Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Marathon: Was Läufer auf der Strecke erwartet

Das Bild zeigt den Dämmermarathon in Mannheim 2019: Dort dürfte es wohl weniger Höhenmeter zu überwinden gegeben haben als es in
Das Bild zeigt den Dämmermarathon in Mannheim 2019: Dort dürfte es wohl weniger Höhenmeter zu überwinden gegeben haben als es in Landau der Fall sein wird.

Die Streckenführung des Bréal-Marathons hat ihre Tücken. Unser Autor hat die ersten 21 Kilometer getestet. Im Oktober wird auch eine Leichtathletiklegende an den Start gehen.

Kurz vor Kilometer 16 finde ich mich auf einer Crosslauf-Strecke wieder. Die meiste Zeit führt mein Streckentest für den Bréal-Marathon über die Straßen und Wege in und um Landau. Nach etwa 90 Minuten morgendlichen Laufens bin ich jedoch auf dem Gelände des Forts gelandet. So hatte ich mir die Route nicht angesehen, als ich meinen Testlauf für den Wettkampf im Oktober geplant habe. Es hilft alles nichts: Während meine weißen Laufschuhe Bekanntschaft mit dem Waldboden machen, sammle ich an kurzen Anstiegen Höhenmeter.

Simon Engelhart beim Bréal-Marathon-Streckentest.
Simon Engelhart beim Bréal-Marathon-Streckentest.

Aber der Reihe nach: Es ist kurz vor halb acht, als ich am Deutschen Tor mein Aufwärmprogramm beginne. 18 Grad und Nieselregen – es gibt schlechteres Laufwetter für meinen Plan. Ich laufe am 3. Oktober in Landau die Volldistanz, also 42,195 Kilometer. Mein erster Marathon ist das nicht. Da meine einzige Bekanntschaft mit dieser Distanz aber fünf Jahre zurückliegt, möchte ich möglichst genau wissen, was mich erwartet. Im Training laufe ich daher die erste Hälfte der Marathonstrecke ab. Einen halben Liter Wasser und ein Energiegel habe ich für den Halbmarathon dabei.

Pfalzrekorde älter als viele Läufer

Los geht es auf dem Nordring, auf der Höhe der Neustadter Straße. Ein Rundkurs über den kompletten Innenstadtring steht an. Als ich durch den Ostring laufe, kann ich beinahe in die RHEINPFALZ-Redaktion winken. Die Redaktion hat einen guten Zuschauerplatz direkt vor der Haustür: Der Halbmarathon läuft zweimal vorbei, der Marathon sogar dreimal. Begleitet vom einsetzenden Berufsverkehr hake ich auch noch Süd-, Marien- und Westring ab, bevor ich hinter dem Alten Messplatz nach links abbiege. Den Zoo lasse ich links liegen, während es in der Hindenburgstraße erstmals sanft bergauf geht.

Die Entscheidung der Streckenplaner, etwa 270 Höhenmeter einzubauen, macht den Marathon landschaftlich interessant, wenn es zwischen den Weinbergen auf und ab geht. Ein Nebeneffekt: Die Läuferinnen und Läufer werden langsamer. Für Rekorde ist Landau damit wohl kein gutes Pflaster. Schnelle Strecken wie in Berlin erfordern weniger Kletterfähigkeiten. Dass der von Hans-Jürgen Eichberger in Kandel aufgestellte Pfalzrekord von 2:19:52 Stunden gebrochen wird, kann sich Udo Lichtenthäler aus dem Organisationsteam daher nicht vorstellen. Dabei wäre es eigentlich an der Zeit für neue Bestzeiten: Eichbergers Rekord ist seit 1981 unübertroffen, auch Birgit Jerschabecks Frauen-Pfalzrekord aus Lissabon (2:28:02 Stunden) hat seit fast 29 Jahren Bestand.

Unterstützung durch Pacemaker?

