer durch das gesamte Viertel ziehen sollen.
Für neue Märkte sei es „momentan die falsche Zeit“, meint der Investor der Uferschen Höfe, Peter Siebert aus Weinheim. Der Markt sei ein Wunsch der Stadt gewesen, und er habe sich auch intensiv darum bemüht und mit mehreren Interessenten verhandelt, „aber es kam nichts dabei raus“. Es müsse nun aber vorwärts gehen mit dem Projekt und dem Viertel, weshalb er seinen Plan B vorantreibe. Das von ihm angestrebte Kreativzentrum mit Raum unter anderem für Unternehmensneugründungen und Gemeinschaftsbüros (Co-Working-Spaces) und Ähnlichem werde ein ebensoguter Frequenzbringer, und der Wegfall des Marktes schaffe Platz für Interessenten, die er sonst gar nicht hätte unterbringen können. Aber: Er könne in den vorhandenen Strukturen an der Theaterstraße immer noch 600 bis 650 zusammenhängende Quadratmeter für den Lebensmittel-Einzelhandel frei machen. Siebert hatte unter anderem mit Aldi über einen Markt nach einem speziellen Konzept für Innenstädte verhandelt, aber auch mit anderen Interessenten, die deutlich weniger Fläche belegt hätten.
Aldi: Großes Interesse an urbanen Standorten
Aldi mag sich „zu der Entscheidung des Investors nicht näher äußern“. Doch das Unternehmen fühle sich in Landau sehr wohl und werde sich weiter bemühen, Handel und Infrastruktur vor Ort weiterzuentwickeln. Grundsätzlich seien Filialen mit hoher Kundenfrequenz in verdichteter, innerstädtischer Lage für Aldi Süd sehr attraktiv.
Mit den Planungen für die Herrenbergstraße sei die Kissel-Gruppe noch ganz am Anfang, sagt Christin Arto, Sprecherin für Kissel-Stiftung und SBK-Märkte. Nur so viel: Es werde wohl auf einen Abriss der alten Firmenzentrale und auf einen Neubau hinauslaufen. Die Größe eines neuen Marktes müsse erst noch mit der Stadt abgestimmt werden, aber 1400 bis 1600 Quadratmeter wären eine schöne Größenordnung. Es gehe aber nicht nur um einen Markt, sagt Arto: „Wir denken eher in Lebensräumen.“ Denn auf dem 25.000 Quadratmeter großen Areal soll auch Wohnbebauung entstehen.
Mindestens 100 Wohnungen und ein Markt
Die Stadt rechnet in den künftigen Dieter-Kissel-Höfen, so der Projektname, mit etwa 130 Wohnungen und rund 260 Bewohnern. Arto ist noch etwas zurückhaltender und nennt mindestens 100 Wohneinheiten, plus Platz für Vereine und die gemeinnützige Dieter-Kissel-Stiftung als weitere Planungsziele. SBK sei auf Wachstumskurs, habe zum Beispiel gerade erst Edeka-Märkte übernommen, beispielsweise in Bruchsal, und wolle auch in Landau weiter wachsen. Der Altbau steht nicht leer; er ist nach dem Umzug der SBK-Zentrale in den Neubau am neuen Messegelände unter anderem von der Uni, der Kreismusikschule, dem Kinderschutzbund und einigen Vereinen genutzt worden. Außerdem hat die Kissel-Gruppe dort noch ihr Archiv untergebracht.
Eine Mischnutzung ist auch auf der Wollmesheimer Höhe geplant: Neben dem Wasgau-Markt mit 2100 Quadratmetern Verkaufsfläche sind rund 66 Wohnungen in sechs Mehrfamilienhäusern vorgesehen. Eher untypisch für Supermärkte: Die Parkplätze werden nicht vor dem Eingang angeordnet, sondern unter Carports neben dem Gebäude. Das sei ein wesentlicher Beitrag für einen attraktiven Stadteingang, sagte Kamplade.
Es gibt noch Versorgungslücken
Im Horstring gehen die Planungen für einen Neubau und eine Erweiterung des bestehenden Netto-Marktes (Netto Marken-Discount) weiter. Der soll von knapp 700 auf 1150 Quadratmeter Verkaufsfläche wachsen. Möglich wird dies, weil Teilflächen einer benachbarten Gärtnerei einbezogen werden können. Nach früheren Berichten möchte auch SBK seinen Compact-Markt am Horstring erweitern, der in zweiter Reihe hinter einem Autohandel liegt.
Weil sich der Lebensmittelhandel in Landau gerade so dynamisch entwickelt, lässt die Stadt ihr zuletzt 2018 überarbeitetes Einzelhandelskonzept schon wieder fortschreiben. Das Büro Junker und Kruse, Stadtforschung und Planung, aus Dortmund sieht zwar derzeit noch Versorgungslücken in Siedlungsrandbereichen, doch die werden mit den genannten Märkten sowie dem im Bau befindlichen 1700 Quadratmeter großen Netto-Markt in der Paul von Denis-Straße in der Südstadt in Kürze größtenteils geschlossen. Eine Versorgungslücke sehen die Planer aber noch im östlichen Bereich des Horstrings. Dort seien 3800 Einwohner unterversorgt, weil sie nicht fußläufig einkaufen können; wenn man Dammheim dazunehme, kämen weitere 1100 unterversorgte Kunden dazu. Als fußläufig gilt eine Entfernung von 600 Metern zum nächsten Lebensmittelmarkt. Im östlichen Horstring hätte ein weiterer Markt „oberste Priorität“, aber noch gebe es keinen konkreten Standort. Eines steht für die Planer jetzt schon fest: Keiner der geplanten Märkte werde bestehende andere Märkte gefährden.