Landau Männer in Frauenberufen
„Muckis und Köpfchen“ und „Coole Jungs für starke Pflege“. Diese zwei Slogans zeigten offenbar Wirkung bei 12 Schülern, die sich in diesem Jahr von dem Angebot des Pfalzklinikums beim Boy’s Day angesprochen fühlten. Sie tauschten die Klassenzimmer in der Integrativen Gesamtschule Landau, den Realschulen in Annweiler, Dahn und Bad Bergzabern und vom Max-Slevogt Gymnasium in Landau gegen ein Kurzpraktikum im Pfalzklinikum und dem Klinikum Südliche Weinstraße in Landau ein.
Beim Boy’s Day bekommen Schüler der fünften bis zehnten Klasse die Möglichkeit, in typische weibliche Berufe hinein zu schnuppern. Im Umkehrfall können Mädchen beim Girl’s Day typische Männerberufe kennenlernen. Silke Mattes, Gleichstellungsbeauftragte im Pfalzklinikum, organisierte in Kooperation mit dem Klinikum SÜW in diesem Jahr wieder das Angebot für die männlichen Schüler. Während eine Gruppe sich für den Alltag im Landauer Klinikum interessierte, entschieden sich fünf Schüler für den Bereich der Hauswirtschaft im Pfalzklinikum. Sie lernten dabei den Reinigungsservice, die Küche und das Konferenzmanagement kennen. Ein eher ungewöhnliches Arbeitsfeld für die Jugendlichen. „Was sind eigentlich die Aufgaben einer Hauswirtschafterin oder eines Hauswirtschafters?“ Das wollten Tillmann, Daniel, Michael, Abdullah und Bernd ganz genau wissen. Zu Beginn waren sie noch etwas skeptisch, kannte sie von daheim doch ihre Mutter als alleinige „Hauswirtschaftsmanagerin“. Natürlich wissen die jungen Leute, wie der heimische Staubsauger funktioniert. Aber die Anwendung einer „Scheuer-Saug-Maschine“ bei großen Flächen oder der richtige Umgang mit dem Putztuch und dem passenden Reinigungszusatz war neu. Das alles erklärte ihnen die Hauswirtschaftsmeisterin und Bereichsleiterin Carmen Bogdanski. Selbst mit den eigenen „Muckis“ die Maschine bedienen, war dann wiederum Ehrensache für die Schüler. Sichtlich mehr Vergnügen bedeutete für sie allerdings das Tischdecken: Wie müssen Messer, Gabel, Löffel, Gläser richtig zum Teller platzierte werden und wie werden Servietten gefaltet? Mit mütterlicher Geduld unterrichtet Gerlinde Harde vom Konferenzmanagement die aufmerksamen Jungs in Sachen Tischkultur. Als Höhepunkt durften die Fünf sogar einen Tisch für die Eltern mit ihren eigenen Ideen gestalten – als Vorbereitung für den anstehenden Muttertag. Einen Einblick in die Großküche des Klinikums und dort vor allem in die überdimensionalen Kochtöpfe gewährte ihnen mit fachlicher Begleitung Bereichsleiter und Küchenchef Andreas Adam. „Wir sehen ja aus wie in einem OP“, stellten die Jugendlichen fest. Denn sie mussten zuerst, in entsprechende Besuchersets eingekleidet, durch die hygienische Schmutzschleuse. Den Abschluss des Schnelldurchganges im Arbeitsfeld eines Hauswirtschaftsmeisters“ bildete die Arbeit eines Gebäude- und Fensterreinigers. Bei der abschließenden Reflexionsrunde mit ihren Kollegen, die im Klinikum Landau die Notaufnahme und den Gipsraum kennenlernen konnten, erklärten die Nachwuchs-Hauswirtschafter: „Wir bereuen es nicht, Hauswirtschaft ausgesucht zu haben. Das ist ja gutes Training für den Alltag.“ Ob sie allerdings nach der Schulzeit den Beruf eines Hauswirtschafters ergreifen, ist für sie noch offen. (chf)