Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Polizei mit Elektropistolen ausgerüstet

So sehen die Elektroschockpistolen aus.
So sehen die Elektroschockpistolen aus. Foto: van

Ein heller Lichtstrahl, zwei kleine rote Lichtpunkte: Wer das auf sich gerichtet sieht, tut gut daran, sich friedlich zu verhalten. Die Rede ist von Deig, dem Distanz-Elektro-Impuls-Gerät, mit dem nach und nach die Polizei in ganz Rheinland-Pfalz ausgerüstet wird. Die ersten vier Geräte sind in Landau angekommen, und die ersten beiden Beamten sind im Umgang mit dem oft als Taser bezeichneten Gerät geschult.

Taser ist eine amerikanische Herstellerbezeichnung für eine Elektroschockpistole, die mittels Druckluft (in den USA auch mit Schießpulver) zwei dünne Drähte verschießt. An deren Enden sitzen Nadeln mit Widerhäkchen – mit dem Ziel, einen Angreifer auf Distanz zu halten und durch einen Stromstoß außer Gefecht zu setzen.

Der Selbsttest war unangenehm

„Wer den Strom mal gespürt hat, will das nicht noch mal erleben“, sagt Dirk Bürger. Er ist seit 25 Jahren Polizeibeamter im Streifendienst, und er weiß, wovon er spricht: Bei einem Training zur Eigensicherung hatte der Referent einen Freiwilligen gesucht. „Das hat mich interessiert“, sagt Bürger lapidar. Wenn ihn nicht Kollegen gehalten hätten, wäre er zu Boden gegangen, berichtet er, aber er sei auch nur kurz benommen und schnell wieder völlig beschwerdefrei gewesen.

„Wir haben lange drauf gewartet, das ist ein wirklich gutes Einsatzmittel“, findet Sebastian Burkhard, Pressesprecher der Landauer Polizei. Denn in vielen Fällen reiche allein schon der Anblick der gelben Plastikpistole, um Angreifer zum Aufgeben zu animieren. Wenn es hart auf hart kommt, soll der Stromstoß dafür sorgen. Die Hoffnung ist nicht unberechtigt. Auch die Bodycams zum Aufzeichnen von Einsätzen wirken abschreckend, und den Tasern eilt der Ruf voraus, äußerst unangenehm zu sein. Das Ziel ist klar: Der Elektroschock soll Verletzungen verhindern, sowohl bei den angegriffenen Polizisten als auch bei den Angreifern, gegen die sie sich ansonsten körperlich oder sogar mit der Schusswaffe wehren müssten.

Polizei hofft auf Abschreckungseffekt

„Die Anzahl der Widerstände ist leicht rückläufig“, weiß Inspektionsleiter Olaf Molzberger. 2016 gab es noch 49 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte, in den beiden Folgejahren 37 und 36. Die Elektropistole könnte diese Werte vielleicht nochmals senken. In Trier habe sogar ein Bodybuilder aufgegeben, als er die Elektropistole auf sich gerichtet sah, erzählt Bürger, der beobachtet hat, dass zwar die Fallzahlen sinken, aber die Aggressivität zugenommen hat.

Insbesondere Menschen unter Drogeneinfluss seien oft völlig schmerzunempfindlich, berichtet Steffen Schmid, der zweite Landauer Polizist, der für den Deig-Einsatz ausgebildet ist. Solchen Menschen sei oft mit Pfefferspray gar nicht beizukommen – mal ganz davon abgesehen, dass man damit leicht auch sich selbst oder Kollegen in Mitleidenschaft ziehen könne.

Pistole verschießt auch Konfetti

Die Elektropistole funktioniert auf 25 Fuß, was 7,62 Meter entspricht. Sie schickt einen fünf Sekunden dauernden Stromstoß durch die dünnen Drähte und misst selbst, ob die Anfangsspannung von 25.000 Volt ausreicht oder ob sie diese hochregeln muss bis 50.000 Volt. Die Stromstärke sei gering, berichten die beiden Polizisten: Sie betrage nur 1,6 Milliampere, weniger als beim Herzschrittmacher und sehr viel weniger als beim Defibrillator gegen Herzrhythmusstörungen. Die im Griff eingebaute Batterie reicht für mindestens 500 Stromstöße.

Jede Benutzung der Waffe wird auf einem eingebauten Chip gespeichert. Das gilt für den vorgeschriebenen täglichen Test ebenso wie für das Abfeuern der Elektroden. Mit denen zusammen wird auch Konfetti verschossen, berichtet Bürger: Die kleinen Papierschnipsel tragen die Registrierungsnummer jener Kartuschen, aus denen sie stammen, damit in jedem Einzelfall geklärt werden kann, wer für den Stromstoß verantwortlich war. Auch wenn Taser als prinzipiell ungefährlich gelten, muss stets ein Notarzt zugezogen und der so außer Gefecht Gesetzte untersucht werden. Für den Arzt gibt es sogar ein eigenes Infoblatt zum Deig – alles mit dem Ziel, das Risiko möglichst gering zu halten.

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