Landau Lauschangriff
Zwei Arbeiter suchen für die Energie Südwest die Landauer Wasserleitungen und Hausanschlüsse nach undichten Stellen und Rohrbrüchen ab – durch gezieltes Lauschen. In den kommenden Wochen fährt das Duo mit Spezialgerätschaft durch die Stadtdörfer. Ein Besuch in Mörzheim.
Ein neugieriger Anwohner guckt aus seinem Dachfenster. Aus rund hundert Metern Entfernung klingt ein metallisches Hämmern. „Das ist Guss“, ruft Michael Hans. Er arbeitet seit 35 Jahren für die Energie Südwest und begleitet Karl Mellein von der Spezialfirma Hammann und Theurer aus Bad Bergzabern. Der ist für die Auswertung zuständig und muss vorher wissen, mit welchem Material er es zu tun hat. Manche Wasserleitungen sind aus Kunststoff, die klingen anders. Das Verfahren beginnt zunächst simpel, um nicht zu sagen mit roher Gewalt. Denn als Erstes müssen die Deckel geöffnet werden, unter denen sich Zugänge zur Leitung befinden. Diese klemmen oft, tausende darübergefahrene Autos haben sie fest in ihre Rahmen gepresst. Eine der Abdeckungen lässt sich durch hämmern, ziehen und hebeln nicht mehr lösen. Hans muss sie einschlagen, danach klafft in der Mitte ein Loch. Kein Problem, sagt er. „Wenn wir fertig sind, kommt ein Trupp hinterher, der ersetzt die Dinger.“ Sobald die Deckel offen sind, wird mithilfe eines Magneten ein Mikrofon auf die Leitung aufgesetzt. Die Geräuschkulisse unter der Fahrbahn wird dann per Funk zum Messwagen übertragen. „Das ist ein normales Mikro, wenn Sie das an eine Anlage stöpseln, können Sie damit singen“, sagt Mellein. Erst im Messwagen wird es dann komplizierter. Ein Computer stellt die Schallwellen grafisch dar und berechnet genau, wo zwischen zwei Messpunkten eine undichte Stelle sein könnte. Zusätzlich lauscht Mellein mit einem Kopfhörer selbst nach Verdächtigem. „Manchmal höre ich ein Leck schon 300 bis 400 Meter vorher.“ Wenn die Kurve ausschlägt und lauteres Rauschen zu hören ist, deutet das auf einen Verbrauch hin. Er hört also auch, wenn in der Nachbarschaft jemand duscht oder Geschirr spült. Verstummt das Geräusch nach kurzer Zeit nicht, könnte dort ein Leck sein. Dann geht es in der Nachbarschaft auf Spurensuche. Zweck der Untersuchung ist es, wertvolles Trinkwasser nicht einfach versickern zu lassen. Wenn ein Leck festgestellt wird, kann der Schaden behoben werden. Undichte Stellen entstehen durch Materialermüdung oder Bodenbewegungen. Verkehrslärm stört die akustische Messung nicht. „Wir haben das auch schon in Ramstein gemacht, die Flugzeuge dort sind viel lauter als der Verkehr“, sagt Mellein. Es ist eher die zunehmende Unachtsamkeit der Autofahrer, die Michael Hans Sorgen bereitet. „Man muss echt aufpassen, dass die einen nicht zusammenfahren“, sagt er, während ein Lastwagen knapp vorbeibraust. Auf vielbefahrenen Hauptstraßen arbeiten sie nachts, anders geht es nicht. Von der Unfallgefahr zeugen auch einige Kratzer und Dellen am Messgerät. „Die werden leider sehr oft überfahren, obwohl wir drumherum immer Pylonen aufstellen“, sagt Mellein. Die bereits kontrollierten Abschnitte markiert er auf einem Stadtplan. Etwa 100 Kilometer Rohre sind es dieses Mal, rund vier Wochen dauert das. Manchmal werden mehr, manchmal weniger Schäden entdeckt, so Hans. Einen ersten Treffer haben die beiden gestern bereits gelandet. In der Wollmesheimer Hauptstraße haben sie einen Rohrbruch geortet. Voraussichtlich heute wird dort der Schaden repariert.