Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer liest aus Familienchronik

Das Buch von Wolfgang Liesigk ist eine Mischung aus Sittengemälde, Roman und Sachbuch.
Das Buch von Wolfgang Liesigk ist eine Mischung aus Sittengemälde, Roman und Sachbuch.

Es waren die Tage, als Deutschland in Trümmern lag. Landau auch – „begehbare Gerippe in der kleinen südwestdeutschen Stadt“. Beginnend in den Ruinen und beim Mut machenden 3:2-Sieg der stark mit Lauterern besetzten deutschen Nationalmannschaft über Ungarn, das auf einem winzigen Fernseher in der Gaststätte Deutscher Kaiser in der Königstraße übertragen wird, nimmt der Landauer Wolfgang Liesigk die Leser mit auf eine Zeitreise, die zwar (überwiegend) in der Südpfalz spielt, aber in hohem Maße allgemeingültig ist.

Familie wird nicht geschont

„Metzelsupp und Marschgetös. Eine Pfälzer Familiengeschichte 1900 – 1970“ heißt das Werk des pensionierten Lehrers, der 1946 in Landau zur Welt gekommen ist und sich in seinen 40 Dienstjahren immer wieder auch des Themas Faschismus angenommen hat. Nicht ohne Grund ist der fast 400 Seiten starke Band in der Reihe „Geschichte und Frieden“ im Donat-Verlag erschienen. Liesigk erklärt, „die Traditionslinie des Verschweigens überschritten“ zu haben: Er schont seine Familie nicht, berichtet vom frühen Eintritt väterlicherseits in die NSDAP – für den Autor ein Beleg für eine „stark braune Gesinnung und rechtslastige Energie“ – und bescheinigt der mütterlichen Linie, im Interesse der familieneigenen Metzgerei gute Beziehungen zu Nazi-Größen für opportun erachtet zu haben.

Liesigks Familiengeschichte basiert auf lebhaft geschilderten Erinnerungen, kombiniert mit einem umfangreichen Quellenstudium in zahlreichen Archiven, unter anderem im Stadtarchiv, das sich aber nie trocken in den Vordergrund drängt. Herausgekommen ist ein farbig gezeichnetes Epochenbild, das auch Nicht-Landauer in den Bann schlagen kann, für Landauer aber zudem viele Wiederentdeckungen bei Orten, Ereignissen und handelnden Personen bieten dürfte.

Wisst ihr noch?

Das reicht vom Maimarkt, auf dem siamesische Zwillinge ausgestellt wurden, über die Gaststätte Bratwurstglöckl an der Ecke König- und Ostbahnstraße oder die Einweihung des angeblichen Friedenstores, des Deutschen Weintors, bis hin zu einem Konzert von Franz-Josef Degenhardt im evangelischen Gemeindesaal an der Stiftskirche im Jahr 1968, als auch in der Südpfalz junge – meist langhaarige – Leute aufbegehrten und beispielsweise gegen eine Feier von Burschenschaften auf dem Rathausplatz demonstrierten oder am und im Tivoli-Kino mit roter Farbe und Stinkbomben gegen einen den Vietnamkrieg verherrlichenden Film demonstrierten.

Termin

Wolfgang Liesigk liest auf Einladung des Freundeskreises des Archivs und Museums der Stadt Landau am Mittwoch, 14. September, 19 Uhr, in der Stadtbibliothek Landau. Der Eintritt ist frei.

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