Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Zoo hat ein Herz für alte Nutztierrassen

Bedroht: Großsilberkaninchen Havanna.
Bedroht: Großsilberkaninchen Havanna.

Es müssen nicht immer Exoten sein: Im Landauer Zoo werden auch gefährdete Nutztierrassen gehalten, beispielsweise der Bergische Schlotterkamm oder die besonders seltenen Deutschen Großsilberkaninchen des Farbschlags Havanna. Jetzt ist Direktor Heckel hinter einem besonderen Huhn her.

Im Landauer Zoo hat vor wenigen Tagen der Arbeitskreis Kleintiere des Fachbeirats Tiergenetische Ressourcen getagt. Der ist bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angesiedelt und befasst sich mit der Erhaltung einheimischer Geflügel- und Kaninchenrassen. Denn Bund und Länder haben sich schon 2003 verpflichtet, den Fortbestand solcher Rassen für künftige Generationen zu sichern. Ziel ist es, einen möglichst großen Genpool zu bewahren, denn oft sind die alten Rassen robust, an besondere Standorte angepasst und kommen auch mit schwierigen geografischen oder klimatischen Verhältnissen zurecht – oder auch nur mit der Freilandhaltung, an der manche moderne Stalltiere aus der Intensivlandwirtschaft bereits zugrunde gehen würden. Alte Eigenschaften können wichtig werden, wenn sich Umweltbedingungen ändern. Folglich will man sie für künftige Züchtungen nutzen können.

Nutztiere als Besuchermagnet

Thema in Landau war denn auch, was Zoos zur Erhaltung einheimischer Nutztierrassen beitragen können. Darüber hat Sinje Büttner von der Arche Warder gesprochen, einem Zoo und Landschaftspark in Schleswig-Holstein, der auf 40 Hektar Fläche 1200 Tiere aus 87 seltenen und vom Aussterben bedrohten Haus- und Nutztierrassen (er)hält – und mit diesem nur auf den ersten Blick unspektakulären Bestand jährlich 115.000 Besucher anzieht.

Der Landauer Zoodirektor Jens-Ove Heckel hat den Mitgliedern des Arbeitskreises die eingangs genannten Kaninchen und Hühner gezeigt (denn das ist der Schlotterkamm) – und einen weiteren Schatz: die vier Ouessantschafe des Zoos. Auch sie sind eine alte Nutztierrasse, genauer: die kleinste bekannte Schafrasse, die von der gleichnamigen französischen Atlantikinsel stammt. Sie liegt vor dem westlichsten Punkt des Festlands, dem Cap Finisterre, und hat laut Heckel mit ihrem rauen Klima die Schafrasse stark geprägt. Gerne hätte Heckel bei der Anlage des Streichelzoos auch noch eine typisch pfälzische Nutztierrasse gezeigt, das Glanrind, doch wegen Platzmangels konnte nur die Attrappe einer Kuh mit Kalb aufgestellt werden.

Viele Nutztiere vom Aussterben bedroht

Durch die Kontakte mit dem Arbeitskreis Kleintiere hat er nun aber eine neue Spur aufgenommen. Denn der Bergische Schlotterkamm war seinerzeit die Hühnerrasse, die noch am ehesten aus der (Groß)region stammte, aber halt nicht aus der Pfalz. Doch jetzt ist Heckel nach eigenen Worten „wie der Teufel hinter der Seele“ hinter dem Pfälzer Kämpfer her, einer alten Hühnerrasse. „Das passt“, findet er.

Heckel will mit dem Landauer Zoo einen Beitrag zur Rettung alter Nutztierrassen leisten, denn insbesondere bei den Kleintieren seien es fast nur noch Hobbyzüchter und Liebhaber, die sich um den Erhalt kümmern, wenn Tiere „in der intensiven Landwirtschaft ihren Platz nicht mehr finden“. Doch der Züchterkreis sei oft schon älter, der Nachwuchs rar, so dass die Gefahr, dass „etwas ganz verschwindet, groß ist“ – insbesondere dann, wenn beispielsweise als „Super-Gau“ noch die Geflügelpest oder etwas Ähnliches in einen Bestand einbreche und alle Tiere gekeult werden müssten. Rund 200 Zoos in Deutschland hätten Platz, Kompetenzen und Personal und könnten mit ihrem Netzwerk dazu beitragen, die kleinen Restbestände an manchen Nutztierrassen auf mehrere Standorte zu verteilen und so besser zu schützen. Nach Heckels Angaben hat eine Erhebung 2020 ergeben, dass 54 deutsche Zoos mehr als 1300 Tiere aus 81 einheimischen Nutztierrassen halten.

Wichtig für den Genpool

Jetzt kommen auch die Großsilberkaninchen Havanna im Landauer Zoo ins Spiel: Insgesamt würden 50 Prozent aller extrem gefährdeten, 50 Prozent aller stark gefährdeten und 100 Prozent aller gefährdeten Kaninchenrassen in Zoos gehalten, so Heckel. Er war über den Landesverband der Kaninchenzüchter Rheinland-Pfalz, vertreten durch Bernhard Graf, auf diese Kaninchen gestoßen. Der Zoo züchtet sie jetzt und beteiligt sich am Zuchtbuch der Rasse. Diese wird auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen als gefährdet geführt. Vom Farbschlag Havanna gab es 2021 in Deutschland nur noch 33 weibliche und 19 männliche gelistete Tieren in nur noch neun Zuchten.

Der Landauer Zoodirektor erklärt an einem Beispiel, warum der alte Genpool so wichtig ist: Die Hochleistungsmilchviehrasse Holstein Friesian leide oft an Klauenproblemen, die alten Rinderrassen beispielsweise aus dem Gebirge völlig fremd sind. Da liege es nahe, solche wertvollen Eigenschaften auch in die moderne Rinderzucht einzubringen.

Viele ziehen an einem Strang

Im Arbeitskreis Kleintiere sind das Institut für Nutztiergenetik des Friedrich-Loeffler-Instituts vertreten, der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter, der Wissenschaftliche Geflügelhof in Rommerskirchen, der Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter, die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen und die Initiative zur Erhaltung alter Geflügelrassen. Unterstützt wird der Arbeitskreis durch die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde und das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Quessantschafe sind die kleinste Schafsrasse der Welt.
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Der Bergische Schlotterkamm ist eine alte Hühnerrasse.
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