Landau Mit falschen Münzen gut gelebt

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Knöringen. Ein aufwendiger Lebensstil bei bescheidenen Einkommensverhältnissen sorgte dafür, dass ein Bediensteter der Bahn in Knöringen 1865 zunächst das Misstrauen seiner Nachbarn und schließlich die Aufmerksamkeit der Ermittlungsbehörden auf sich zog. Wie sich bald herausstellte, zu Recht, da der umtriebige Eisenbahner mit gefälschten Umlaufmünzen sein schmales Gehalt aufbesserte.

In zurückliegenden Jahren hatte Carl Drexler in Speyer als Schneider gearbeitet, bevor er 1864 als Bahnhofsportier in Knöringen angestellt wurde, wo seine Wohnung lediglich aus einem „kleinen Stübchen“ bestand, das er zusammen mit seiner Gefährtin, der 29 Jahre alten Magdalena Breitenbach aus dem nordbadischen Schriesheim, bewohnte. Einem Nachbarn fiel bald auf, dass bei Drexler oft noch spät abends Licht brannte und dass er sein Zimmer stets von innen verschloss, wenn er sich zu Hause aufhielt. Andere Zeugen berichteten später, dass Drexler in Landau mehrfach bei verschiedenen Händlern altes Zinn angekauft hatte. Auch Magdalene Breitenbach fiel dadurch auf, dass sie Zinnlöffel und Gips für den Bahnhofsportier besorgte. In den Sommermonaten des Jahres 1865 nahm man wahr, dass Carl Drexler und Magdalena Breitenbach vermehrt kleinere Einkäufe mit Halbguldenstücken bezahlten, die den Warenwert weit überstiegen − unter anderem in Schriesheim, Landau und auch in Edenkoben, wo Breitenbach am 15. August den Jahrmarkt besuchte und dabei insgesamt 14 dieser Münzen in Umlauf brachte. Die Geldstücke, so zeigte sich später, sahen wie bayerische Halbguldenstücke aus, trugen allesamt die Jahreszahl 1860 und bestanden, wie die Ermittlungen zutage brachten, aus gegossenem Zinn, das mit Quecksilber überzogen war. Noch am 15. August wurde Magdalena Breitenbach über die von ihr ausgegebenen Halbguldenstücke von der Polizei befragt. Bei der Durchsuchung der gemeinsamen Wohnung fand man eine Schüssel aus Zinn, aus der ein Stück herausgeschnitten worden war, außerdem Quecksilber, das man von Spiegelglas abgeschabt hatte, sowie Gips und weitere Materialien und Gegenstände, die eindeutige Hinweise auf die Herstellung von Falschgeld lieferten. Drexler hatte offenbar von der Hausdurchsuchung erfahren und noch rechtzeitig die Flucht ergriffen, so dass sich die Polizei in den weiteren Ermittlungen nur mit seiner Gefährtin befassen konnte. Zur Herkunft der Münzen befragt, behauptete diese, sie habe auf dem Weg zum Edenkobener Jahrmarkt auf der Straße ein Päckchen mit dem Falschgeld gefunden und an sich genommen. Vor Gericht stand schließlich die Frage im Mittelpunkt, ob Breitenbach die Geldstücke wissentlich und im Einverständnis mit dem Fälscher Drexler in Umlauf gebracht hatte. Aufgrund des „innigen Verhältnisses“ und der gemeinsamen Wohnung ging man zwar davon aus, doch konnte der Verteidiger einen Teil der Vorwürfe entkräften. Ihre früheren Angaben zur Sache bewiesen, so der Verteidiger, vielmehr, „lediglich ihre Liebe zu Drexler und das Bestreben, von diesem jeden Verdacht ab- und auf sich zu lenken“. Die Geschworenen folgten letztlich der Argumentation des Verteidigers, wonach es keinen Beweis dafür gab, dass Magdalena Breitenbach etwas von den Fälschungen wusste oder gar daran beteiligt gewesen sei. Daraufhin wurde die Angeklagte vom Gericht auf freien Fuß gesetzt. Carl Drexler hingegen verurteilte das Assisengericht in Zweibrücken, wo der Fall im März 1865 verhandelt wurde, wegen Münzfälschung in Abwesenheit zu sechs Jahren Zuchthaus.

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