Landau
Migrationsbeirat erstmals ohne türkischen Vertreter
Ukraine, Russland, Syrien, Vietnam, Sri Lanka – aus diesen Ländern stammen die im November gewählten Mitglieder des Landauer Beirats für Migration und Integration. Nun hat sich das Gremium erstmals konstituiert. Bei der Sitzung wurde Klaudia Fuchs einstimmig zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die 36-jährige Polin wird das Gremium in den kommenden fünf Jahren führen.
Zum ersten Mal ist keine Person mit türkischen Wurzeln im Beirat vertreten. Mehr als zwei Jahrzehnte lang waren die Türken eine der stärksten Gruppen. Mit Hilal Incedere, Aydin Tas und Orhan Yilmaz stellten sie über 20 Jahre den Vorsitz des beratenden Gremiums, das die Belange aller Migranten in den Stadtrat einbringen soll. Mit dem Ziel, das friedliche Miteinander von Menschen aus über 100 Ländern, die in Landau eine neue Heimat gefunden haben oder finden wollen, zu fördern und in Landau Lebenden ohne deutschen Pass die Mitwirkung an der politischen Willens- und Meinungsbildung zu ermöglichen.
Sportvereine waren Vorreiter bei Integration
Im Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre widerspiegelt der Landauer Beirat den Wandel in Gesellschaft und Politik. Lange bevor Integration zur politischen Pflichtaufgabe wurde, gelang das Miteinander von gebürtigen Landauern und Zugewanderten vor allem im Sport. Der italienische Fußballverein Azzurri hinter seinem Gründer Guido Kuhn und das türkische Pendant – damals Türkgücü, heute Türkischer Sportverein – waren Vorreiter mit dem gemeinsamen Ziel, sich gegenseitig wertzuschätzen. Orhan Yilmaz zum Beispiel hat nicht nur bei den Türken, sondern auch beim Horstsportverein multikulturelles Miteinander gelebt und gefördert, lange vor seinem Engagement als Beiratsvorsitzender im Rathaus.
Die Türken und die Tamilen, deren konstantes Mitglied im Beirat immer noch Kandasamy Kulenderarajah ist, sowie die Deutsch-Französische Gesellschaft bescherten bei vielen städtischen Veranstaltungen den Gästen in Landau musikalische, literarische und kulinarische Köstlichkeiten. Der damals noch sogenannte Ausländerbeirat widmete sich hauptsächlich kulturellen Themen. „Lerne die Bräuche und Sitten des anderen kennen, denn nur was du kennst, kannst du lieben.“ Dies war einer der beliebtesten Sätze zum Beginn von Lesungen, Konzerten, Sport- und Tanzveranstaltungen und Diskussionsrunden bezüglich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in verschiedenen Religionen und Kulturen.
Aufgaben des Beirats sind heute andere
Seit 2009 gibt es das Landesgesetz, das die Einrichtung von Beiräten für Migration und Integration in Gemeinden mit mehr als 1000 ausländischen Einwohnern vorschreibt. Der Beirat in Landau ist dem Sozialamt zugeordnet und besteht aus acht gewählten Mitgliedern und vier aus dem Stadtrat berufenen Mitgliedern mit vollem Stimmrecht. Diese sind aktuell Norbert Herrmann (AfD), Hans-Ludwig Tillner (CDU) Sophia Berlin (Grüne) und Magdalena Schwarzmüller (SPD). Die Vertreter des Sozialamtes sind die städtische Integrationsbeauftragte Elena Bonatz und Breendar Sathiyaseelan als Mitarbeiter der Verwaltung.
In Ausfüllung des gesetzlichen Anspruchs, mit dem Wandel in der Gesellschaft und weltweit besorgniserregenden Ereignissen haben sich auch die Zusammensetzung, die Zielsetzung und die Aktivitäten des Beirats für Migration und Integration in Landau verändert. Aus der Flut der Menschen, die 2015 ihre Heimatländer verließen, strandeten nicht wenige Geflüchtete auch in Landau, die sich hier einbringen wollen. Seit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine haben vor allem Frauen mit Kindern ihre Heimat verlassen und bemühen sich um die Aufnahme in die Gemeinschaft derer, die sie aufgenommen haben.
Zur Person
Klaudia Monika Fuchs ist 36 Jahre alt. Die Mutter eines sieben Jahre alten Sohnes stammt aus Polen, kam 2010 nach Deutschland. Nach dem Studium internationaler Beziehungen in Polen hat sie in Dresden Politikwissenschaft studiert. Seit 2019 lebt und arbeitet sie als selbstständige Fotografin in Landau. Nebenberuflich hat sie ein Netzwerk für Unternehmerinnen „Frauennetzwerk Pfalz“ und ein Netzwerk für Frauen mit Migrationsgeschichte gegründet. Im Beirat für Migration und Integration ist sie absolute Neustarterin. Auf Instagram habe sie den Aufruf zur Wahl gelesen und sich bei der Integrationsbeauftragten beworben.
