Landau / Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Herz gegen rechte Hetze

Lässt sich nicht unterkriegen: Mo Asumang
Lässt sich nicht unterkriegen: Mo Asumang

Wie geht man damit um, wenn man aus rassistischen Gründen mit dem Tod bedroht wird? Mo Asumang begegnet Hass mit Zuhören. Und sie sucht das Gespräch. Manchmal schafft sie es, Kratzer in die Rüstung von Rechtsextremen zu fragen. Als erstes hat sie ihre Großmutter umgekrempelt.

Mo Asumang musste sich entscheiden, ihre Angst zuzulassen oder sie loszuwerden. Es war eine sehr reale Angst. Die Deutsch-Ghanaerin, die sich unter anderem als Moderatorin, Regisseurin und Schauspielerin einen Namen gemacht hat, war in einem Lied einer rechtsradikalen Band offen mit dem Tod bedroht worden. Anstatt sich zu verkriechen, versuchte Asumang, den Hass, den manche Menschen auf andere empfinden, zu verstehen. Daraus entstand der Film „Die Arier“, der 2014 erschienen ist. Diese Woche war sie in der Südpfalz zu Gast, um an der Landauer IGS und der Berufsschule Edenkoben über Rassismus zu sprechen.

Die Schüler und Lehrer der Integrierten Gesamtschule zeigten sich beeindruckt vom Mut der 59-jährigen. In ihrem Film sprach Asumang mit Verschwörungstheoretikern, quatschte Teilnehmer von Naziaufmärschen an und interviewte ein Ku-Klux-Klan-Mitglied (Anmerkung der Redaktion: Der Ku-Klux-Klan ist ein 1856, nach Ende des Bürgerkriegs, in den USA gegründeter rassistischer Geheimbund) in voller Montur (Anmerkung der Redaktion: weiße Gewänder mit spitzen Kapuzen). Dabei stellte sie vor allem ganz einfache Fragen: Warum hasst du mich? Warum machen dir Menschen mit dunkler Hautfarbe Angst? Bei manchen der Gesprächspartner waren irgendwann kleine Kratzer in der mentalen Rüstung zu erkennen.

„Die geben mir Heimat“

Asumang verfolgt in der Bekämpfung von Hass einen individuellen Ansatz. Sie versucht, in einem Gespräch von Mensch zu Mensch zu ihrem Gegenüber vorzudringen. Eine Erfolgsgeschichte erzählt der Film: Ein junger Mann, der seit seinem neunten Lebensjahr in der rechten Szene unterwegs war, schaffte, auch durch die Hilfe von Asumang, den Ausstieg. Heute tritt er wie sie in Schulen auf, um von seinen Erfahrungen zu berichten.

Seine Geschichte ist typisch: „Er war ein einsamer, depressiver Junge. Sein Nachbar, ein Alt-Nazi, hat sich seiner angenommen und ihm Lesen und Schreiben beigebracht“, erzählt die Filmemacherin. Eine Lehrerin, die bei der Diskussion dabei war, kann sich an einen ähnlichen Fall erinnern: Ein kluger, junger Schüler, der plötzlich nach rechts abrutschte. „Auf die Frage, warum er jetzt mit diesen Leuten zu tun habe, sagte er mir: Die geben mir eine Heimat“, erinnert sich die Lehrerin. Ein Kollege sieht täglich Schüler, die ausgegrenzt und alleine sind, kein Selbstwertgefühl haben. „Wir haben nichts für diese Kinder, sie werden alleine gelassen.“ Für Asumang geht alles zurück auf die eine Maxime: auf die Menschen zugehen, ins Gespräch kommen.

Raus aus der Hass-Schleife

Wie schwer das ist, weiß sie zu gut. Ein Schüler fragt sich erstaunt, wie sie es geschafft hat, in ihren Interviews so ruhig zu bleiben. Sie musste sich unter anderem anhören, dass ihr Vater ein Affe sei, der den weißen Genpool verschmutzt habe. „Wenn du mit einem hasserfüllten Menschen diskutierst, dann will er dich oft aus dem Gleichgewicht werfen, dich aggressiv machen, damit er sich dann wiederum von deiner Energie nähren kann. Da entsteht so eine Wut- und Hassschleife, die wir überwinden müssen“, so Asumang. „Ich bin in diesen Momenten in eine Beobachterrolle gewechselt. 'Oh, da versucht er, mich in Rage zu bringen. Soso, jetzt soll ich scheinbar versuchen, seine Rasse zu verdrängen. Das ist ja interessant, wie er das macht.' Man schlüpft damit von einer passiven in eine aktive Rolle. Ich versuche dabei, mein Gegenüber weder zu bewerten noch abzuwerten. Das ist ja das, was er will und auch tut.“

Wenn überhaupt, dann ließen sich solche Menschen über das Herz erreichen, nicht über den Verstand, bemerkte die Lehrerin. „Und genau deshalb müssen wir unser eigenes Herz finden“, sagt Asumang. „Ich muss mich verändern, dass ich andere verändern kann.“

Rechte Hetze salonfähiger geworden

In den acht Jahren, seit der Film erschienen ist, ist rechte Hetze eher noch salonfähig geworden. Bekommt Asumang da manchmal Zweifel an ihrem Ansatz? „Es muss ja nicht nur der eine Ansatz sein. Gegen rechte Aufmärsche zu demonstrieren, zu zeigen, ihr seid 100, wir sind 3000, das ist wahnsinnig wichtig. Ich würde zum Beispiel auch Naziseiten hacken, wenn ich das könnte. Aber diese normalste Sache auf der Welt, das direkte Gespräch mit einem Menschen, diese Möglichkeit wird zu 0,0 Prozent ausgereizt.“

Dass jeder Mensch vom Hass abkehren kann, weiß Asumang aus ihrer eigenen Familiengeschichte. Wie sie erst nach ihrem Tod herausfand, hat ihre Großmutter für die Waffen-SS gearbeitet. Als ihre Mutter der Frau eröffnete, dass sie ein dunkelhäutiges Baby bekommen werde, soll die Großmutter gesagt haben. „Dann schmeiß’ ich mich vor die Straßenbahn!“ Es kam anders. „Meine Großmutter hat ihre eigene Tochter nicht aufgezogen, hatte nie die Erfahrung gemacht, für ein kleines Kind zu sorgen. Als sie mich im Arm hielt, muss sich bei ihr ein Schalter umgelegt haben. Sie hat mich großgezogen und war die liebevollste Oma, die man sich wünschen kann.“

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