Für mich bedeutet das hügelige Terrain, dass ich mich mehr als sonst konzentrieren muss, um ein gleichmäßiges Tempo zu laufen. Eine gute Übung für den Wettkampf: Sogenannte Pacemaker, also Läufer, die gut sichtbar in der immergleichen Geschwindigkeit laufen und damit als Orientierung dienen, gibt es in Landau nämlich nicht. Eine Nummer zu groß wäre der Organisationsaufwand gewesen, sagt Lichtenthäler.

Nachdem ich zwei Gewerbegebiete durchlaufe, erreiche ich den nördlichen Stadtrand. Durch die Weinberge geht es jetzt auf und ab. Dann ist es Zeit für einen kleinen Umweg: Anstatt über die Kreisstraße 8 nach Nußdorf zu laufen, nehme ich einige Extrameter über Feldwege in Kauf. Schließlich ist die Straße, die ortsein- und auswärts zur Strecke gehört, heute nicht gesperrt. Im Stadtdorf selbst geht es weiter bergan. Es ist der größte Anstieg auf der Halbmarathonstrecke. Als ich kurz vor dem Ortsausgang in die Herrengasse einbiege, geben die Häuser kurz den Blick auf Landau frei. Noch 12 Kilometer sind es aber bis ins Ziel des Halbmarathons – und 33 bis zur Marathonmarke.

Verpflegung während des Marathons

Kein Grund zum Aufgeben, immerhin geht es jetzt bergab nach Godramstein. Das zweite Landauer Stadtdorf des Tages fliegt förmlich an mir vorbei, so schnell verliere ich Höhenmeter. Im Anschluss steht wieder ein Ausflug in die Natur an: Entlang der Queich steuere ich auf einem kaum drei Meter breiten Feldweg wieder auf die Stadt zu. So eng wie hier wird die Strecke nur selten. Nach einem weiteren verkehrsbedingten Umweg komme ich am Südpfalzstadion an. Anstatt die Laufbahn anzuvisieren, macht die Route aber einen Knick nach links – es geht ins Fort.

Dort stehen mehrere kurze Rampen an, die sich nach eineinhalb Stunden Belastung aber deutlich anstrengender anfühlen, als sie aussehen. Dass nach einer Extrarunde um das Bethesda eine Verpflegungsstation wartet, dürfte den Läufern wohl schmecken. Insgesamt zehn solcher Stationen gibt es entlang des Marathons, davon vier auf den ersten 21 Kilometern. Über Wasser hinaus gibt es laut dem Veranstalter an einigen Stationen Elektrolytgetränke und Obst.

Eine Lauflegende in Landau

Diesmal gegen den Uhrzeigersinn geht es dann zurück auf die Ringe: Der etwa 2800 Meter lange Rundkurs muss zum zweiten Mal durchlaufen werden. An der Kreuzung von Ost- und Nordring trennen sich Halbmarathon- und Marathonläufer. Im Oktober werde ich also nicht in den Nordring abbiegen, sondern geradeaus in die Haardtstraße laufen. Beim Streckentest folgt nach dem Nordring die Zielgerade auf der Marktstraße – und dann ist es geschafft. Kurz vor dem Rathaus enden sowohl die 21 als auch die 42 Kilometer. Etwas über sechs Minuten habe ich pro Kilometer gebraucht. Hochgerechnet auf den Marathon entspricht das einer Zielzeit von etwa 4:20 Stunden.

Und die Besten? Wolfgang Behr versucht sich an einer Einschätzung. Er moderiert am 3. Oktober die Veranstaltung und hat das Teilnehmerfeld im Blick. Eine Zeit unter zweieinhalb Stunden werde es bei den Männern wohl nicht geben, sagt er. Bei den Frauen hält er 2:45 Stunden für möglich. Einfach sei es aber nicht, eine Prognose abzugeben: Auf der profilierten Strecke hänge viel vom Wetter ab. Der größte Name findet sich derweil auf der Startliste des Halbmarathons: Mit Sabrina Mockenhaupt-Gregor geht eine dreifache Olympiateilnehmerin an den Start, die in ihrer Karriere über 40 Deutsche Meistertitel gewann.

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