Landau Lebensretter mit der Milchkanne
Die Weiberbratenvereinigung ist immer mit dabei, wenn Berghausen feiert – wie jetzt sein 825. Bestehen am kommenden Wochenende oder das Brunnenfest am letzten Juniwochenende. Dann backen die Frauen wieder emsig Waffeln – aus gutem Grund. Sie wollen mit dem Verkaufserlös anderen helfen.
„Unser Verein besteht nur zu dem Zweck, dass wir Gutes tun“, sagt die Vereinsvorsitzende Ingrid Simon. „Wir tun dies in der Tradition der Ahnfrauen.“ Die gute Tat von einst macht bis heute von sich reden. Es gibt wohl keinen in Berghausen, der die Geschichte nicht kennt: Berghäuser Frauen zogen an dem klirrendkalten Dreikönigstag im Jahr 1706 in Richtung Speyer, wo sie ihre Milch verkaufen wollten. Auf ihrem Weg erblickten sie in der Höhe des Tafelsbrunnens ein Feuer im Gutleuthaus, einem Heim für kranke und alte Menschen. Wasser war keines da, weil Brunnen und Bäche gefroren waren. Also zögerten die Frauen nicht, löschten die Flammen mit der Milch und retteten damit die Bewohner des Hauses. Die Stadt Speyer ließ sich nicht lumpen und spendierte den geistesgegenwärtigen, tatkräftigen Frauen für den außergewöhnlichen Lösch-Einsatz einen Festbraten – nicht nur einmal, sondern fortan jedes Jahr. Daher der Name Weiberbraten. Bei einem Fest verspeisten die Frauen den Braten. Die Tradition hat sich in abgewandelter Weise bis heute erhalten, nur dass Speyer den jährlichen Braten in einen Geldbetrag umgemünzt hat und das Fest nur noch alle fünf Jahre auf dem Programm steht, zuletzt im vergangenen Jahr. Die Löschaktion inspirierte verschiedene Künstler, die Gedichte verfassten und Lieder schrieben. Das bekannteste Werk stammt aus dem Jahr 1993, findet sich in der Ortsmitte und wird umrahmt vom alten Bürgermeisteramt, Zehnthaus und Pfarrkirche: der Weiberbratenbrunnen. Rund um diesen Brunnen wird am vierten Wochenende im Juni das Berghäuser Brunnenfest gefeiert. Der figurenreiche Brunnen, den Arnold Wühl gestaltete, ist ein Andenken an das vorbildliche Handeln wie der Gedenkstein in der Nähe des Tafelbrunnens, wo einst das Gutleuthaus stand. Der Gedenkstein soll nicht nur an die gute Tat erinnern, sondern auch ein Zeichen dafür sein, sich für bedürftige oder in Not geratene Menschen – für die gute Sache im Allgemeinen – einzusetzen. Diesen Gedanken lebt die Weiberbratenvereinigung. Die Frauen führen nicht nur das Festschmaus-Erbe fort. Sie sind auch bei vielen Veranstaltungen aktiv, verkaufen ihre begehrten Waffeln. Ehrensache, dass sie den Teig dabei selbst ansetzen. Das eingenommene Geld fließt in wohltätige Zwecke in der Umgebung, denn dem Verein sei es wichtig zu sehen, was damit geschieht, sagt Ingrid Simon. Die Spenden kamen bisher unter anderem dem Speyerer Frauenhaus, dem Kinderhospiz Sterntaler, dem Kindernotarztwagen, der Jugendfeuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz zu. Nach der Gasexplosion in Harthausen unterstützte die Weiberbratenvereinigung einen Fond der Feuerwehr, der Wehrleuten hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Nicht fehlen dürfen die „Weiber“ auf dem jährlichen Speyerer Brezelfestumzug. Mit lauten „Juhu“-Rufen, ihren Trachten und Marktwagen machen sie Stimmung. Dann tragen sie ihre blau-weiße Vereinskleidung, mit der sie die Berghäuser Farben aufgreifen. Die Kleider haben sie selbst nach eigenem Geschmack entworfen, erläutert die Vorsitzende des rund 320 Mitglieder zählenden Vereins. Dagegen folgen die beigefarbenen Bauernkleider, in denen die Weiberbratenfrauen ebenfalls erscheinen, 300 Jahre alten Vorbildern. Bei der Eröffnung des Berghäuser Jubiläumsfestes werden die Weiberbratenfrauen den Ausschank übernehmen, ehe sie die Festbesucher am Samstagabend und Sonntag mit ihren Waffeln verwöhnen. Info Weitere Informationen unter www.weiberbraten.de