Landau Landau: Zum Semesterstart noch kein Dach überm Kopf
Ende des Monats starten die Vorlesungen im Wintersemester an der Uni Landau. Der Kampf um den knappen, für Studenten bezahlbaren Wohnraum beginnt aber schon viel früher. Studienanfängerin Moana Middel kann ein Lied davon singen.
Moana Middel, 17, sitzt Anfang Oktober in einem Landauer Café, und berichtet bei einer heißen Schokolade über ihre Odyssee. Middel kommt aus Aachen, hat gerade ihr Abitur gemacht. In der Südpfalz möchte sie einen Bachelor im neuen Studiengang „Mensch und Umwelt“ machen. Klingt alles ziemlich gewöhnlich. Doch Middel hat ein Problem: Sie braucht eine Wohnung oder ein Zimmer. Aber von diesen gibt es in Landau nicht gerade viele. Ihr geht es wie den meisten Studienanfängern, die das Elternhaus verlassen, um ein eigenständiges Leben zu beginnen: Zum Wintersemester, wenn die meisten Studiengänge starten, ist der Druck auf dem Wohnungsmarkt extrem hoch. Viele wenden sich hilfesuchend an den Allgemeinen Studierendenausschuss, kurz Asta. „Wir haben dieses Jahr so viele Anfragen wie noch nie erhalten“, sagt Mona Schwab, Referentin für Soziales beim Asta. Middel kann, wie viele andere Studenten, nur wenig Geld für die Miete ausgeben. 300 Euro gehen, ja, vielleicht auch 350, sagt sie – was nicht eben wenig ist. Eine Wohnung alleine anzumieten ist damit aber schwierig. Middels erster Ansprechpartner ist das Studierendenwerk Vorderpfalz. Es verwaltet drei Wohnheime in Landau: die Wohnanlage Vauban im Süden der Stadt und die beiden in der Godramsteiner Straße. Zusammen gibt es 387 Plätze, davon sind zum Wintersemester 133 frei geworden. Eigentlich gute Nachrichten. Eigentlich. Denn auf diese Zimmer bewarben sich rund 400 Leute. In Zukunft könnten das noch mehr werden. Seit Jahren steigen die Bewerberzahlen für Wohnheimplätze. Eine spürbare Entlastung, wie sie 2011 bei der Planung des Neubaus im Quartier Vauban angestrebt wurde, hat es also nicht gegeben. Es kommen wieder drei Bewerber auf einen freien Platz. Middel hatte keinen Erfolg. „Ich wurde erst im Nachrückverfahren zum Studium angenommen, die Fristen des Studierendenwerks für die Wohnungen waren da bereits abgelaufen“, sagt sie. Also bewarb sie sich auf Plätze in den vielen Landauer Wohngemeinschaften. Die erste Runde im September endete enttäuschend, von 30 angeschriebenen WGs antworteten gerade mal vier. Middel fuhr nach Landau, um sich bei den möglichen Mitbewohnern vorzustellen. Aber es half nichts. Sie bekam nur Absagen. Aber sie wollte nicht aufgeben. Für das erste Oktoberwochenende hatte sie weitere fünf WG-Termine in ihrem Kalender stehen. Auch diesmal kam Middel von Aachen nach Landau. In der Zeit, in denen sie durch die Wohngemeinschaften tingelte, fand sie Unterschlupf bei der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG), die für vier Euro pro Nacht Schlafplätze anbietet. Extra reserviert für Studenten, die zur Wohnungssuche nach Landau kommen. Pastoralreferent Ralf Nico Körber leitet die Einrichtung. „Wir hatten letztes Jahr ungefähr 250 Übernachtungen, die Studierenden bleiben zwischen zwei Nächten und vier Wochen.“ Dieses Jahr seien es nicht so viele, aber die Vorlesungszeit hat noch nicht begonnen. Die KHG schätzt, dass es Ende 2016 mehr Buchungen als im Vorjahr sein werden. Als einzige Frau in der Unterkunft durfte Middel in Körbers Büro schlafen. Nach wenigen Nächten dort kam sie bei einer Bekannten unter. Die Vorstellungsrunden in den WGs liefen aus ihrer Sicht gut. „Da war alles dabei, von einer Dreier-Mädels-WG bis zu 18er-WG“, sagt Middel. Doch wieder ging sie leer aus. Jasper, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, lebt in einer WG. Die suchte zum Start des Wintersemesters einen neuen Mitbewohner, sagt er. Weiblich, damit wie bisher je zwei Frauen und Männer zusammenwohnen. Die Suchanzeige sei keine 36 Stunden online gewesen, da habe es schon 80 E-Mails von Bewerbern gegeben. Im Vorjahr habe es auf einen damals freien Platz nicht so viele Bewerbungen gegeben, erinnert sich Jasper. „Es ist kein gutes Gefühl, zu so vielen Menschen Nein sagen zu müssen.“ Moana Middel hat noch keine Unterkunft in Landau gefunden. „Das wird noch klappen“, sagt sie. Am Sonntag kommt sie wieder, auch, um sich vorzustellen. Immer in der Hoffnung, bis zum Start der Vorlesungen eine Bleibe gefunden zu haben.