Landau
Mittelständler kritisiert Energiepauschale
Zur Erinnerung: Im Mai beschloss die Ampel-Regierung in Berlin, dass Angestellte eine Energiepauschale bekommen sollen. Insgesamt 300 Euro pro Kopf. Arbeitgeber sollen den Betrag im September an ihre Mitarbeiter auszahlen. Das Ganze funktioniert über die Lohnsteuer. Die wiederum wird auf Basis der Gehälter vom Arbeitgeber einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt. Hier setzt die Pauschale an. Sie kann später von den Arbeitgebern über die Lohnsteuer-Summe zurückgeholt werden. Übersteigt der ausgezahlte Pauschal-Betrag diese Lohnsteuer-Summe, soll das Finanzamt die Differenz ausgleichen. Für Claus Becker ein Unding: „Mit dieser Regelung versucht die Politik, ihre Verantwortung auf die Unternehmen abzuwälzen.“
Mit uns kann man es ja machen
Der 52-jährige Becker führt seit 26 Jahren das von seinem Vater gegründete De´Bäcker-Becker-Unternehmen mit fünf Filialen – auch in Landau und Edenkoben. 80 Mitarbeiter – „Nasen“, wie er sie nennt – arbeiten für ihn. Darunter 47 in Vollzeit. Über die Hälfte seiner Angestellten soll die Energiepauschale bekommen. In seinem Fall übersteigt die Summe der ausgezahlten Pauschalen die Summe an abgeführter Lohnsteuer erheblich. Unterm Strich bleiben 15.000 Euro übrig, die das Finanzamt zu einem späteren Zeitpunkt ausgleichen muss, rechnet Becker vor. Bei Becker sogar einen Monat nach der Auszahlung an die Mitarbeiter. Bis dahin bleibt er auf dem Verlust sitzen. „Ich muss hier in Vorleistung gehen. Das ist ein Missbrauch durch die Politik.“ Fallen als Folge Kontobilanzen ins Minus werden Dispozinsen – also Überziehungsszinsen – der Bank fällig, erklärt Becker. Die müsse dann auch jemand zahlen. Nämlich er.
Dem finanziellen Aspekt folgt die Bürokratie, die der Unternehmer leisten muss. Zwischen vier und fünf Stunden Mehrarbeit plant Becker für die Bearbeitung der Energiepauschale ein. Von dem Papierkram ganz zu schweigen. „Ob jemand für die Pauschale berechtigt ist, muss durch Unterschriften bestätigt werden. Das wird dann schwierig, wenn nicht jeder rechtzeitig die Formulare ausfüllt“, sagt er. „Mit uns kann man es ja machen.“ Auch mit Blick auf die Steuerbüros hat Becker bedenken. Immerhin müssten Lohnsteuerprogramme wegen der Energiepauschale bearbeitet werden, um korrekte Abrechnungen vorzunehmen. Auch das koste Geld. Und Zeit.
Politiker kümmerten sich nicht
Kritisch ist Becker schon lange. Bereits die Forderung im Bundestagswahlkampf 2021, den Mindestlohn auf zwölf Euro anzuheben, hat ihm aufgestoßen. „Damit öffnet man dem Missbrauch Tür und Tor.“ Jeder könne jetzt kommen und versuchen, den anderen mit Forderungen zu überbieten. Verbesserungen für Geringverdiener sieht Becker durch den Mindestlohn keine. „Wenn die Löhne steigen, aber die Abgabenquoten unberührt bleiben, zahlen alle drauf“, sagt Becker. Auch der Facharbeitermangel mache ihm zu schaffen. „Gutes Personal zu finden, wird immer schwieriger. Immer mehr wählen ein Studium als eine Ausbildung.“
Dutzende Politiker habe Becker angeschrieben. Seine Bedenken zur Energiepauschale seien nicht ausgeräumt worden. Allein sieht er sich nicht. Viele Unternehmer-Kollegen teilten seine Meinung, nur hätten die wenigsten Zeit für Engagement. „Wir haben ja zu arbeiten“, sagt Becker, „und jetzt müssen wir uns noch mit solchen Dingen auseinandersetzen. Darauf haben viele keinen Nerv.“
Dabei wäre es so einfach
Der 52-jährige spricht sich für Entlastungen aus. Es gehe ihm nicht um die 300 Euro, sondern vielmehr um die politische Umsetzung der Energiepauschale. „Warum übernehmen das nicht die Finanzämter?“, fragt Becker. Durch die aktuelle Regelung stehe der Arbeitgeber mit einem Fuß im Gefängnis. Schon kleine Fehler in der Abrechnung könnten ausreichen. Für Becker steht fest: Die Unternehmen sollten sich das nicht bieten lassen. Er möchte, dass die Politik die Arbeitgeber besser im Blick hat. „Anstatt Aufgaben planlos abzutreten, soll der Staat Verantwortung übernehmen.“
Aufgeben möchte Becker nicht. Er spricht sich für Entbürokratisierungen aus. „Die guten Ideen sind ja alle schon mal geäußert worden. Jetzt müssen sie umgesetzt werden.“