Ukraine-Krieg Lions Club plant weitere Fahrt nach Rumänien
„Ich habe noch nie so tote Kindergesichter gesehen.“ Das sagt Nicole Richter. Sie war am vergangenen Wochenende an der ukrainisch-rumänischen Grenze, genauer: in Botosani in den Ostkarpaten. Dort haben sie und weitere Südpfälzer gespendete Hilfsgüter an die Menschen übergeben, die vor der russischen Invasion geflohen sind. „Dort kommen ausschließlich ältere Menschen an – oder Frauen mit Kindern“, berichtet Richter. In der Nacht werde es dort bis zu -15 Grad kalt, die Menschen müssten in Feldbetten in unbeheizten Zelten übernachten. Dazu berichtet sie von einem Mädchen, das alleine auf die Habseligkeiten aufpassen habe müssen. Die Mutter sei mit dem Säugling zum Stillen in ein Zelt gegangen und habe in der Not die Kleine beauftragt, auf das Gepäck zu achten. Ihr habe sie ein Kuscheltier gegeben – die Augen des Mädchens hätten geleuchtet. „Ich habe dort sehr viel gesehen. Und man nimmt diese Bilder mit nach Hause“, sagt die 50-Jährige. „Aber: Diese Bilder geben auch die Kraft, weiterzumachen.“ Und das hat Richter vor.
Richter hat den Weihnachtskonvoi organisiert
Sie ist Präsidentin des neuen Lions-Clubs Landau-Südpfalz und hat eine von bisher zwei Hilfsfahrten des Clubs mit je einem 40-Tonnen-Lkw nach Rumänien begleitet. Und der Club plant für Samstag, 26. März, gleich mit zwei Lkw und einem Reisebus eine weitere Tour. Mit dem Bus will man Schutzsuchende nach Landau mitbringen. Natürlich mache man das nicht alleine, versichert Richter. Als der Club den Beschluss fasste, Spenden zu sammeln, sei man bei den anderen Lions Clubs in der Südpfalz noch nicht bekannt gewesen. Und dennoch hätten sich die Mitglieder von sechs weiteren Lions Clubs aus der Region sofort dazu entschlossen, den neuen Kollegen unter die Arme zu greifen. Nur so habe man eine so große Aktion überhaupt starten können. Geholfen haben auch die Verbindungen von Richter.
Die Verkaufsleiterin eines Anbieters naturkundlicher Heilprodukte habe bereits sieben Mal den Weihnachtspäckchenkonvoi organisiert, der Ziele in der Ukraine, Moldawien, und Rumänien angefahren hat. Sie hat Verbindungen in die Region. Ihr sei sofort klar gewesen: Wir fahren nicht an die polnisch-ukrainische Grenze, sondern an die rumänische. Denn sehr viele Hilfsaktionen konzentrierten sich gen Polen, Rumänien fällt auch in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig hintenrunter.
„Wir wollten es nicht wissen“
Am Donnerstag, 10. März, ging die Reise über Österreich und Ungarn los. Erster Stopp: Satu Mare in Rumänien. Dort betreue die örtliche Caritas Lager für Geflüchtete – diesen wurde ein Teil der Hilfslieferungen übergeben. Dann ging’s weiter nach Botosani. Einen Teil der Güte habe man über Kontakte und Mittelsmänner auch gen Odessa in der Ukraine bekommen – mithilfe eines Tricks. Denn: Es lägen Berichte vor, dass russische Soldaten Hilfskonvois, sofern sie sie erkennen, anhielten und ausplünderten. Von Kontakten aus Odessa habe sie glücklicherweise erfahren, dass die Güter angekommen seien.
Ganz einfach war die Hin- und Rückreise auch nicht. Richter berichtet davon, dass sie Rauchwolken im Grenzgebiet gesehen habe. Im Fahrzeug habe man sich gefragt, was das ist. Könnte ein rumänischer Bauer sein, der bei Schnee seine Felder rodet ... Dass dies nicht sein kann, sei jedem klar gewesen. „Aber wir wollten es eigentlich nicht wissen.“ Am nächsten Tag habe man den Grenzübergang erreicht, der am Vortag angegriffen worden sei. Daher die Rauchwolken.
Spenden gesucht
Übergeben habe man Hygieneartikel, Lebensmittel, Decken, Schlafsäcke, Medikamente, Pampers „auch für alte Menschen“, Baby-Bedarf – das sind genau die Güter, die nun auch wieder benötigt würden. 100 Prozent – auch der Geldspenden – werde für die Hilfe eingesetzt, betont Richter. Nichts werde für Organisation, Verwaltung oder den Club abgezogen.
Spenden
Der Lions-Club Landau-Südpfalz nimmt werktäglich von 10 bis 16 Uhr Sachspenden bei MBE, Industriestraße 13, Landau, an. Auch Geldspenden sind willkommen. Konto: Lions Förderverein, IBAN: DE03 5485 0010 0035 1497 07